Titelfavoritin beim WM-Début

Jolanda Neff aus Thal ist erst 22 Jahre alt, ihr Palmarès liest sich aber wie das einer Altmeisterin: Zwei Weltcup-Gesamtsiege, drei U23-WM-Titel, zehn Schweizer Meistertitel (auf verschiedenen Belägen), 60 Siege am Swiss Cup. Folgt nun der erste WM-Titel in der Elite?

Yves Solenthaler
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Jolanda Neffs 13. Saisonsieg im Cross Country wäre der wichtigste. (Bild: Archiv/uhu)

Jolanda Neffs 13. Saisonsieg im Cross Country wäre der wichtigste. (Bild: Archiv/uhu)

MOUNTAINBIKE. In Vallnord (Andorra) findet morgen Samstag ab 12 Uhr das WM-Rennen der Frauen statt, das erste für Jolanda Neff auf der höchsten Stufe – und dennoch ist sie Topfavoritin auf WM-Gold. Starten darf die Thalerin, die noch im U23-Alter ist, nur dank einer Sonderbewilligung.

Siegquote 2015: 75 Prozent

Der eingangs erwähnte Palmarès von Jolanda Neff ist unvollständig, dazu kommen noch EM-Titel (dieses Jahr den ersten in der Elite), die Goldmedaille an den Europa-Spielen in Baku, weitere Medaillen an allen Titelkämpfen. Natürlich stammen viele diese Erfolge aus der Nachwuchszeit. Aber auch auf der höchsten Stufe, auf der Neff seit drei Jahren fährt, sind ihre Saisonbilanzen beeindruckend. 2015 waren es 12 Siege in 16 Rennen – nur beim Heim-Weltcup in Lenzerheide sowie an der Schweizer Meisterschaft stand sie als Vierte neben dem Podest. An der SM war das leicht zu erklären: Wegen eines Defekts war Neff über 4 Minuten aufgehalten worden. Der vierte Rang in Lenzerheide hat ihr stärker zugesetzt. Es war wohl ein Fehler, das Rennen im Vorfeld als Saisonhöhepunkt zu bezeichnen.

WM in der Höhenluft

Denn der Saisonhöhepunkt folgt an der WM im Zwergstaat Andorra. Das Team Relay vom Mittwoch endete mit dem vierten Rang nicht wie gewünscht, Neff selbst tat sich nach eigener Aussage noch schwer mit der Höhenlage (1600 – 2300 m ü. M.) im Skiort. Aber sie hatte sich im Engadin in ähnlicher Meereshöhe auf die WM vorbereitet.

Obschon sie in den letzten zwei Weltcups jeweils «nur» Zweite wurde, ist Neff die Topfavoritin auf die Goldmedaille. Denn in diesen Rennen ging es primär um den Sieg im Gesamtweltcup. Zum Abschluss in Val di Sole (Italien) hätte der Thalerin ein 23. Rang gereicht. Gefährlich werden können ihr die einzigen drei Fahrerinnen, die in dieser Saison je ein Rennen mit Neff am Start gewinnen konnten: Die bereits fünffache Weltmeisterin Gunn-Rita Dahle aus Norwegen, die Saison-Überraschung Annika Langvad aus Dänemark und die Französin Pauline Ferrand-Prévot. Zu beachten wird auch die Kanadierin Catharine Pendrel sein. Sie ist Titelverteidigerin – und war Neffs Vorgängerin als Welt-Nummer 1.

Nach der WM aufs Rennrad

Mit der WM wird die Mountainbike-Saison im Grunde abgeschlossen. Jolanda Neff schwingt sich nachher aufs Rennrad: Ab nächsten Mittwoch bestreitet sie die Toscana-Rundfahrt. Am 26. September wird die aktuelle Schweizer Meisterin auf der Strasse in Richmond (USA) das WM-Strassenrennen fahren.