Urkunde lesbar gemacht

APPENZELLERLAND. Die Urkunde des Bündnisses zwischen dem Land Appenzell und der Eidgenossenschaft kann man jetzt auch hören: Eine CD lässt Interessierte quellennah Geschichte erleben.

Ueli Abt
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Der von 13 Orten gesiegelte Bundesbrief zum Beitritt Appenzells zum Bund ist dank CD-ROM entschlüsselt. (Bild:pd)

Der von 13 Orten gesiegelte Bundesbrief zum Beitritt Appenzells zum Bund ist dank CD-ROM entschlüsselt. (Bild:pd)

Alte Urkunden brauchen etwas länger, bis sie zum Kern der Sache vorstossen.

Der Vertrag zwischen der Eidgenossenschaft und dem Land Appenzell jedenfalls beginnt sprichwörtlich bei Adam und Eva, begründet den Sinn schriftlicher Aufzeichnung per se, nennt der Reihe nach die Freundschaft, Treue und Liebe gelobender Bündnispartner, ehe nach sechs Zeilen à circa 60 Zentimeter Länge der Satz zu einem Punkt kommt und die eigentlichen Vereinbarungen des Vertrags zur Sprache kommen.

Beistand und Handelsfreiheit

So beschlossen die 13 Orte unter anderem uneingeschränkten Beistand, dass bei Streitereien untereinander verhandelt werden soll, garantierte Handelsfreiheit und dass das Land Appenzell nicht eigenmächtig weitere Bündnisse eingehen oder Krieg beginnen dürfe.

Im Originalwortlaut heisst es etwa zum ersten Vertragspunkt: «Des ersten, das wir beyd teyl einandern getrüwlich beholffen und beraten sin soellen mit unserm lyb und guot und wider menglich, so uns an landen, an lüten, an lyb, an guot, an eren, an fryheiten und an unserm loblichen allten harkomen fürhin understan wurden zuo bekrencken, krieg oder schaden zuozefuegen, on all hindernuß und geverd, also und mit soelichen rechten gedingen.»

Nachzulesen ist dies auf der CD-ROM «Der Weg des Landes Appenzell in die Eidgenossenschaft», die anlässlich des zu Ende gehenden ARAI-500-Jubiläumsjahrs erscheint. Das interaktive Medium bietet dabei zahlreiche Übersetzungshilfen. Zum einen gibt es den Text Zeile für Zeile in heutigem Deutsch, zum anderen listet ein Verzeichnis die damals geltenden Schreibregeln auf, was dazu ermuntert, das Originaldokument zu entziffern. Die als eigentliches Lernmedium konzipierte CD bietet zudem zahlreiche interaktive Übungen zum Erlernen des Lesens von alten Handschriften an.

Urkunde vorgelesen

Wie der Urkundentext in damaligem Deutsch geklungen haben mochte, davon vermittelt die Audio-Aufzeichnung einen Eindruck: Der Schriftsteller Arthur Honegger liest die Urkunde mit ihren Bandwurmsätzen vor. Weiter sind die historischen Hintergründe kapitelweise kurz umrissen.

Als Autoren des Mediums zeichnen Regula Schmid und Stefan Sonderegger, beide Professoren für mittelalterliche Geschichte. Mit der Publikation biete sich Interessierten erstmals die Möglichkeit, anhand wichtiger Quellen den Weg des Landes Appenzell in die Eidgenossenschaft nachzuvollziehen, heisst es auf der Rückseite der CD-Hülle. Das Medium ist im Buchhandel erhältlich. Es ist ausserdem zu Unterrichtszwecken in universitärem Kontext gedacht.

«Der Weg des Landes Appenzell in die Eidgenossenschaft: Das Bündnis von 1513 und seine Vorgeschichte». Chronos-Verlag.