TRAINERENTLASSUNG: Engel fliegen einsam

Fussball-Zweitligist Diepoldsau-Schmitter trennt sich überraschend von Engelbert Hutter. Die Leitung des Teams übernehmen interimistisch die erfahrenen Spieler Dursun Karatay und Manuel Fisch.

Yves Solenthaler
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Engelbert Hutter ist in dieser Saison der erste Rheintaler Fussballtrainer, der freigestellt worden ist. (Bild: Archiv/uh)

Engelbert Hutter ist in dieser Saison der erste Rheintaler Fussballtrainer, der freigestellt worden ist. (Bild: Archiv/uh)

Yves Solenthaler

Ein Chronist des Fussballbetriebs entwickelt mit den Jahren ungewollt einen gewissen Zynismus. Noch während die Bierduschen fliessen und «Aufsteiger-Jungs»-T-Shirts aus der Kartonschachtel befreit werden, ahnt er: Diese Mannschaft wird in der höheren Liga Schwierigkeiten bekommen.

In Diepoldsau stieg die Aufstiegsfeier im Mai. Nur vier Monate und ebenso wenige Niederlagen später ist Trainer Engelbert Hutter, der Baumeister dieses Erfolgs, freigestellt worden. Begründung: Sportlicher Misserfolg.

Hutter war das Gesicht der Neuausrichtung des Vereins

Dabei war Engelbert Hutter bis zur laufenden Saison nicht nur während fast vier Jahren ein ziemlich erfolgreicher Trainer, sondern auch das prägende Gesicht der Neuausrichtung des Vereins: Der Diepoldsauer, der im Dorf als Lehrer arbeitet, hat in seiner Amtszeit die Vereinsphilosophie, nach der Diepoldsau-Schmitter ein Dorfverein sein soll, entscheidend geprägt.

Das anerkennt auch Roman Müller, der als Präsident des Fussballklubs für die Freistellung verantwortlich ist: «Engelbert Hutter hat wie kein anderer unsere Vereinsphilosophie vorangetrieben.»

Mit dem Ergebnis nicht nur des Aufstiegs, sondern auch dem, dass der vorher von Zerreibung bedrohte Verein, den sportlichen Erfolg im Wesentlichen mit jungen, aus Diepoldsau stammenden Spielern erreicht hat.

Präsident Müller entgegnet, dass dem Vorstand der Entscheid schwer gefallen sei, den Trainer freizustellen: «Wir haben aber auch in die Mannschaft und den restlichen Staff hinein gehorcht – und Abnutzungserscheinung im Verhältnis zwischen Trainer und Spielern festgestellt.»

Müller sagt, dass die Mannschaft mehr Potenzial besitze als wie aktuell das Schlusslicht der 2. Liga zu bilden: «Das sah man gerade auch beim 1:1 am Samstag gegen Vaduz II, das in den zwei Spielen zuvor Ligakonkurrenten niedergekantert hatte.» Allerdings mutet es auch seltsam an, den Trainer mitten in dieser erkennbaren Aufwärtstendenz zu entlassen – vor dem ersten Punktgewinn der ­Saison hatte Diepoldsau überraschend das Cupspiel in Wängi ­gewonnen. «Wir haben nicht nur diese zwei Spiele im Blick», sagt Roman Müller.

Zwischen diesen zwei Mutmachern lag mit der Niederlage beim ebenfalls gefährdeten FC Mels ein Tiefschlag.

Hutter kann den Entscheid nicht nachvollziehen

«In einer kurzfristig angekündigten Besprechung wurde mir vom Präsidenten, dem Vizepräsidenten und dem Mannschaftsführer mitgeteilt, dass die gesamte Mannschaft nicht mehr mit mir weiterarbeiten will. Damit war das Gespräch dann auch schon wieder beendet», schildert Engelbert Hutter den Zeitpunkt der Entlassung.

Kommuniziert wird, dass der schlechte Saisonstart der Hauptgrund der Freistellung sei: «Im Vertrag zwischen dem Verein und mir wurde aber nicht mal eine sportliche Vorgabe fixiert», sagt Hutter.

«Ich habe mit der FCD-Familie, die ich aufgebaut und mitgeprägt habe, abgeschlossen», sagt Hutter.

«Weisst du, wie die Engel fliegen?», singt Popstar Christina Stürmer: «Engel fliegen einsam!»

Einsam verlässt auch Engelbert Hutter den Fussballverein, dem er während mehr als einem halben Leben angehört hatte.