Tiefe Zinsen: Herausforderung für die Versicherungen

Eigentlich haben die Aktionärinnen und Aktionäre von Schweizer Versicherungsgesellschaften allen Grund zur Freude: Die im Zuge der jüngsten Unternehmensberichterstattung für die ersten neun Monate des laufenden Jahres veröffentlichten Ergebnisse lagen insgesamt am oberen Ende der Erwartungen.

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Eigentlich haben die Aktionärinnen und Aktionäre von Schweizer Versicherungsgesellschaften allen Grund zur Freude: Die im Zuge der jüngsten Unternehmensberichterstattung für die ersten neun Monate des laufenden Jahres veröffentlichten Ergebnisse lagen insgesamt am oberen Ende der Erwartungen. Erwähnenswert ist vor allem das beeindruckende Wachstum bei den Prämieneinnahmen. In der Folge kletterte der Unterindex für Versicherungsaktien beim viel beachteten Swiss Performance Index auf einen neuen Mehrjahreshöchststand. Seit Jahresbeginn errechnet sich immerhin ein stolzes Plus von 15 Prozent.

Das Wachstum bei den Prämieneinnahmen darf allerdings genauso wenig über die Folgen der tiefen Zinsen hinwegtäuschen wie die starke Kursentwicklung vieler Versicherungsaktien. Aufgrund ihrer attraktiv hohen Dividendenrendite haben Letztere in den vergangenen Monaten von der anhaltenden Renditejagd profitiert. Für die Versicherungsgesellschaften selber bleibt es schwierig, im aktuellen Umfeld vernünftige Renditen auf dem eigenen Wertschriftenvermögen zu erzielen. Besonders stark betroffen sind Unternehmen mit einer Differenz zwischen den Fälligkeiten der Anlagen und jener der Versicherungspolicen. Werden festverzinsliche Anlagen vorzeitig fällig, kann das zur Rückzahlung fällige Kapital nicht mehr zu attraktiven Konditionen angelegt werden.

Tiefe Zinsen zu erwarten

Unser Economic Research rechnet mit anhaltend tiefen Zinsen. Nach dem Kauf von gedeckten Anleihen und verbrieften Forderungen wird die Europäische Zentralbank weitere Massnahmen ergreifen, um die Bilanz auszuweiten und die Kapitalmarktrenditen tief zu halten. Gerade bei kurzen Laufzeiten dürften die Zinsen daher noch für längere Zeit nahe Null bleiben.

Auch in der Schweiz wird das Zinsumfeld immer mehr zu einer Herausforderung für die Versicherungsbranche. Noch sind die Dividendenaussichten gut, verfügen doch viele Unternehmen über grundsolide Bilanzen. Anleger sind aber gut beraten, Aktien von Firmen mit einer hohen Abhängigkeit vom Sachversicherungsgeschäft den Vorzug zu geben.

Die kommende Woche

Nächste Woche werden mit Dottikon ES und Orascom nur kleinere Unternehmen mit Ergebnissen aufwarten. Publiziert wird ebenfalls die Erhebung des Bruttoinlandprodukts für das 3. Quartal. In den USA liegt das Hauptaugenmerk ebenfalls auf dem Bruttoinlandprodukt für das dritte Quartal sowie auf dem Konsumentenvertrauens-Index für November. (pd)

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