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«Unsere Globalisierung ist seelenlos»

Aus christlicher Sicht
Philipp Hautle
Mehr als sechs Millionen Schiffscontainer sind auf der ganzen Welt unterwegs. (Bild: depositphotos/ginton)

Mehr als sechs Millionen Schiffscontainer sind auf der ganzen Welt unterwegs. (Bild: depositphotos/ginton)

In mehr als sechs Millionen Schiffscontainern werden Güter rund um den Erdball verschoben. Über WhatsApp versenden wir täglich Milliarden von Bildern rund um den Globus. Was sich vor fünf Minuten in Singapur oder Medellín ereignet hat, erfahren wir im Nu im Rheintal.

Und wenn wir Morgen nach Canberra fliegen, wissen wir im Voraus, wie das Wetter dort sein wird.

Zur Globalisierung gehört auch der Graben zwischen Arm und Reich. Politisch betrachtet zerreissen wir uns mehr und mehr. Angst vor der Invasion der Flüchtlinge und Abschottungsschreie. Appelle zur Unterstützung der Einsätze des Roten Kreuzes, der UNO-Hilfsorganisationen. Zerreissproben im Kleinen und Grossen. Und tief in uns das Wissen:

Wir sind auf Gedeih und Verderben miteinander verbunden. Verkettet. Und – diese Globalisierung kann nicht rückgängig gemacht werden.

«Unsere Globalisierung ist seelenlos!» Das Wort von Claudio Mario Betti, Mitglied der Leitung der St.-Ägidius-Gemeinde in Rom, klingt seit zwei Wochen in mir nach. Er muss es wissen. Die Gemeinschaft Sant’ Egidio entstand im Jahr 1968 in Rom in den Jahren nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Eine Alternativbewegung in den Studentenunruhen. Heute gehören über 60000 Menschen der Laienbewegung an. Sie setzt sich unermüdlich ein für den Frieden, für mehr Gerechtigkeit. So gründete sie die Schule des Friedens in Kukes, in den Flüchtlingslagern der Kosovo-Albaner. Einige Leute der Gemeinschaft besuchen seit Jahren die Gefängnisse in Italien, in Mosambik, in Guinea Conakry oder in Bolivien. Zurzeit hat die St. Ägidius-Gemeinde einen humanitären Korridor für 1000 Flüchtlinge errichtet. 120 syrische Flüchtlinge aus dem Libanon sind eben in Italien angekommen.

Am 4. Oktober 1992 unterzeichneten nach einem langen Verhandlungsprozess am Sitz der Gemeinschaft Sant’ Egidio in Rom die Delegationen der Frelimo und der Renamo das All­gemeine Friedensabkommen. Ebenso war diese Gemeinschaft federführend beim historischen Friedenstreffen der Religionen von 1986 in Assisi. Bis heute setzen sie sich für einen Weg des Dialogs und Gebetes unter allen Religionen ein. So sucht diese Gemeinschaft in der Globalisierung im Geist Jesu unsere Welt-Seele wahrzunehmen und sie zu schützen und zu nähren.

Für mich ein Ansporn, Momente der Stille zu suchen und hineinzuhören in die innerste Mitte unserer Welt. Um daraus Kraft zu schöpfen. Für eine beseelte globalisierte Erde.

Philipp Hautle

Rebstein

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