Unterhaltungen und Trainings fallen aus: Wie Rheintaler Turnvereine mit Corona zu kämpfen haben

«Uns ist es wichtig, als Verein einen Beitrag zur Verbesserung dieser Situation zu leisten»: Viele Rheintaler Turnvereine müssen wegen der neuen Coronamassnahmen auf Trainings verzichten.

Remo Zollinger
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Teamarbeit – und damit auch direkter Kontakt – ist im Turnen die Regel, nicht die Ausnahme. Im Bild der STV Marbach.

Teamarbeit – und damit auch direkter Kontakt – ist im Turnen die Regel, nicht die Ausnahme. Im Bild der STV Marbach.

Bild: pd

Das Rheintal gehört zu den Regionen, in denen der Turnsport sehr aktiv gepflegt wird. In allen Dörfern gibt es Turnvereine mit sehr vielen Mitgliedern. Die Vereine erfüllen eine sportliche und eine soziale Funktion, die ihre Mitglieder sehr schätzen. Neben den Mannschaftssportlern, deren Ligabetrieb per sofort unterbrochen wurde, müssen sich diesen Winter auch die Turnerinnen und Turner in Verzicht üben.

«Einstellung Turnbetrieb» steht in grossen Buchstaben auf der Website des STV Marbach. Er informiert dort seine Mitglieder darüber, den Trainings- und Turnbetrieb «ab sofort und bis auf Weiteres» eingestellt zu haben. Marbach hat im Rheintal einen der grössten und erfolgreichsten Vereine. Reto Ebneter, Leiter der mehrfach als Schweizer Meister gekrönten Grossfeldgymnastik, sagt:

«Uns ist es wichtig, als Verein einen Beitrag zur Verbesserung dieser Situation zu leisten. Wir übernehmen Verantwortung.»

Grossfeldgymnastik wollte ihr neues Programm üben

Dabei hätte die Grossfeldgymnastik nach der abgesagten Turnerunterhaltung beginnen wollen, das neue Programm für die Schweizer Meisterschaft einzustudieren. «Wir werden um einige Wochen zurückgeworfen, aber so schlimm ist das nicht», sagt Ebneter. Ärgerlicher sei es für die Gymnastik Jugend, die sich für Leistungstests vorbereitete. Es steht im Raum, mit dieser Gruppe früher ins Training einzusteigen – im Rahmen der Möglichkeiten, die der Bund am Mittwoch offengelassen hat.

Generell bestehe die grösste Herausforderung in kleinen Details. Etwa direkte Hilfestellungen bei Übungen sind nicht erlaubt, es gilt die Abstandsregel. Auch kann derzeit kein Tanzsport betrieben werden.

Alle Turnerunterhaltungen fallen Covid-19 zum Opfer

Bitter ist für die Vereine auch, dass sie sich nicht an Unterhaltungsabenden zeigen können. Turnerunterhaltungen haben eine grosse Tradition und dementsprechend einen grossen Stellenwert im Vereinsleben. Doch die stets beliebten Abende sind talauf, talab abgesagt. Und das schon lange: Es wäre schlicht nicht verantwortbar gewesen, einen Unterhaltungsabend mit Hunderten gut gelaunten Besuchern durchzuführen, was alle Vereine zu einer Absage bewogen hat. Dem Veranstaltungsverbot des Bundes sind sie so zuvorgekommen.

Unterhaltungsabende sind nur ein Teil der sozialen Funktion der Vereine. Eine Eigenschaft dieser ist nämlich auch, dass in ihnen die unterschiedlichsten Menschen ein gemeinsames Hobby pflegen und so in Kontakt kommen. Dies fällt nun aus – sowohl der Sport wie auch die gemütliche Runde danach in einer Dorfbeiz. «Das wird fehlen, gerade das Gespräch über Generationen hinweg», sagt Michael Hutter, Präsident der Aktivriege beim STV Balgach.

Der Nachwuchs darf weiter in der Halle trainieren

Die Balgacher haben bei den Aktiven ebenfalls den Trainingsbetrieb eingestellt, auch der Klaushöck fällt aus. «Vielleicht führen wir ihn über das Internet durch», sagt Hutter, der nach kreativen Lösungen sucht.

Wichtig sei dem Verein aber, dass der Nachwuchs weiterhin trainieren darf. Unter 16-Jährige dürfen in die Halle – ohne Beschränkungen hinsichtlich Anzahl oder Abstand. Das ist für die Vereine eine grosse Erleichterung, ist der Nachwuchs doch ihre Zukunft. «Bei den Aktiven beobachten wir die Lage und entscheiden dann, wie es weitergeht», sagt Hutter. Unter Druck fühle sich der Verein nicht.

Leistungssportnachwuchs trainiert «ins Blaue hinaus»

Ebenfalls weiter trainieren darf das Trainingszentrum Rheintal, das den Kunstturnnachwuchs der Region ausbildet. «Wir sind sehr froh, dürfen wir weitermachen», sagt Nathalie Akkir, Aktuarin des TZR. Beim Lockdown im Frühling habe es unter den jungen Leistungssportlern Frust gegeben – vor allem, weil alle Wettkämpfe ausfielen. In welcher Form diese nun stattfinden, es stehen etwa Tests an, ist jetzt auch noch nicht klar. «Wir trainieren ins Blaue hinaus», sagt Akkir. Aber dennoch hätten die Kunstturner wieder ein Ziel vor Augen, was sie motiviere.

Gut sichtbar sei dies an der Kunstturnmatinee gewesen, die das TZR gemeinsam mit dem STV Balgach durchführte (siehe Seite 21). Der Anlass zeigte: Auch die jüngsten Sportler brauchen die Möglichkeit, sich zeigen zu können. Aber sie werden jetzt auch Geduld brauchen.

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