«Vetsch mit perfektem Einstand»

Die Fahrer des ersten Rheintaler Teams mit einer Lizenz des internationalen Radsportverbandes (UCI) sammeln am Weltcup-Auftakt in Südafrika Erfahrungen. Teamchef Urs Graf über eine aufwendige Reise, die sich aber lohnte.

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Teamchef Urs Graf analysiert den Auftritt seiner stärksten Fahrer. (Bild: ak)

Teamchef Urs Graf analysiert den Auftritt seiner stärksten Fahrer. (Bild: ak)

Urs Graf, das Bernecker Nationalkadermitglied Enea Vetsch fuhr bei seinem Weltcup-Début in Pietermaritzburg gleich auf den sechsten Platz bei den Junioren (U19). Haben Sie ein so gutes Resultat erwartet?

Urs Graf: Einen Top-Ten-Platz habe ich mir schon erhofft. Weil der Aufwand, in Südafrika ein Rennen zu bestreiten, für unser kleines Team bsk-Graf-Rollmat-Koba-MTB sowohl finanziell, als auch organisatorisch riesig war. Deshalb sind wir auch nur mit Fahrern gestartet, die von einem guten Resultat an den Weltcuprennen in Europa profitieren können.

Dann ging bei Enea Vetsch die Rechnung auf?

Graf: Ja, und zwar in jeder Hinsicht. Das gute Resultat nahm Enea viel Druck weg, denn er weiss nun, dass er in guter Form und auf dem richtigen Weg zur Spitze ist. Am Weltcuprennen in zwei Wochen im belgischen Houffalize wird er zudem vorne starten können. Das ist ein riesiger Vorteil und einer der Hauptgründe für die Reise, denn von hinten hat man kaum eine Chance ganz nach vorne zu fahren. Und es war für ihn eine wichtige Erfahrung, an einem internationalen Rennen teilnehmen zu können.

Nicht alle Junioren-Elite-Fahrer haben den Weg nach Südafrika auf sich genommen. Ist dieses Resultat überhaupt aussagekräftig?

Graf: Ja, denn vor allem die schwächeren Fahrer haben den Aufwand gescheut. Die Spitze war zwar nicht komplett, aber stark vertreten – allen voran Weltmeister Anton Cooper aus Neuseeland, der bereits Vollprofi ist und das Rennen auch entsprechend dominierte. Aber wie gesagt, im viel grösseren Startfeld von Houffalize wäre es schwierig geworden, nach vorne zu fahren und sich für die kommenden Rennen eine gute Ausgangslage zu schaffen. Zumal das Rennen in Belgien bereits zur WM-Selektion zählt.

Ihr Sohn Jürg wurde Sechzigster. Sind Sie damit zufrieden?

Graf: Ja, damit schaffte er gerade noch den Sprung in den ersten Startblock von Belgien, der exakt aus diesen 60 klassierten Fahrern besteht. Als 61. hätte er im etwa aus 200 Fahrern bestehenden Feld weit hinten starten müssen. Denn nach dem 60er-Block folgen die in Südafrika nicht klassierten Fahrer in der Reihenfolge ihres Weltranglistenplatzes. Beispielsweise der starke Schweizer Mountainbiker Vogel, der aufgab. Das verstand ich sowieso nicht, denn es ist viel besser als Dreissigster zu starten, als irgendwo zwischen Platz 60 und 70.

Braucht es nicht auch Glück, um als Letzter noch für die Top-Startaufstellung qualifiziert zu werden?

Graf: Schon, allerdings hat sich Jürg darauf konzentriert und er kann eben auch auf viel Rennerfahrung zurückgreifen, die ihm hilft, dorthin zu kommen. Zudem war es auf diesem Kurs sehr schwierig zu überholen, und er konnte sich, als 120ster gestartet, nur langsam vorarbeiten. Von den besten Rundenzeiten her hätte er sich um Rang 30 herum klassieren können.

Nicht nach Wunsch verlief die Renn-Premiere in Südafrika für Sabrina Maurer. Wieso schied sie aus?

Graf: Beim Rennen der Frauen zeigte das Thermometer fast 40 Grad an. Sabrina erlitt beinahe einen Kollaps und musste abbrechen. Sie verträgt die Hitze allgemein nicht so gut und ihr Körper konnte sich wohl zu wenig schnell darauf einstellen.

Bringt sie ihre besten Leistungen eher bei kaltem Wetter?

Graf: Ja, wohl deshalb liebäugelt sie auch mit dem Radquersport. Obwohl ihr dort die Erfahrung noch fehlt, konnte sie an den letzten Weltmeisterschaften gleich auf Rang 20 fahren – was bei ihrem erst zehnten Radquer-Rennen ein Top-Resultat war.

Wie geht es jetzt weiter?

Graf: Anfang April starten wir erstmals in der Schweiz und zwar in Buchs und eine Woche später in Belgien.

Was erwarten Sie sich von den drei Fahrern am «Heimrennen»?

Graf: Sabrina sollte sich im ersten Drittel klassieren können. Jürg ist ein Rang in den ersten zwölf zuzutrauen und Enea erwarte ich in den Top Fünf.

Interview: Reto Wälter