«Tipilzouerisch» ist Kultur

ZÜRICH/DIEPOLDSAU. Der 27. Oktober war Welttag des audiovisuellen Erbes. Am Phonogramm-Archiv der Uni Zürich wurde der Diepoldsauer Dialekt ausgewählt und von Berta Thurnherr vorgetragen.

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Die Diepoldsauer Mundartautorin Berta Thurnherr-Spirig erlebte bei ihrem Auftritt am Phonogramm-Archiv der Uni Zürich einen grossen Erfolg. (Bild: pd)

Die Diepoldsauer Mundartautorin Berta Thurnherr-Spirig erlebte bei ihrem Auftritt am Phonogramm-Archiv der Uni Zürich einen grossen Erfolg. (Bild: pd)

Am zehnten Welttag des audiovisuellen Erbes öffneten Archive: 20 Schweizer Institutionen präsentierten noch nie gezeigte historische Fotos, Filme und Tonaufnahmen.

Im Phonogramm-Archiv der Universität Zürich befinden sich Ton-Aufnahmen aus verschiedenen Landesteilen. Die Ostschweiz ist mit dem Thurgau und mit Werdenberger und Sarganserländer Mundarten vertreten, aber auch durch Tonbandkassetten, die die beiden Diepoldsauer Mundart-Sammlerinnen Maria Schmid-Spirig und Berta Thurnherr-Spirig zusammengetragen haben.

Hörsaal zu klein

Berta Thurnherr hat die Original-Aufzeichnungen in mühsamer Kleinarbeit in Schriftform transkribiert. Die im Phonogramm-Archiv erfolgte Digitalisierung von Berta Thurnherrs volkskundlicher Sammlung von Tonbandkassetten war der Anlass, die Gemeinde Diepoldsau dialektologisch und literarisch in den Fokus zu stellen.

Überrascht von der Zahl der Interessierten mussten die Verantwortlichen des Phonogramm-Archivs die Veranstaltung zum Diepoldsauer Dialekt in einen grösseren Hörsaal verlegen. Über 50 Personen, die Hälfte aus dem Rheintal angereist, die anderen Exil-Diepoldsauer oder –Rheintaler, waren gekommen, um sich die Mundart der Gemeinde Diepoldsau aus linguistischer und praktischer Sicht vorführen zu lassen. Dabei zeigte sich schnell, dass die beiden Dozierenden, Dieter Studer und Anja Hasse, zwar theoretisch sehr gut im Bilde waren. Aber ihre Sprechversuche in «Tipilzouerisch» tönten nicht sehr authentisch.

«Ma tuat wamma kaa»

Als Studer den Titel von Thurnherrs Buch «As wört schù wööra. Ma tuat wamma kaa» erwähnte, erhielt er für seine Aussprache Gelächter und freundlichen Applaus. Anja Hasse kreiste den Diepoldsauer Dialekt anhand von charakteristischen Wörtern ein: Goas für Geiss, Schnea für Schnee oder Schleatte für Schlitten. Diese Formen finden sich teilweise in Rheintaler Nachbargemeinden oder auch im angrenzenden Vorarlberg.

Applaus für Berta Thurnherr

Berta Thurnherr erntete für ihre Geschichten und Gedichte Riesenapplaus. Es hatte nachdenkliche Erinnerungen darunter, aber auch viel Humorvolles, zum Beispiel die mitleidige Bermerkung von Bertas Onkel nach einem Besuch bei der Familie seines Bruders, also Bertas Vater. Er meinte, jetzt habe der Bruder schon drei «Moatla»; in Kürze werde das vierte Kind erwartet und man hoffe auf einen Stammhalter. Aber nun sei unglücklicherweise die katholische Hebamme in den Ferien. Und wenn man die reformierte Hebamme nehme, gebe es ganz sicher wieder ein Mädchen.