Unihockey und Judo – wieso nicht auch Fussball?

An vier Samstagvormittagen können körperlich und geistig Behinderte der Oberstufe der Heilpädagogischen Schule auf der Birkenau in Rebstein Fussball spielen. Es ist ein Projekt der Informatik-Lehrlinge Jannes Zünd und Ramon Schmid.

Gerhard Huber
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Yannick und Jessica üben ihre Beweglichkeit beim Lauf durch die Slalomstangen. (Bild: Ulrike Huber)

Yannick und Jessica üben ihre Beweglichkeit beim Lauf durch die Slalomstangen. (Bild: Ulrike Huber)

Ein sonniger Oktober-Vormittag auf der Sportanlage des FC Rebstein. Ein kräftiger junger Mann treibt den Ball unter den Anfeuerungsrufen von vier Trainern und Betreuern durch die Slalomstangen, macht zusätzlich Sprints und Liegestützen, wirft sich ins Tor und ist überhaupt in seinem Trainingseifer kaum zu bremsen.

Doch seine Bewegungen sind von einer eigentümlichen Behäbigkeit, geprägt von einer unkonventionellen Motorik. Denn Yannick leidet unter dem Down-Syndrom.

Freude an der Bewegung mit dem Ball

Drei Schüler der Oberstufe der Heilpädagogischen Schule (HPS) in Heerbrugg mit dieser Behinderung freuen sich an diesem Vormittag an der Bewegung mit dem Fussball. Yannick, dessen Idol Bayern-Torwart Manuel Neuer ist, Jessica und Laura machen grosse Fortschritte, wie Jannes Zünd berichtet: «Wir sind jetzt erst zum dritten Mal zusammen, es ist schön, wie sie alle Erfolgserlebnisse haben. Wurde am Anfang nur auf den Ball gespitzelt, so wird jetzt doch schon technisch richtig mit dem Innenfuss ein Passspiel gemacht.»

Jannes Zünd ist mit seinem Mitschüler Ramon Schmid für diese Aktion verantwortlich. Die beiden müssen als Informatik-Lehrlinge eine Abschlussarbeit im Bereich Allgemeinbildung abgeben. Und haben dafür ein spannendes Projekt ausgewählt. Über den Vater von Jannes Zünd, der an der HPS arbeitet, haben die begeisterten Fussballer und FC-Rebstein-Mitglieder erfahren, dass es Behinderten möglich ist, im Rheintal an Unihockey- und Judo-Trainings teilzunehmen.

Wieso nicht auch Fussball?, haben sie sich gefragt.

Die beiden Informatik-Schüler haben unter Mithilfe von Rebsteiner Teamkollegen dieses Trainings-Projekt organisiert, an dem an vier Samstagen mit Behinderten Fussball geübt wird.

Die Dokumentation geht auch an den FC Rebstein

Abschliessend wird eine detaillierte Dokumentation über Vorgangsweise, Trainingsmethoden und Erfolge zusammengestellt – und nicht nur für die Berufsschule verwendet, sondern auch dem Vorstand des FC Rebstein übergeben. Damit dieser dann allenfalls beschliessen kann, das Projekt fortzuführen.

Nimmt man den sichtlichen Spass, die greifbare Freude der kickenden Behinderten zum Massstab, ist eine Wiederholung dieses Trainingscamps zwingend nötig. Auch aus Sicht der jungen Betreuer, die sich über die Kommunikation mit ihren Schützlingen und deren Erfolge begeistert zeigten.