«Verkaufe nicht gerne Schulhäuser»

ST.MARGRETHEN. Schweren Herzens verkaufte die Schule das Schulhaus Nebengraben. Mit der PP Software AG gewann das Dorf dafür «hochqualifizierte Arbeitsplätze», wie Gemeindepräsident Reto Friedauer stolz sagte.

Samuel Tanner
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Schlüsselübergabe (v.l.): Roger Trösch, Heinz Nüssli und Reto Friedauer. (Bild: Samuel Tanner)

Schlüsselübergabe (v.l.): Roger Trösch, Heinz Nüssli und Reto Friedauer. (Bild: Samuel Tanner)

Sowohl die Wandschränke als auch die schwarzen Wandtafeln sind noch da, statt mit Kreide wird nun aber am Computer gearbeitet: Das ehemalige Schulhaus Nebengraben wurde per Ende September an die Software-Firma PP Software AG von Geschäftsführer Heinz Nüssli verkauft.

Käufer erfüllt Bedingungen

Nüssli sagte anlässlich der Schlüsselübergabe: «Mir hat das Gebäude schon immer gefallen, darum bin ich glücklich über unseren neuen Standort.» Die Firma, die sich als Anbieter und Entwickler von betriebswirtschaftlicher Software versteht, war bis anhin in St.

Gallen domiziliert. «Da wir aus der Region sind, ersparen wir uns nun manch einen Stau und den Arbeitsweg in die Kantonshauptstadt», schmunzelte Heinz Nüssli. Das Unternehmen wurde vor knapp einem Jahr gegründet und zählt derzeit zehn Mitarbeitende. «Mittelfristig möchten wir unseren Mitarbeiterbestand auf 15 Leute ausbauen», sagte der Geschäftsführer. Auch die Wohnung im oberen Teil des Hauses nutzt nun die Software-Firma. Nüssli betonte indes, den Schulhaus-Charakter im Nebengraben weiterhin beizubehalten.

Dies ist einer der Gründe, warum Roger Trösch, Präsident der Schule St. Margrethen, glücklich über den Käufer ist. «Als Schule stellten wir gewisse Mindestanforderungen an die potenziellen Käufer. Die PP Software AG hat diese bei weitem übertroffen.» Man verkaufe nicht gerne Schulhäuser, sagte Trösch. «Im Nebengraben steckte viel Herzblut (siehe Kasten). Bei der Schlussfeier im Jahr 2008 gab es Tränen.» Seit der Schliessung stand das Gebäude leer – es wurde nicht mehr für schulische Zwecke genutzt, wie Schulrat Patric Hitz sagte.

«Alle Kinder des Dorfteils Nebengraben gehen seit 2008 im Dorf zur Schule. Dazu steht ein Shuttle-Bus zur Verfügung», erklärte der Schulratspräsident.

Autoaufkleber für Hausherren

Gemeindepräsident Reto Friedauer kam gut gelaunt zur Schlüsselübergabe und verteilte den neuen Hausherren auch gleich Autoaufkleber mit der Aufschrift «St.Margrethe – mis Dorf». Er freute sich über das neu gewonnene Unternehmen: «Ich propagiere in St. Margrethen stets Wachstum mit Qualität.

Diese Anforderung erfüllt die PP Software AG.» Vor allem die hochqualifizierten Arbeitsplätze seien ein Gewinn für seine Gemeinde.

Die Software-Firma behält nicht nur die Wandtafeln, auch der typische Schulhaus-Geruch wird weiterhin ein Teil des über hundertjährigen Gebäudes im Nebengraben bleiben.