Vernetzt gegen Asylzentrum

Einwohner von Wienacht und Schwendi wehren sich gegen das Asylbewerberzentrum Landegg. Um die Kriminalität von Asylbewerbern zu bekämpfen, steht eine Bürgerwehr zur Diskussion.
Johannes Wey
Gegen das Asylbewerberzentrum Landegg regt sich in Wienacht und Schwendi Widerstand. (Archivbild: Hanspeter Schiess)

Gegen das Asylbewerberzentrum Landegg regt sich in Wienacht und Schwendi Widerstand. (Archivbild: Hanspeter Schiess)

WIENACHT. Als Treffpunkt hatte Rolf Junkert das Restaurant Station auf Heidler Gemeindegebiet vorgeschlagen: «Hier unten sind die Auswirkungen des Asylzentrums gut spürbar.» Das Restaurant befindet sich direkt gegenüber der Appenzeller-Bahnen-Haltestelle Schwendi bei Heiden, die von zahlreichen Bewohnern des Asylzentrums Landegg genutzt wird. Das Zentrum liegt auf der Kantonsgrenze von St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden, genauer auf der Grenze der Gemeinde Eggersriet und des Lutzenberger Ortsteils Wienacht. Rolf Junkert wehrte sich zusammen mit Luzius Studer und der «Aktion pro Wienacht» bereits vor zwei Jahren gegen die Einrichtung des Asylzentrums Landegg. Nun beteiligen sich auch Bewohner des Heidler Ortsteils Schwendi an der Aktion, darunter Hans Thoma.

Bahnhof-Anwohner belastet

Die Nachbarn des Asylzentrums leiden laut den Vertretern der «Aktion pro Wienacht» vor allem unter alkoholisierten Asylbewerbern, die Passanten bedrohen, beschimpfen und tätlich angreifen würden. Ausserdem hätten sich in den Zügen, am Bahnhof und seiner Umgebung zahlreiche Diebstähle ereignet. «Alleine in der zweiten Jahreshälfte wurde mein Auto zweimal gefilzt», sagt Studer. Bei der Haltestelle gegenüber dem Restaurant Station würden «Parties gefeiert», sagt Junkert; im Wartesaal tummelten sich regelmässig betrunkene Asylbewerber. Auffällige Verhaltensmuster geben den dreien sogar Anlass zur Annahme, dass des Toilettenhäuschen als Zwischenlager, beispielsweise für Drogen, genutzt wird. Mit der Prioritätensetzung der Polizei sind die Initianten unzufrieden: «Die Beschwerden aus der Bevölkerung werden gar nicht mehr ernst genommen, wenn sich hier Polizisten zeigen, geht es nur darum, den Rapport ausfüllen zu können. Es ergeben sich aber keine Verbesserungen für die Anwohner», stellt Hans Thoma konsterniert fest. Doch die verstärkte Präsenz um die «Landegg» beansprucht die Ressourcen der Polizei laut Sprecher Willi Moesch erheblich: «Um die <Landegg> ist die Patrouillentätigkeit kantonsweit am intensivsten. Die Kantonspolizei AR hat 2011 über 60-mal interveniert und dabei fehlbare Asylbewerber verhaftet, in Ausnüchterungshaft genommen oder strafrechtlich verzeigt.»

Um das Problem anzugehen, haben sich Einwohner von Lutzenberg und Heiden über das Internet vernetzt, um sich auf denselben Informationsstand zu bringen. Im Raum steht auch die Möglichkeit einer Bürgerwehr, um Präsenz zu markieren.

Vom Zentrum befreien

Wie viele Bürger aus Wienacht und der Schwendi an der «Aktion pro Wienacht» beteiligt sind, möchten die Initianten nicht bekanntgeben. Das Ziel der Gruppe ist es, Wienacht vom Asylzentrum zu befreien. «Bevor die <Landegg> kam, hatten wir bereits das Zentrum Alpenblick», sagt Studer. Die drei kritisieren, dass von Opfersymmetrie keine Rede sein könne; das Dorf werde gegenüber anderen Gemeinden benachteiligt und angesichts von 125 Zentrumsbewohnern gegenüber einer rund 60-köpfigen Bevölkerung übermässig belastet. «Stellen Sie sich einmal den Aufruhr vor, wenn zwischen Speicher und Teufen ein Heim eröffnet werden sollte», so Luzius Studer. «Wir beherbergen seit knapp 25 Jahren Asylbewerber. Es ist Zeit, dass diese Last endlich auch durch andere getragen wird!»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.