Trügerische Sicherheit am Rhein

Die Plattform «Lebendiger Alpenrhein» der Schweizer und Vorarlberger Umweltverbände hat gestern in der «Habsburg» in Widnau die neueste Umfrage zum Projekt Rhesi präsentiert. Das Ergebnis: Die Mehrheit der Rheintaler fühlt sich sicher.

Kurt Latzer
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Rainer Siegele, Bürgermeister von Mäder (links), kennt die Geschichte der Rhein-Hochwasser und hofft, «dass uns Wetter und Rhein genug Zeit lassen, bis wir <Rhesi> umgesetzt haben». (Bild: Kurt Latzer)

Rainer Siegele, Bürgermeister von Mäder (links), kennt die Geschichte der Rhein-Hochwasser und hofft, «dass uns Wetter und Rhein genug Zeit lassen, bis wir <Rhesi> umgesetzt haben». (Bild: Kurt Latzer)

WIDNAU. «Rhesi» ist Teil des Entwicklungskonzepts Alpenrhein, das 2005 verabschiedet und von allen betroffenen Regierungen unterzeichnet wurde. Lukas Indermaur, Projektverantwortlicher «Lebendiger Alpenrhein», sagte gestern: «Seit zehn Jahren ist keine der rund 19 vorgezeichneten Rhein-Aufweitungen umgesetzt worden.» Zudem sei das Projekt Rhesi (Rhein – Erholung und Sicherheit) seit zwei Jahren wegen Nutzungskonflikten in der Landwirtschaft und beim Grundwasser blockiert.

Die meisten wollen mehr Natur

Die neue Umfrage habe ergeben, dass sich eine klare Mehrheit der Bevölkerung für mehr Natur und Sicherheit am Rhein zwischen Oberriet und der Rheinmündung aussprach. Ja zu mehr Sicherheit sagten die meisten Befragten, obwohl sie sich laut Umfrage vor Hochwassern absolut sicher fühlen.

Rainer Siegele, Bürgermeister von Mäder, ist ein «Rhesi»-Befürworter und warnt vor einer trügerischen Sicherheit, der Klimaerwärmung und der damit verbundenen Zunahme von Hochwassern am Rhein. An der Vorstellung der Umfrage erinnerte er an die Geschichte «seiner» Gemeinde. Dieser zufolge ereigneten sich dort zwischen 1200 und 1500 fünf, zwischen 1500 und 1800 zwölf und im 18. und 19. Jahrhundert bereits 33 Überschwemmungen.

Nach den letzten grossen Hochwassern habe man sogar in Erwägung gezogen, die Gemeinde Mäder aufzugeben. Mit der später erfolgten Rheinregulierung sei Sicherheit und Wohlstand eingekehrt.

Nicht nur an Trinkwasser denken

«Heute ist die Hochwassersicherheit am Alpenrhein von der Ill abwärts nicht mehr gewährleistet», ist Siegele überzeugt, «die Klimaerwärmung ist fix.» Es sei höchste Zeit, sich für einen modernen Hochwasserschutz einzusetzen. Mit dem Projekt Rhesi könne der Rhein sicherer und gleichzeitig naturnah werden.

Der Bürgermeister von Mäder wünscht sich ein Umdenken zugunsten von «Rhesi» bei seinen Amtskolleginnen und -kollegen. Das Denken in den Gemeinde-Spitzen müsse über das Trinkwasser hinausgehen.

• OSTSCHWEIZ 18

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