Tresore mit raffinierter Mechanik

ST.MARGRETHEN. Antike Tresore vom 16. bis ins 19. Jahrhundert haben es dem St.Margrether Ulf Weissenberger angetan. Nun stellt er einen Teil seiner 40 Exemplare umfassenden Sammlung im Gemeindehaus aus. Am Samstag um 11 Uhr ist Vernissage.

Bea Sutter
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Im Wohnzimmer von Ulf Weissenberger steht das Prachtstück von einem Nietentresor. Er ist einer der frühen Schranktresore (um 1670). Welch raffinierte Schliessmechanik bereits im Frühbarock entwickelt wurde, ist beeindruckend. (Bild: Bea Sutter)

Im Wohnzimmer von Ulf Weissenberger steht das Prachtstück von einem Nietentresor. Er ist einer der frühen Schranktresore (um 1670). Welch raffinierte Schliessmechanik bereits im Frühbarock entwickelt wurde, ist beeindruckend. (Bild: Bea Sutter)

Eine aussergewöhnliche Ausstellung wird am Samstagvormittag um 11 Uhr im St.Margrether Gemeindehaus eröffnet. Die Exemplare sind kubisch, gross, schwer, wuchtig – und äusserst faszinierend, geht man in ihre Tiefe. Die Rede ist von antiken Tresoren. Die Ausstellung spiegelt die Geschichte von der Zeit an wider, als die Handelsfamilien ihr Geld nicht mehr in Eisenkassetten, sondern in Schranktresoren aufbewahrten. Ulf Weissenberger hat einen besonders schönen Nietentresor, datiert auf 1670. «Dieser stammt aus Norditalien. Damals wurden sie nur in dieser Region gebaut. In Nord- und Mitteleuropa wurden bis etwa 1820 die damals üblichen Eisentruhen verwendet», erläutert Ulf Weissenberger. Warum die Nietentresore ihren Ursprung in der Gegend um Mailand haben, lasse sich nur vermuten. «Viele grosse Handelsfamilien lebten und geschäfteten in Norditalien.»

Raffinessen des Nietentresors

Die Nietentresore bestehen aus einem Holzkorpus, der aussen ganzflächig mit Eisenbändern belegt ist. Die Schmiede befestigten im 17. Jahrhundert die Eisenbänder mit Schmiedenägeln, die innen umgenietet wurden. Innen wurden die Tresore mit dünnem Belch verkleidet. Aufgrund ihrer Machart unterscheidet man zwischen Kleinnieten- und Grossnietentresoren. Im 19. Jahrhundert verdrängten die in Manufaktur gefertigten Ganzstahltresore die Nietentresore. Die offene Schliesstechnik verschwand dann um circa 1900 – und damit auch das Interesse von Ulf Weissenberger. In seiner Sammlung hat er aber einige wunderschön restaurierte Stahltresore, die natürlich auch ausgestellt werden.

Aus drei wurden 40

Es kommt nicht von ungefähr, dass Ulf Weissenberger antike Tresore sammelt. Er besitzt eine umfassende Sammlung alter Schlüssel und Schlösser. «Mich fasziniert die Schliessmechanik», sagt er. «Und Tresore werden ja auch diebstahlsicher verschlossen.» So sei es naheliegend gewesen, sich mit antiken Tresoren zu befassen und Exemplare zu erstehen. «Ich wollte anfänglich nur zwei bis drei Tresore als Ergänzung zu meiner Schlösser- und Schlüssel-Sammlung», lacht Ulf Weissenberger. «Aber es ist anders gekommen. Ich erkannte, dass jeder Tresor seine eigenen Geheimnisse hat, und so kann ich einfach nicht widerstehen, wenn sich die Möglichkeit bietet, ein Exemplar zu kaufen. Heute sind es 40 Tresore.»

Faszination Schliesstechnik

Mit viel Liebe restauriert Ulf Weissenberger die Tresore grösstenteils selber. Manchmal zieht er einen Spezialisten bei. Auf jeden Fall wird die ganze Schönheit aus den wuchtigen Quadern herausgeholt. Eisen und Stahl glänzen um die Wette.

Zurück zu den Anfängen der Nietentresore. «Im Vergleich zu den Schlössern ist die Schliessmechanik der Tresore noch komplexer und wesentlich trickreicher», sagt der Sammler.

Der Tresor aus dem Jahr 1670 hat fünf Schliesstechniken und fünf Tricks. «Nur durch verschiedene Schlüssel und Vorgänge kann der Sesam geöffnet oder verschlossen werden.» Ulf Weissenberger erklärt, dass früher die drei Schlüssel auf zwei oder drei Personen verteilt wurden. Dadurch wurde der Schutz vor Diebstahl der Wertsachen noch einmal erhöht. «Jeder Tresor hat andere Tricks. Und das ist das Spannende für einen Sammler.»

Wettbewerb an der Ausstellung

Wie faszinierend solche Tresorschlösser sind, das können am Samstag auch die Ausstellungsbesucher erleben. An der Vernissage, die um 11 Uhr mit der Begrüssung durch Gemeindepräsident Reto Friedauer beginnt, spricht auch Monika Mähr, Kuratorin im Historischen Museum in St. Gallen. Ulf Weissenberger wird seine Sammlung in einer Ansprache und anhand der Objekte erläutern. Ein Video zeigt, wie ein sehr alter Nietentresor geöffnet wird. Der Aussteller rät, genau hinzusehen, denn dies ist Bestandteil eines Wettbewerbs. Wer ist in der Lage, diesen Tresor mit drei Schlüsseln in kürzester Zeit zu öffnen? Dem Schnellsten winkt ein Preis.

Die Ausstellung kann bis zum 30. Oktober während der Schalteröffnungszeiten besucht werden. Mehr Infos zur Sammlung von Ulf Weissenberger finden sich unter www.weissenberger.ch.