Töffraser verurteilt – Polizist angeklagt

ST. GALLEN. Weil er auf seinem Töff vor der Polizei geflohen ist und dabei in 83 Fällen die Verkehrsregeln verletzt hat, wurde ein 42-Jähriger vom Kreisgericht St. Gallen verurteilt. In Zusammenhang mit diesem Fall wird jetzt auch ein Polizist angeklagt – wegen Amtsmissbrauchs.

Drucken
Teilen

ST. GALLEN. Weil er auf seinem Töff vor der Polizei geflohen ist und dabei in 83 Fällen die Verkehrsregeln verletzt hat, wurde ein 42-Jähriger vom Kreisgericht St. Gallen verurteilt. In Zusammenhang mit diesem Fall wird jetzt auch ein Polizist angeklagt – wegen Amtsmissbrauchs.

Die Raserfahrt und die Flucht vor der Polizei kommt den Motorradfahrer teuer zu stehen. Er ist vom Kreisgericht zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 23 Monaten verurteilt worden.

Der Motorradfahrer war vollumfänglich geständig, weshalb ihn die Staatsanwaltschaft im abgekürzten Verfahren anklagte. Sie beantragte eine bedingte Freiheitsstrafe von 23 Monaten mit einer Probezeit von zwei Jahren und eine Busse von 1000 Franken. Ausserdem muss er die Verfahrenskosten bezahlen.

Er habe mit einer Töfffahrt den Kopf auslüften wollen, erklärte der Beschuldigte vor dem Gericht den Grund für seine Raser- und Fluchtfahrt. Laut seinen Schilderungen belasteten ihn mehrere Vorkommnisse. Wegen eines Burn-outs habe er seine Firma verloren und sei seine Ehe in die Brüche gegangen.

Kurzschlusshandlung

An jenem 1. September 2014 sei die Meldung gekommen, dass er weiter auf Arbeitslosengelder verzichten müsse. Ihm sei auf der Töfffahrt von Wittenbach Richtung St. Gallen aller Ärger hochgekommen, und so habe er Gas gegeben. Laut Anklageschrift fiel der Beschuldigte einer Polizeipatrouille auf, da er waghalsig andere Fahrzeuge überholte und übermässigen Lärm verursachte. Als er die Polizei bemerkte, versuchte er, sich der Kontrolle durch eine Flucht zu entziehen. Auf der Flucht beging er nicht weniger als 9 qualifizierte grobe, 46 grobe und 28 einfache Verletzungen der Verkehrsregeln. Mehrmals missachtete er ein Rotlicht und fuhr links an Fussgängerschutzinseln vorbei. Als er seine Fahrt wegen eines Hindernisses auf 15 Kilometer pro Stunde verlangsamen musste, schloss die Polizei auf gleiche Höhe auf und zwang ihn anzuhalten. Nach seiner Verhaftung beschlagnahmte die Polizei seine Helmkamera, die auf der Flucht eingeschaltet war. Die Kamera hatte nicht nur die aktuellen Verletzungen der Verkehrsregeln, sondern auch Verfehlungen einer Töfffahrt vom 19. Juli 2014 aufgezeichnet.

Massive Beschimpfungen

Verschiedene Onlinemedien veröffentlichten das Video der Verfolgungsjagd. Zu hören sind darauf massive Beschimpfungen – auch seitens der Beamten. Die Stadtpolizei St. Gallen informierte danach, dass gegen die beiden beteiligten Polizisten ein Verfahren laufe.

«Die Staatsanwaltschaft hat im März 2016 gegen einen der beiden Polizisten Anklage wegen Amtsmissbrauchs erhoben», sagte Andreas Baumann, Sprecher der St. Galler Staatsanwaltschaft, gestern. Dem Polizisten droht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe.

Wann diese Verhandlung vor Kreisgericht St. Gallen stattfinden wird, ist noch offen. Das Verfahren gegen den zweiten Polizisten ist eingestellt worden. Das komme einem Freispruch gleich, sagte Baumann. (sda)

Aktuelle Nachrichten