Vergnüglicher Geschlechterkampf

HEERBRUGG. «Pimpinone oder die ungleiche Heirat» erzählt die Geschichte einer hübschen jungen Zofe, die sich die Zuneigung und schliesslich auch das Vermögen eines alternden Junggesellen erschleicht. Die humorvolle Kammeroper bot in der Schlossremise beste Unterhaltung.

Max Pflüger
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Im Kampf der Geschlechter, den schliesslich die Frau gewinnt, endet die Geschichte. Pimpinone muss kuschen. (Bilder: Max Pflüger)

Im Kampf der Geschlechter, den schliesslich die Frau gewinnt, endet die Geschichte. Pimpinone muss kuschen. (Bilder: Max Pflüger)

Die rund 100 Konzertbesucherinnen und Konzertbesucher füllten die Schlossremise nicht einmal ganz zur Hälfte. Eigentlich schade, denn das bei uns weitgehend unbekannte Musikerlebnis «Kammeroper» hätte eine erste Begegnung mit dieser Kunstform durchaus verdient: Das Publikum war begeistert und hat sich hervorragend amüsiert. Besucherin Susanne Büchler meinte: «Ich bin zum ersten Mal an einem Schlosskonzert. Es ist toll. Ich komme bestimmt wieder.»

Mit unter dem Publikum sassen der Gemeinderat von Widnau mit Partnerinnen und Partnern. Christa Köppel: «Wir unternehmen regelmässig miteinander etwas in dieser Art. Ich glaube, dass es für die politisch Verantwortlichen wichtig ist, sich neben dem Tagesgeschäft auch mit Kultur auseinanderzusetzen. Dieses Jahr haben wir uns für die Schlosskonzerte entschieden, um diesen für die gesamte Region wichtigen Anlass zu unterstützen und seine Bedeutung zu betonen.»

Kammeroper: Nahe dran

Die Kammeroper wird nicht in einem grossen Opernhaus aufgeführt. Man ist als Zuschauer nahe dran und erlebt dadurch die Mimik und Gestik der Darsteller unmittelbar. Martin Pozivil sagte dazu in seiner Begrüssungsrede: «Kammeroper, das ist musikalische Spitzengastronomie, der keine dicke Sauce zur Verfügung steht, um Mittelmässigkeiten zuzudecken.» Die Aufführung der Kammeroper «Pimpinone» von Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767) gab ihm dann recht.

Zukleistern und übertünchen, das hatten die beiden Darsteller, der Bass Alexey Birkus als Pimpinone und die Sopranistin Catriona Bühler als Kammermädchen Vespetta auch gar nicht nötig. Rund zwei Stunden standen sie auf der Bühne und brachten als Non-Stop-Sänger – es gab keine gesprochenen Zwischentexte – und als Schauspieler unter der künstlerischen Leitung von Arthur H. Lilienthal Höchstleistung auf die sparsam eingerichtete Bühne.

Schon das alleine verlangte dem Publikum Bewunderung ab: Zwei Sänger bestreiten miteinander ein volles, rund zweistündiges Programm.

Hervorragende Schauspieler

Nahe dran erlebte man direkt und unmittelbar die hervorragende mimische Leistung der beiden Darsteller. Grossartig kokettierte Vespetta nicht nur mit dem lüsternen Greis, sondern immer wieder auch mit dem Publikum, dem sie so deutlich zu verstehen gab, was sie von Pimpinone wirklich hielt.

Zwischenbemerkungen wie «der alte Esel» oder «so ein Scheusal gibt's nicht wieder» sang sie mitten im Flirt mit dem zukünftigen Ehemann mit kecken Augenaufschlägen zu den Zuschauern. Und der «alte Esel» bemerkt nicht, wie ihn das Mädchen an der Nase herumführt.

Grossartig war aber auch Pimpinone, der den alternden Reichen überzeugend nachzeichnete.

Besonders eindrücklich erwies er sich zum Beispiel im dritten Akt mit der Arie «Ich weiss wie man redet, ich weiss wie man's macht», in der er imitierte, wie seiner Meinung nach die Frauen über die Männer schwatzen. Und beide brillieren dann in der Kampfszene zwischen Mann und Frau, mit der das Stück zugunsten der Frau endet.

Bezaubernde Musik

Telemanns Musik zwischen klassischem Barock und verspieltem Rokoko trug das Ihre dazu bei, dass der Schlosskonzert-Abend am vergangenen Samstag einmal mehr zu einem unvergesslichen Erlebnis geworden ist. Virtuos wurde sie von Mitgliedern der Kammer-Solisten Zürich aufgeführt.

Schade ist dabei nur, dass – wie schon gesagt – nicht mehr Musikfreunde in der Schlossremise mit dabei waren und in den Genuss der humorvollen, musikalisch fein gestalteten Kammeroper kamen.

Widnau: Christine Barmettler und Hugo Fehr mit Gattin Ruth Fehr.

Widnau: Christine Barmettler und Hugo Fehr mit Gattin Ruth Fehr.

Widnau: Bettina Brüschweiler, Marco Köppel und Marlen Hasler-Spirig.

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Kamen aus dem Kanton Bern, Paula Schneebeli und Karl Aebi.

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Zwei Rebsteinerinnen: Marianne Kobler und Anna Bischofberger.

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Rheintaler Kulturorganisatoren: Beda Germann und Aldo Zäch.

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Begeisterte Besucherinnen: Evelyne Giger und Susanne Büchler.

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