Unternehmer für fünf Tage

HEERBRUGG. In der Wirtschaftswoche lernen Kantonsschüler, ein virtuelles Unternehmen zu führen. Ihre Erfolge und Fehlentscheide werden von einem durchdachten Computer-Programm ausgewertet.

Seraina Hess
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Arbeiten in der Geschäftsleitung der imaginären Kosmetiklinie «Diona – die Mutter der Schönheit»: Noemi Zürcher (CPO, Personalchefin), Antonella Messina (CMO, Marketingverantwortliche) und Isabelle Kaufmann (CCO, Kommunikationsleiterin) (v. l.). «Unser Auslandverkauf läuft gut, jetzt machen wir uns Gedanken über einen Onlineshop», sagte Antonella Messina gestern Vormittag. (Bild: Seraina Hess)

Arbeiten in der Geschäftsleitung der imaginären Kosmetiklinie «Diona – die Mutter der Schönheit»: Noemi Zürcher (CPO, Personalchefin), Antonella Messina (CMO, Marketingverantwortliche) und Isabelle Kaufmann (CCO, Kommunikationsleiterin) (v. l.). «Unser Auslandverkauf läuft gut, jetzt machen wir uns Gedanken über einen Onlineshop», sagte Antonella Messina gestern Vormittag. (Bild: Seraina Hess)

HEERBRUGG. Umsatz, Ertrag und Dividende. In der Wirtschaftswoche erfahren 29 Kantonsschülerinnen- und -schüler, was Begriffe, die sie aus Schulbüchern kennen, in der Praxis bedeuten. Möglich ist das nicht nur dank der drei Wirtschafts-Fachlehrer Heinz Looser, Alexander Klöppel und Bruno Rossi, sondern auch wegen eines komplexen Computer-Programms. Ein Programm, das den Wirtschaftsmarkt simuliert und von den Schülern Management-Entscheidungen fordert.

Lehrer legen Bedingungen fest

Die Wirtschaftswochen der Stiftung Ernst Schmidheiny gibt es seit 30 Jahren, etwa 300 sind es pro Jahr in der Schweiz. Nun investierte die Stiftung fünf Millionen Franken in ein neues Programm, das den Markt noch authentischer simuliert. Die Schüler bilden jeweils in Fünfer- oder Sechsergruppen die Geschäftsleitung ihres Unternehmens und erarbeiten ein Konzept für die Herstellung und den Vertrieb eines Produktes. Die Kantonsschüler, die diese Woche bei SFS tagen, haben sich am Montag für den Artikel «Selbstabschminkendes Make-up» entschieden.

Im Wettbewerb entspricht ein Wochentag einem Geschäftsjahr, in dem die Schüler strategische Entscheide über den Verkaufspreis des Produktes, Investitionen in Forschung, Vertriebskanäle oder Mitarbeiterzahlen und Löhne treffen müssen. Die Schwierigkeit dabei ist, dass die Fachlehrer nicht untätig bleiben. Sie tippen in das Programm neben den Entscheiden der Schüler auch Faktoren ein, die die Aussenwelt der konkurrierenden Unternehmen beeinflussen. Sie entscheiden von Tag zu Tag, wie der Markt wächst, wie hoch die Steuern sind, was die Konsumenten erwarten, wie hoch Energie- und Entsorgungskosten sind oder welche Ansprüche die Gewerkschaften stellen. «Die Schüler müssen bei all ihren Entscheiden die Rahmenbedingungen berücksichtigen», sagt Fachlehrer Heinz Looser.

Jeden Abend erhalten die Firmen einen vom Programm ausgewerteten Geschäftsbericht. Daraus lesen sie, wie sie ihre Strategie am nächsten Tag – oder eben im nächsten Geschäftsjahr – optimieren können.

Mehrere Kriterien zählen

Sieger wird heute Freitag nicht nur, wer am meisten Gewinn erzielt hat. Ausgewertet werden unter anderem auch der Aktienkurs, die Produktqualität oder die Anzahl Arbeitsplätze. Wer in der Summe aller Kriterien am meisten Punkte erzielt hat, gewinnt.

Heinz Looser Fachlehrer und pensioniertes UBS-Direktionsmitglied

Heinz Looser Fachlehrer und pensioniertes UBS-Direktionsmitglied