Verstehen, was Mami sagt

Der Erlös aus den Losen, die am Thai-Festival während des «Altstätter Samschtig» gekauft werden konnten, sichert den Fortbestand der Thai-Kulturschule Rheintal. Initiantin Jirasa Allenspach möchte sich dafür bedanken.

Maya Schmid-Egert
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Wahrhaftes Lernen fürs Leben: Hinten die Lehrerinnen mit (2. v. l.) Deaung Reich, Jirasa Allenspach, Praneet Zäch, Pornmanee Rütsche und Rachadaporn Schmid. (Bild: Maya Schmid-Egert)

Wahrhaftes Lernen fürs Leben: Hinten die Lehrerinnen mit (2. v. l.) Deaung Reich, Jirasa Allenspach, Praneet Zäch, Pornmanee Rütsche und Rachadaporn Schmid. (Bild: Maya Schmid-Egert)

ALTSTÄTTEN. Um 16 Uhr beginnt der Unterricht. Es ist Samstag und der einzige Unterschied zu sonst besteht darin, dass die Presse anwesend ist.

Neun Kinder stehen hintereinander in zwei Reihen. Sie singen ein Lied. Ob es ein lustiges oder ein belehrendes Lied ist, lässt sich nicht heraushören. Weder die Musik noch der Text lassen sich in bekannte Gehirn-Audiobahnen einbetten. Es tönt einfach nur anders, fremd.

Dann wird die Gruppe von Drei- bis Dreizehnjährigen in Leistungsgruppen eingeteilt.

Praneet Zäch unterrichtet die Jüngsten. Kevin und die drei Schwestern Jolina, Larissa und Soraya sitzen an einem Tisch im Pfarreiheim St. Nikolaus.

Es geht los: Die Lehrerin sagt zwei Wörter. Grosses «Kannitverstan». Nicht bei den Kindern. Sie antworten mit ihren Namen. Soraya, die Jüngste, spricht nicht. Demonstrativ stützt sie den Kopf auf die Hände ab. Das wird in jeder Sprache verstanden und bedeutet: Ich mag nicht!

«Die Kinder sollen lernen, sich mit ihrer Mutter thailändisch unterhalten zu können», umreisst Gründerin Jirasa Allenspach die Idee der Thai-Kulturschule Rheintal. Da Mutter und Kind über verschiedene Muttersprachen verfügen, kann eine bessere Verständigung zweierlei fördern: Die emotionale Bindung untereinander und das gegenseitige Lernen. Das Kind thailändisch, die Mutter besser deutsch.

Jetzt wird geklatscht. Und dazu etwas gesagt. Vielleicht Zahlen? Eines ist feststellbar: Thailändisch, auch nur Thai genannt, wird unterschiedlich betont. Ein Stakkato an kurzen, zuweilen recht hohen Lauten.

Die Lehrerin verteilt Blätter. Neben hübschen Illustrationen stehen Schriftzeichen, die für das ungeübte Auge irgendwie alle gleich aussehen. Wörter werden vor- und dann nachgesprochen. Soraya will noch immer nicht. Dann bekommt jedes Kind eine Farbkarte in die Hand gedrückt. Auch Soraya. Sie sagt etwas, das «Schwarz» heissen muss. Denn: Alle klatschen plötzlich!

«Wir versuchen, hier ein fröhliches, kindgerechtes Klima zu schaffen», sagt Jirasa Allenspach. Der Unterricht soll als Bereicherung und nicht als Paukerei empfunden werden.

Die Frauen, die hier arbeiten, tun dies unentgeltlich. «Von Herzen», wie die Inhaberin des Thai-Living-Ladens in der Marktgasse betont. Dafür möchte sie danke sagen. Und auch der katholischen Kirchgemeinde, die die Räume zu günstigen Konditionen zur Verfügung stellt – und all den Loskäufern, die ihr Glück an ihrem Stand im Rahmen des «Goldrausches» versuchten. Die Preise stiftete sie, die Botschaft in Bern legte fünf Hunderternoten dazu. So kam der stolze Erlös von Fr. 1438.85 zusammen. Und die Gewähr, dass die insgesamt 15 Kinder weiterhin zur Thai-Schule gehen können.