Training in Stresstoleranz

Wer im Mai die Rosen, Geissblatt, Johannisbeeren beobachtet hat, konnte gut ein Training in Stresstoleranz machen: Über und über waren die Triebe mit mehreren Schichten von Blattläusen bedeckt, Invasion im ganzen Garten, ein Gekrabbel und Genusche wie in den kühnsten Träumen von Gruselfilm-Produzenten.

Urs Stieger Berneck, Www.u-Stieger.com
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Wer im Mai die Rosen, Geissblatt, Johannisbeeren beobachtet hat, konnte gut ein Training in Stresstoleranz machen: Über und über waren die Triebe mit mehreren Schichten von Blattläusen bedeckt, Invasion im ganzen Garten, ein Gekrabbel und Genusche wie in den kühnsten Träumen von Gruselfilm-Produzenten.

Drei Wochen später war, bei uns zumindest, keine Spur mehr von diesen Viechern, gesund blühen die Rosen, Stachel- und Johannisbeeren haben etwas verkrümmte Blätter, aber diese Form bildet sich sogar bei meinem Rücken …

Wenn dann Besucher fragen, womit man denn gespritzt habe, wäre die richtige Antwort eigentlich: Mit Regenwasser! Ohne jetzt den gelassenen, abgeklärten Gartenguru zu spielen: Blattläuse sind nicht der Rede wert. Der Feind meines Feindes ist mein Freund! Oder anders gesagt muss ich eben die vielen Helferlein im Garten aktivieren.

Marienkäferlarven sind Blattlausjäger. Kennen Sie die? Die kleinen grauen Saurier mit den gelben Stacheln? Man muss sie eben nicht abspritzen – womit auch immer. Kommt dazu: Wo keine Läuse sind, da sind auch keine Ameisen. Vergiften ist doch mit Kanonen auf Spatzen schiessen. Stresstoleranz trainieren fällt dann leider auch weg. Die Hausmittelchen wie Brennnesselwasser, Schmierseife etc. funktionieren natürlich, aber Schwebefliege, Ohrwurm und Marienkäfer mögen so scharfe Sachen auch nicht wirklich. Die Jungen von Spatzen, Meisen und Rotschwänzen schätzen ungewürzten Blattlausbrei sicher mehr als Kaliseifenlaugesauce oder Brennnesselwürze.

Schwebefliegen sind manchmal gezeichnet wie Wespen oder Hornussen, aber völlig harmlos. Sie sind extrem gute Flieger und können am Ort schweben. Sie stubsen einen gerne an, da sie auf helle Farben reagieren. Angst ist aber unbegründet, sie stechen oder beissen nicht. Ihr Aussehen ist eine Art von Mimikry. Sie täuschen vor, gefährlich zu sein. Viele Arten leben als Larven von Blattläusen und Milben und brauchen für ihre Entwicklung Unmengen davon.

Wer einmal in einem Hotel von Bettwanzen gebissen worden ist, wird Mühe haben, Wanzen als geduldete Gartenbewohner zu halten. Die mildere Form wäre dann ja der Chriesischtinker, auch nicht besonders appetitanregend, erwischt man ihn mit Kirschen. Tatsächlich hat es bei uns auf Himbeeren auch solche urigen Tiere. Dafür haben die Beeren keine Maden. Es gibt aber auch Wanzen, die saugen an den Beeren und wiederum andere stinken auch auf Himbeeren. Zugegeben ziemlich intensiv.

Schon wieder Stresstoleranztraining.

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