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UNIHOCKEY: Mit Tropfen gegen sprudelnde Quellen

Die 1.-Liga-Grossfeld-Mannschaft der Gators liegt sportlich hinter den Erwartungen zurück. Alarmstimmung löst diese Tatsache bei den Rhein-Krokos aber nicht aus.
Yves Solenthaler
Trainer Simon Gugelmann erklärt den Gators-Spielern den Weg in die Playoffs. (Bild: Yves Solenthaler)

Trainer Simon Gugelmann erklärt den Gators-Spielern den Weg in die Playoffs. (Bild: Yves Solenthaler)

Yves Solenthaler

Die Rheintal Gators Widnau spielen seit ungefähr 20 Jahren stets in der 1. Liga Grossfeld. Das bedeutet: Die Rheintaler gehören in der nach Anzahl Lizenzier­- ter zweitgrössten Sportart der Schweiz konstant zu den besten 48 Vereinen des Landes.

Und das mehrheitlich mit selbst ausgebildeten Spielern, die ihren Sport ohne materielle Vergütung betreiben. Das ist die Präambel zum Text über eine sportliche Misere. Bei aller berech­tigten Kritik: Die Gators – Funk­- tionäre wie Trainer und Spieler – verrichten grossartige Arbeit.

Präsident verfolgt das Spiel vor der Halle per Liveticker

Peter Grüninger hat selbst lange in der 1.-Liga-Mannschaft gespielt, inzwischen ist er Präsident des Vereins. Man kann nicht sagen, die sportliche Misere des Fanionteams lasse ihn kalt: Seinen Nerven zuliebe verbringt er einen Grossteil des Matches vor der Halle, verfolgt die Partie aber über den Liveticker auf seinem Smartphone.

Es geht um die Playoff-Qualifikation. Von den letzten zehn Spielen des alten Jahres wurden neun verloren. Im ersten Match 2018 gelingt aber ein Sieg nach Verlängerung gegen den direkten Konkurrenten United Toggenburg. Die Rheintaler schöpfen wieder Hoffnung, Grüninger fiebert vor der Halle mit.

Er sagt nicht Dinge wie: «Ein Abstieg wäre eine Katastrophe.» Vielmehr sagt der Präsident: «Das Gesamtpaket unseres Vereins stimmt.» Viele, auch erfolgreiche Junioren, gehören zu den Gators, gerade auch die Juniorinnen haben in den letzten fünf Jahren einen Aufschwung erlebt. «Das Wohl des Vereins ist nicht von der Ligazugehörigkeit der ersten Mannschaft abhängig», sagt Grüninger, «wir hätten in der NLB nicht mehr Zuschauer und in der 2. Liga nicht weniger Sponsoren.»

Letzte Saison haben die Gators erst zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte die Regular Season der 1. Liga Grossfeld gewonnen – zwar folgte das Ausscheiden in der ersten Playoff-Runde, aber der Gruppensieg hat Ansprüche geweckt. Nicht nur im Umfeld oder den Medien, die für solche Träumereien stets empfänglich sind.

Auch der Verein, zu dessen grossen Stärken die gesunde Selbsteinschätzung zählt, redete plötzlich von der Nationalliga B. Die Gators haben sich von ihrem eigenen Erfolg blenden lassen. «Anspruch und Wirklichkeit stimmen nicht mehr überein», sagt Grüninger.

Langfristig setzen die Gators auf die OMR-Sportschüler

Wie die Wirklichkeit aussieht, kann Markus Hutter gut erklä­ren. Der 33-jährige Ex-Goalie mit Nationalliga-Erfahrung wurde vor sieben Jahren Gators-Trainer. Inzwischen ist Hutter Leiter und Chefausbildner der Gators-Sportschüler an der OMR Heerbrugg. In der ersten Mannschaft ist er offiziell noch Goalietrainer. Wer Cheftrainer Simon Gugelmann und Hutter während den Spielen beobachtet, merkt aber schnell, dass beide Coaching-Aufgaben wahrnehmen. Gugelmann ist der ruhig-sachliche Taktiker, Hutter eher der emotionale Motivator.

«Viele unserer Konkurrenten kommen aus dem Züribiet», sagt Hutter. Dort gibt es vier NLA-Vereine. Jahr für Jahr fallen bei denen Spieler aus den Kadern, die sich dann nach einem neuen Verein umsehen. Naheliegenderweise und oft sind das die 1.-Liga-Teams aus der Region: Zürisee Unihockey, Bülach Floorball, Unihockey Limmattal. «Bei diesen Klubs sprudelt es auf diese Weise regelmässig top ausgebildete Spieler mit Nationalliga-Erfahrung rein», sagt Hutter.

Die Gators dagegen sind seit fünf Jahren in die Sportschule integriert. Erstmals stehen dort ausgebildete Spieler an der Schwelle zum Fanionteam: «Aber diese Spieler sind 17-jährig, bis sie eine prägende Rolle einnehmen, wird es noch Jahre dauern.» Aber an der Strategie mit den Sportschülern halten die Gators fest, Hutter formuliert ein schönes Bild: «Während bei unseren Konkurrenten die Spielerquelle sprudelt, tröpfeln bei uns die Sportschüler rein.»

«Die Rangliste lügt nicht», sagt Hutter mit Blick auf den bescheidenen Tabellenstand. Ein Trainerwechsel war und ist aber nicht annähernd ein Thema. Im Fussball würde bei einer ähn­lichen Niederlagenserie selbst mehrere Stufen weiter unten mit grosser Wahrscheinlichkeit der Übungsleiter getauscht.

Nach Gegentoren gerät das Team oft aus dem Konzept

Aber Simon Gugelmann wird auch seine vierte Saison als Trainer der Gators überstehen. Er bemängelt, dass seine Spieler nach Rückschlägen regelmässig aus dem Konzept geraten. Zwar sind sieben der letzten neun Niederlagen nur mit einem Tor Differenz ausgefallen. Aber erstens nützen knappe Niederlagen nichts, und zweitens kann es kein Zufall sein, wenn eine Mannschaft so oft knapp verliert.

«Der Sieg gegen Toggenburg war wichtig», sagt Gugelmann, «wir hätten gerne drei Punkte geholt – aber nur schon wieder mal zu siegen, ist ein Lichtblick.» Er ist optimistisch, dass die Gators die Playoffs noch erreichen. «Aber bei einer weiteren Nie­derlage wäre es natürlich sehr schwer geworden», sagt Gugelmann.

Auch jetzt noch müssen die Punkte in den letzten fünf Runden sprudeln – tröpfeln reicht nicht.

1. Liga Grossfeld, Gruppe 2

Rangliste (je 17 Spiele): 1. Zürisee 44. 2. Jona 39. 3. Bülach 37. 4. Limmattal 35. 5. Herisau 32. 6. InnerSchwyz 23. 7. Gators 22. 8. Frauenfeld 22. 9. Toggenburg 19. 10. Sarganserland II 14. 11. Zug 11. 12. Ness­-lau 8.

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