UBS-Kunden überrennen Raiffeisen

Mit einem Brief machte die UBS ihre im Ausland wohnhaften Kunden auf neue Spesen aufmerksam. Viele Kunden wechseln darum die Bank – die Raiffeisenbank Unteres Rheintal verzeichnete in den letzten vierzehn Tagen über 80 Kontoeröffnungen. Die Freude hält sich aber in Grenzen.

Samuel Tanner
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Deutsche Autokennzeichen vor der Raiffeisenbank St. Margrethen: Seit dem Kundenbrief der UBS ist das ein häufiger gesehenes Bild. (Bild: Samuel Tanner)

Deutsche Autokennzeichen vor der Raiffeisenbank St. Margrethen: Seit dem Kundenbrief der UBS ist das ein häufiger gesehenes Bild. (Bild: Samuel Tanner)

St. Margrethen. Die Kundenhalle der Raiffeisenbank Unteres Rheintal in St. Margrethen: Wo üblicherweise Zimmerpflanzen in den Saison-Farben und adrett gekleidete Berater auf ihre Stammkunden warten, war zuletzt einiges los: Über achtzig Konten wurden in den letzten vierzehn Tagen eröffnet – ein überdurchschnittlicher Wert. Die Formulare und Passkopien stapelten sich, der administrative Aufwand stieg merklich. «Unsere Angestellten am Bankschalter wurden überrannt», sagt Oswald Wetli, Bankleiter der Raiffeisenbank Unteres Rheintal.

Ein Brief als Auslöser

Auslöser für diesen Ansturm waren aber nicht bessere Zinsen oder eine Werbeoffensive. Vielmehr trug eine Konkurrenzbank zu dieser Aktion bei – ganz bewusst. Die UBS versandte Mitte März einen Kundenbrief mit dem Titel: «Neuer Aufpreis für Kunden mit Domizil Ausland». Ab dem 1. April müssen im Ausland wohnende Kunden der Grossbank monatlich 30 Franken zusätzlich Spesen zahlen – ausgenommen sind Kunden mit einem Vermögen von über 50 000 Franken. Weitere Ausnahmen sind beispielsweise Hypothekar-Kunden oder Grenzgänger mit einem Saläreingang von über 500 Franken monatlich. Auch sie sind von der neuen Regelung nicht betroffen. Die UBS begründet im Kundenbrief im Fachjargon: «Die Betreuung von im Ausland wohnhaften Kunden ist aufgrund des sich laufend verändernden regulatorischen Umfeldes komplexer geworden.» Andreas Kern, Mediensprecher der UBS, sagt auf Anfrage: «Wir belasten die Mehrkosten denjenigen Kunden, die sie verursachen.» Marktsteuerung betreibe die Grossbank aber nicht, bekräftigt der Mediensprecher: «Wir künden den Kunden nicht. Zudem haben auch Konkurrenzbanken vergleichbare Spesen.» Auf die Frage, ob die UBS in Gesprächen andere, spesengünstigere Banken anbiete, will Kern nicht antworten.

Reaktionen an der Front

«Es ist klar, dass Spesenerhöhungen nicht ohne Reaktionen an der Front geschehen», sagt Andreas Kern. Dann wiederholt er: «Der Aufwand bei im Ausland wohnhaften Kunden hat sich wegen diverser Vorschriften in den letzten Monaten merklich erhöht.» Tatsächlich mehrte sich der administrative Aufwand pro Kunde im Nachgang der Finanzkrise – Identitätsprüfungen müssen immer genauer, immer detaillierter vorgenommen werden. In der Finanzbranche ist es kein Geheimnis, dass im Ausland lebende Kunden mit kleinem Vermögen oder spärlicher Rente nicht rentabel sind. Oswald Wetli sagt: «Bei den Raiffeisenbanken sind grundsätzlich alle willkommen. Diesem Credo leben wir auch nach.» Raiffeisen habe ihren Ruf als Volksbank zu verteidigen, betont Wetli. Trotzdem: «Auch wir müssen uns früher oder später fragen, ob wir Anpassungen bei den Spesen machen müssen.»

Auch die Alpha Rheintal Bank hatte nach dem Versand des UBS-Briefes Neukunden mit Domizil Ausland. Roland Bartholet, Mitglied der Geschäftsleitung, weist darauf hin, «dass sich das grenzüberschreitende Geschäft derzeit generell im Umbruch befindet.»

Die Credit Suisse war zuerst

Schon einmal löste eine ähnliche Aktion einen grossen Wirbel aus: Im Sommer des vergangenen Jahres erhöhte die Credit Suisse die Spesen für ihre Kunden im Ausland. «Auch damals haben wir das gemerkt», sagt Oswald Wetli. So präsentiert sich eine Situation im Banken-Rheintal, die seltsam anmutet. Freuen sich sonst sämtliche wirtschaftlichen Betriebe über Neukunden, sind Regional- und Kleinbanken skeptisch. Im Ausland lebende Kunden mit kleinem Vermögen sind wegen den neuen Regulatoren zu aufwendig und zu unrentabel geworden.