«Trost» für das Seelenheil

Am 20. Juni 1722 bestätigt der rheintalische Landvogt eine Urkunde über den Bau der katholischen Kapelle in Au. Das scheinbar unspektakuläre Ereignis steht im grösseren Zusammenhang der zahlreichen Kirchenabspaltungen in der frühen Neuzeit.

Drucken
Einzug der Glocken für die 1925 nochmals neu erbaute Kirche in Au. (Bild: pd)

Einzug der Glocken für die 1925 nochmals neu erbaute Kirche in Au. (Bild: pd)

Am 20. Juni 1722 bestätigt der rheintalische Landvogt eine Urkunde über den Bau der katholischen Kapelle in Au. Das scheinbar unspektakuläre Ereignis steht im grösseren Zusammenhang der zahlreichen Kirchenabspaltungen in der frühen Neuzeit. Die Hintergründe solcher Trennungen eröffnen nicht nur interessante Einblicke in die Religions- und Mentalitätsgeschichte, sondern führen auch zu wertvollen Erkenntnissen über die Bevölkerungsentwicklung.

Gemeinden spalten sich ab

Noch im 18. Jahrhundert gehörten die Katholiken in Au zur Pfarrei Berneck. Diese Pfarrei ist eine der ältesten im Rheintal und umfasste Gebiete vom Appenzellerland bis ins heutige Vorarlberg. Bereits 1504 spalteten sich jedoch Widnau, Diepoldsau und Lustenau ab. Im nächsten Jahrhundert folgte der erste Schritt für die Abtrennung von Au: 1686 stiftete Conrad Frey zum «Trost» seines Seelenheils einen Betrag für den Bau einer eigenen Kapelle. Das Stiftungsvermögen wuchs innerhalb von dreissig Jahren auf 400 Gulden, was genug war, um die Realisierung des Stiftungszwecks ins Auge zu fassen. Um 1720 beschlossen die katholischen Gemeindegenossen in Au, Haslach und Monstein den Bau der Kapelle und steuerten nicht nur weitere 700 Gulden bei, sondern leisteten auch 500 Stunden Fronarbeit. Dies war in der damaligen Zeit eine grosse Leistung und belegt den hohen Stellenwert der Religion. 1721 war die Kapelle in Au erbaut. Taufe, Heirat und Beerdigung durften aber prinzipiell nur in Berneck stattfinden, und der dortige Geistliche übte die Aufsicht über die Auer Kapelle aus.

Deshalb setzten sich 1785 die katholischen Auer bei den eidgenössischen Orten für die Trennung von der Pfarrei Berneck ein: Die Zahl der katholischen Haushaltungen sei inzwischen von 36 auf 76 gewachsen, wegen der weiten Entfernung könnten Sterbende das heilige Sakrament oft nicht mehr empfangen und die 74 gestifteten Messen in Au müssten oft verschoben werden, weil die Priester in Berneck selbst genug Messen zu lesen hätten. Der Widerstand der Bernecker und Streitigkeiten um die Ablösungssumme verzögerten jedoch das Vorhaben derart, dass die Trennung erst 1802 zustande kam. 1804 konnte anstelle der Kapelle eine neue Kirche eingeweiht werden.

Weitere Funde

Über weitere Funde im Rahmen des Projekts «Rechtsquellen und Geschichte des Rheintals» wird bald berichtet. Werner Kuster

Aktuelle Nachrichten