Toni Brunner soll’s beim Stoss-Schützenverband richten

Der Stoss-Schützenverband erhofft sich von seinem neuen Präsidenten einen Aufschwung.

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Der Innerrhoder Ivo Koller, treibende Kraft des Neustarts beim Stoss-Schiessen, beim Stoss-Denkmal, das an die Schlacht von 1405 erinnert.

Der Innerrhoder Ivo Koller, treibende Kraft des Neustarts beim Stoss-Schiessen, beim Stoss-Denkmal, das an die Schlacht von 1405 erinnert.

Bild: Peter Fässler

Anfang Februar trifft sich der Stoss-Schützenverband in Gais zu einer ausserordentlichen Versammlung und wagt einen Neustart. Der 1927 gegründete Verband kämpfte in den letzten Jahren mit starkem Teilnehmerschwund. Alt-Nationalrat Toni Brunner, der für die Wahl zum neuen Präsidenten vorgeschlagen wird, soll den Schiessanlass zum Gedenken an die Schlachten am Stoss und bei Vögelins­egg Anfang des 15.Jahrhunderts aus der Krise führen. Ivo Koller, designierter Vizepräsident, hat sich mit einem kleinen Team stark dafür eingesetzt, dass es mit dem Stoss-Schiessen wieder aufwärts gehen soll.

Ivo Koller, interessiert es in der heutigen Zeit noch jemanden, dass vor über 600 Jahren die Appenzeller bei den beiden Schlachten Vögelinsegg (1403) und Stoss (1405) für ihre Freiheit kämpften?

Ivo Koller: Genau das ist meine Überzeugung. Wir müssen die geschichtsträchtigen Ereignisse vom 15.Jahrhundert weiterer­zählen und die grossartige Leistung unserer Vorfahren würdigen und ehren. Die Appenzeller Freiheitskämpfer haben damals für die uns so wichtige Freiheit gekämpft und sich mit Leib und Leben dafür eingesetzt. Neu bieten wir eine Führung zum Stoss- Denkmal an, mit den Erläuterungen zu den damals festgehaltenen Fakten und Mythen.

Mit dem neuen Präsidenten Toni Brunner ist es Ihnen gelungen eine Persönlichkeit zu holen, die mit ihrer Ausstrahlungskraft und ihren Netzwerk bis zu den Bundesräten dem Verband enormen Vorteil bringen wird.

Toni Brunner ist für unser Stoss- Schiessen sehr wichtig. Als politisch perfekt vernetzte Persönlichkeit und mit seiner authentischen, frischen Art, strahlt er Motivation, Zuversicht und eine enorme Überzeugung aus. Ich freue mich, zusammen mit meinen Kollegen ein nachhaltiges Stoss-Schiessen organisieren zu dürfen.

Am Stoss-Schiessen 1955 («650 Jahre Schlacht am Stoss») beteiligten sich weit über 2000 Schützen am sportlichen Wettkampf. Ist es Ihr Ziel, diese Teilnehmermarke wieder zu erreichen?

Ja, ich träume davon – aber ich bin Realist genug, um zu wissen, dass eine grosse Aufgabe vor uns liegt. Mit der Zusammenlegung der beiden historischen Schiessen «Vögelinsegg» und «Stoss» haben wir die einmalige Chance, Grosses zu erreichen. Ich habe mir vorgenommen, während der kommenden fünf Jahre darauf hinzuarbeiten. Wir müssen dem Stoss-Schiessen eine Art Kranzfest-Charakter verleihen, damit wir es schaffen, dass möglichst viele Schützinnen und Schützen aus der ganzen Schweiz dazugehören und mitschiessen wollen.

Der Vögelinsegg-Schützenverband musste auf Ende 2019 wegen der Schliessung der Schiessanlage in Speicher die Auflösung bekannt geben. Eigentlich können Sie jetzt davon profitieren. Haben Sie absichtlich in Ihrem neuen Logo auch den Hinweis «Gedenkschiessen an die Schlacht bei Vögelins­egg» angebracht?

Im neuen Logo erscheinen beide Schlachten mit den bekannten Jahrzahlen zu den geschichtsträchtigen Ereignissen im Appenzellerland. Ebenso wird das Wahrzeichen, die Stoss- Kapelle, abgebildet sein. Und im Hintergrund erscheint eine Zielscheibe.

Neu wird auch sein, dass es einen Wettkampf für Schützen mit einer Sportwaffe geben wird. Eigentlich atypisch für ein historisches Schiessen, an dem nur mit Ordonnanzwaffen geschossen wird.

Das ist so. Wir sind schweizweit die Ersten, die diese Kombination anbieten dürfen. Die Bewilligung der zuständigen Militärbehörde liegt uns vor. Das historische Stoss-Schiessen bleibt den Ordonnanz-Gewehr- und -Pistolenschützen vorbehalten. Das historische Vögelinsegg- Schiessen wird als Gedenkschiessen ausschliesslich den Sportschützen zugänglich gemacht. Ein Gewehrschütze darf also nur einen Wettkampf absolvieren, eine Kombination mit dem Ordonnanz-Pistolenschiessen ist möglich.

Es gibt noch 16 historische Schiessen in unserem Land. Was wünschen Sie sich am meisten für den Neustart am Stoss-Schiessen?

Da gibt es viel: Erstens eine unfallfreie Durchführung auf dem feldmässig aufgebauten Schiessstand Stoss in Gais. Zweitens einen Grossaufmarsch der Sportschützen sowie der Ordonnanz-Gewehr- und -Pistolenschützen mit vielen Zaungästen im Zellweger-Stoss-Zelt. Drittens ein schönes, von Kameradschaft geprägtes Schützenfest samt feierlicher Schützen- Landsgemeinde mit Festlau­- ne und positiver Ausstrahlung über die ganze Schweiz hinaus. Viertens den langfristigen Fortbestand und Erhalt des feldmässigen Stoss-Schiessens. (fä)