Verein Tagesfamilien muss sparen

Rückblick auf ein Jahr mit gut 20 000 Betreuungsstunden – aber weil das Eigenkapital das jährliche Defizit nicht mehr lange trägt, dominierten düstere Aussichten die 8. HV des Vereins Tagesfamilien Mittelrheintal/Am Alten Rhein.

Maya Seiler
Drucken
Teilen

BERNECK. Eigentlich ist die Betreuung von Kindern in einer Tagesfamilie eine Erfolgsgeschichte. In den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts entstand unter dem Patronat von Pro Juventute die Fachkommission Tagesfamilien. Es gab noch kaum Kinderkrippen, der Begriff Kita war unbekannt, wer keine Grossmutter oder nette Nachbarin zur Kinderbetreuung hatte, war angewiesen auf eine Tagesmutter. Die Fachkommission kümmerte sich um die Kontakte zwischen abgebenden Eltern und Tagesfamilien, sorgte für die Ausbildung von Tagesmüttern und die korrekte Abrechnung. Eine Neuorganisation wurde nötig, als Pro Juventute 2007 das Patronat abgab; man gründete den Verein Tagesfamilien. Damit fiel die Defizit-Garantie weg. Zwar konnten die Verantwortlichen mit den Gemeinden des Einzugsgebiets Leistungsvereinbarungen ausmachen, aber ein Minus muss seither vom Verein Tagesfamilien getragen werden. Weil es unmöglich ist, kostendeckende Elternbeiträge zu verlangen, weist die Rechnung trotz haushälterischer Planung und ehrenamtlicher Tätigkeit des Vorstands jährlich ein Defizit aus.

Zahlen zeigen das Bedürfnis

Wie Präsidentin Christa Eichmann, Tagesfamilien Mittelrheintal/Am Alten Rhein, im Jahresbericht 2014 ausführte, vermittelte der Verein 20 140 Stunden Betreuung für 72 Tageskinder. Obwohl die öffentliche Hand das Angebot an Krippen und Horten laufend erweitert, gibt es fast überall Wartelisten. Hier können Tagesfamilien eine wichtige Ergänzung zur Kinderbetreuung in öffentlichen Institutionen anbieten.

Wieder Rückschlag budgetiert

Mit einem Umsatz von nicht ganz 210 000 Franken bewegen sich die Tagesfamilien Mittelrheintal/Am Alten Rhein in bescheidenen Dimensionen. Gemeinden wie Au, Berneck oder Balgach sind laut dem Verein nicht bereit, ein- oder zweitausend Franken Defizitgarantie an die Betreuung durch Tagesfamilien zu leisten. Auch für das Jahr 2015 muss ein Rückschlag budgetiert werden. Zwar hoffen die Verantwortlichen, dieses Defizit durch rigoroses Sparen zu senken, trotzdem reichen die Eigenmittel nicht mehr lange. Eine finanzielle Sicherstellung des Tagesfamilien-Angebots sei darum dringend anzustreben.

Aktuelle Nachrichten