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VERSCHLOSSENE TÜREN: Die Teppichwäscherei, die nie geöffnet hat

Kurz bevor der «Kassensturz» vor Teppichbetrügern warnte, eröffnete im Städtli die «Teppichwäscherei Rheineck». Der Laden ist nie geöffnet, Anrufe und Briefe bleiben unbeantwortet.
Kurt Latzer
Das Ladenlokal der «Teppichwäscherei» in Rheineck ist seit der Eröffnung verwaist. Auf Post und Anrufe der Redaktion hat der Geschäftsinhaber bis heute nicht reagiert. (Bilder: Kurt Latzer)

Das Ladenlokal der «Teppichwäscherei» in Rheineck ist seit der Eröffnung verwaist. Auf Post und Anrufe der Redaktion hat der Geschäftsinhaber bis heute nicht reagiert. (Bilder: Kurt Latzer)

Kurt Latzer

Die Recherche zur «Teppichwäscherei Rheineck» begann, nachdem der «Kassensturz» die Bevölkerung vor den Machenschaften von Betrügern gewarnt hatte. In dieser Zeitung gab ein Herr Kwiek Inserate auf, mit denen er für seine Teppichwäscherei im Städtli warb. Das Inserat erregte Argwohn, weil es den Flyern der in der Fernsehsendung gezeigten Teppichbetrüger (siehe unten) glich.

Eine Antwortgibt es bis heute keine

16-mal besucht, 16-mal geschlossen: Im Laden an der Hauptstrasse 28 war nie jemand anzutreffen, und dies, obwohl mit Öffnungszeiten von «Mo – Sa 9 – 19 Uhr» geworben wurde. Unter den beiden Telefonnummern – einem Fest- und einem Mobilanschluss – war niemand zu erreichen. Einmal meldete sich eine Männerstimme. Auf die Frage, ob Herr Kwiek am Apparat sei, hiess es in gebrochenem Hochdeutsch: «Einen Moment – ja, ich rufe Sie zurück.» Die Antwort bleibt der Mann bis heute schuldig. Weitere Anrufe wurden weggedrückt. Möglicherweise hat der Wäschereibesitzer die Telefonnummer überprüft und will nicht mit der Zeitung sprechen. Die letzten Male war die Männerstimme nur ab Band zu hören.

Telefonisch und per Post nicht erreichbar

Es deutet alles darauf hin, dass M. Kwiek – dieser Name steht von Hand geschrieben auf dem Briefkasten neben dem Schaufenster – keine Besucher im Laden haben will. Er oder die Betreiber wollen anscheinend nur Termine für Hausbesuche. Ein weiteres Indiz hierfür ist der Zettel in der Aus­lage: «Wir sind zurzeit nicht im Geschäft. Für einen Termin rufen Sie bitte an …» Seit die «Teppichwäscherei Rheineck» eröffnet wurde, klebt diese Notiz am Schaufenster.

Weil telefonisch nicht erreichbar, schickte die Redaktion M. Kwiek zwei Briefe, einen per A-Post, einen zweiten eingeschrieben. Letzterer traf zwei Wochen später ungeöffnet wieder in der Redaktion ein. In den Briefen wurde M. Kwiek gebeten, zu Fragen über Teppichbetrüger und seinen Betrieb in Rheineck Stellung zu nehmen. Nachforschungen zeigen: Unter dem ­Namen Kwiek wurden in der Schweiz bereits an mehreren Orten Teppich- oder Polsterreinigungen eröffnet und inzwischen wieder geschlossen. Im Schweizer Handelsblatt gibt es einen Eintrag: «Kwiek – Fachreinigung Polster und Teppiche» in Riehen bei Basel. Als Inhaber mit Einzelunterschrift ist ein Gino Kwiek eingetragen, deutscher Staatsangehöriger aus Köln Buchheim. Jemand mit Namen Kwiek hat in Wolhusen, Kreuzlingen und vor der Eröffnung des Ladens in Rheineck auch in Tägerwilen eine Teppichwäscherei betrieben. Alle bisherigen Anrufe in einem dieser Läden blieben unbeantwortet, zum Teil waren die Anschlüsse nicht mehr in Betrieb. Überall das Gleiche: Die Inhaber benachbarter Läden der Teppichwäschereien sagten, sie hätten noch nie jemanden in den Teppichläden gesehen.

Alte Bekannte hinter Teppichgeschäften

Wie Bruno Meier, Präsident der Interessengemeinschaft Orientteppiche und Gutachter für Staatsanwaltschaften gegenüber dem «Kassensturz» vermutet, stecken hinter den Teppichgeschäften offenbar alte Bekannte: acht bis neun Familien, bei denen es sich um deutsche Staatsangehörige mit Roma-Hintergrund handeln soll. Genannt wird auch die Leverkusener Grossfamilie Goman. «Einzelne Familienmitglieder des Clans wurden in Deutschland bereits 2015 wegen Teppich- und Betrugsdelikten im grossen Stil angeklagt», heisst es im «Kassensturz». In «Spiegel-TV» im März 2014 erzählt Clan-Mitglied Ricardo Kwiek über die Machenschaften von Enkeltrick-Betrügern. Als eine der Maschen, um in Wohnungen von älteren Leuten zu gelangen, geben sich die Ganoven als Mitarbeiter eines Teppichhauses aus.

Die Maschen der Betrüger

Die Betrüger besitzen ein sicheres Auftreten und ein grosses Redetalent. Sie taxieren Teppiche als sehr wertvoll (auch wertlose) und schwatzen meist älteren Leuten eine Wäsche oder Restaurierung der Teppiche auf. In einem Fall betrug die Rechnung für eine solche Behandlung über 18'000 Euro. In vielen Fällen verlangen die Opfer keine Offerte mit der Auflistung der Kosten. Eine andere Masche: Die Betrüger sagen ihren Opfern beim Besuch in der Wohnung, ihr Teppich sei besonders wertvoll. Eine Reparatur zahle sich aber nicht mehr aus, man müsse den Teppich genauer analysieren. Beim zweiten Besuch bestätigt sich der schlechte Zustand. Zufällig haben die Betrüger einen passenden, ebenfalls sehr wertvollen Teppich im Wert von 40'000 Euro dabei, den sie zum Sonderpreis von 25'000 Euro offerieren und sagen, sie nähmen den alten Teppich im Falle des Abschlusses mit 10'000 Euro in Zahlung. Geschätzter Wert des neuen Teppichs: 115 Euro. Wenn der Betrug später auffliegt, schämen sich viele Opfer, den Vorfall zu melden. Weigern sich die Leute, die überhöhten Preise zu zahlen, werden sie unter Druck gesetzt. (kla)

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