«Träner»

Eine Hochzeitsgesellschaft vor der Kirche: Schöne Blumenbouquets zieren festlich hergerichtete Apéro-Tische. Darum herum stehen Herren in Anzügen mit Krawatten und Damen in feinen Kleidern.

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Reto Wälter

Reto Wälter

Eine Hochzeitsgesellschaft vor der Kirche: Schöne Blumenbouquets zieren festlich hergerichtete Apéro-Tische. Darum herum stehen Herren in Anzügen mit Krawatten und Damen in feinen Kleidern. Und mittendrin zwei Typen in Trainerhosen – auf edel getrimmt mit Blazer und goldverzierter Dächlikappe. Auffallen taten sie zwar, die zwei, machten aber durchaus einen festlich gekleideten Eindruck.

Ihre Trainerhose ist kein Vergleich mehr zu den müffelnden hautengen Dingern, die in den 80ern zur Standardausrüstung in winterlichen Turnhallen gehörten. Den Dingern, die, ohne dass man sich gross bewegte, an den Beinen klebten und bei denen sich starkes Schwitzen anfühlte, als würde man auslaufen. Den Dingern, die Elastikbänder an beiden Beinenden hatten, mit denen man entweder überall einhängte oder die einem das Nylonprodukt dermassen in den Schritt zogen, dass man sich kaum bewegen konnte.

So weit haben es also die Nachkommen der knallfarbenen Nylon-Trainerhosen geschafft, dass sie heutzutage an Hochzeiten dürfen, ihre Streifen und Embleme stolz in Bars und Pubs ausgeführt werden.

Wird in Zukunft wohl einmal ein Verwandter des Anzugs auf Leichtathletikanlagen Rekorde jagen oder auf Fussballplätzen die Akteure kleiden? Dagegen zu wetten wäre zu viel Risiko. Auf einen «Träner» als «Sonntagsgewand» hätte ich vor dreissig Jahren auch keinen Rappen gesetzt.

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