Unsichere Gefahrenkarte

ALTSTÄTTEN. Vor 18 Jahren verfasste Markus Gächter seine Diplomarbeit über den Brendenbach. Nach dem Hochwasserereignis im Sommer schlägt er eine Überprüfung der Gefahrenkarte vor.

Anina Gächter
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Vor zwei Wochen organisierte die CVP Altstätten-Eichberg eine Begehung des Brendenbachs. Drei Referenten informierten die interessierte Bevölkerung über die Funktion des Bachs und dessen Rolle im Hochwasserschutz. Einer dieser Referenten war der diplomierte Forstingenieur Markus Gächter, der in Altstätten aufwuchs. Er wies auf die problematischen Stellen des Bachs hin und informierte über seine Diplomarbeit, für die er sich mit dem Brendenbach befasst hatte.

Gefahreneinschätzung

Markus Gächter studierte an der ETH Zürich Forstwirtschaft mit Vertiefungsrichtung Gebirgswaldbau und Naturgefahrenmanagement. Da bereits während seiner Ausbildungszeit erste Diskussionen über das Erfassen und Darstellen von Hochwasserrisiken geführt wurden, entschied er sich, seine Diplomarbeit zu diesem Thema zu verfassen. Seine Arbeit zeigte das Vorgehen für eine systematische Gefahren- und Risikoanalyse und enthielt Vorschläge, wie Gefahrenprozesse qualifiziert und dargestellt werden. Somit sollten Hochwasserereignisse und ihre Auswirkungen eingeschätzt werden können, noch bevor diese überhaupt eintreten. Dies bedingt aber, dass man die möglichen Gefahrenprozesse kennt, weiss, wie viel Wasser und Geschiebe ein Bach führen kann, wo es zu einem Ausbruch kommen kann und wie sich das Wasser verteilen wird. Der Brendenbach als Versuchsobjekt war vom Einzugsgebiet her überschaubar und kombinierte die Gefahrenelemente Hochwasserabfluss, Schwemmholz und Geschiebe. Da Gächter den Brendenbach aus seiner Jugendzeit kannte, wusste er, wo die interessanten Stellen für Gefahreneinschätzungen liegen.

Gefahrenkarte nicht aktuell

So konnte er durch seine Diplomarbeit abschätzen, wie hoch der Schaden eines grossen Hochwasserereignisses für Altstätten sein würde. Seit Markus Gächter seine Diplomarbeit vor 18 Jahren verfasst hat, hat sich einiges verändert. «Durch das Hochwasser im Juli wurden Bachsperren beschädigt oder zerstört, Bachböschungen angeschnitten, und ganze Flanken kommen neu ins Rutschen. Auch die grosse Rutschung im Weidist war, als die Karte 2008 erstellt wurde, noch nicht in diesem Ausmass aktiv. Aus diesem Grund gehe ich davon aus, dass die Schwemmholz- und Geschiebeszenarien neu diskutiert werden müssen», erklärt Markus Gächter. Zu erwähnen sei aber, dass die offizielle Gefahrenkarte das Hochwasserereignis vergangenen Sommer recht gut abgebildet habe. Vermutlich wurde aber die Intensität des Hochwassers etwas unterschätzt. Auch in seiner Arbeit hat Markus Gächter mit deutlich weniger Geschiebe gerechnet. Der Kanton und die Gemeinde Altstätten erstellen zurzeit eine Ereignisanalyse, die zeigen wird, wie welche Prozesse beim Unwetter im Juli in welchem Ausmass gewirkt haben. Sie wird neue Erkenntnisse geben und zeigen, ob die Szenarien, die der Gefahrenkarte zugrunde gelegt waren, auch eintrafen.