THAL: Ein Leben am Limit

Am Freitag, 10. März, erzählt Nils Jent im Saal des Restaurants Ochsen ab 19.30 Uhr seine unglaubliche Lebensgeschichte.

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Die Gedanken gaben ihm seine Freiheit zurück: Nils Jent. (Bild: pd)

Die Gedanken gaben ihm seine Freiheit zurück: Nils Jent. (Bild: pd)

Mit 18 Jahren, 1980, verunfallte er mit seinem Motorrad schwer und lag vier Wochen im Koma. Seither ist er sprechbehindert, blind, im Rollstuhl und kann seine Arme und Hände kaum bewegen. Mit einem unglaublichen Willen meistert Nils Jent trotzdem erfolgreich sein Leben und erzählt davon – auf Einladung der Donnerstags-Gesellschaft Thal – am kommenden Freitag, 10. März, im «Ochsen»-Saal.

Den Chefarzt beim Schach besiegt

Aus dem Koma aufgewacht, konnte er nicht sprechen, nicht riechen, nicht schmecken. Nichts. Nur hören und denken. Das aber bemerkte wochenlang niemand. Noch während seiner Rehabilitationszeit lernte er Schach, ohne das Brett je sehen zu können, und besiegte u. a. den Chefarzt. So eroberte sich Jent Respekt und Gehörtwerden zurück. Mit 24 beschloss Jent, die Matura nachzuholen. Er besuchte die Evangelische Mittelschule Schiers (EMS). Seine Mutter nahm ihm den gesamten Schulstoff auf über 2500 Tonbandkassetten auf. 1989 nahm er als Bester des Abschlussjahrgangs der gesamten EMS das Maturazeugnis in Empfang.

Er studierte an der Universität St. Gallen Ökonomie, schloss mit dem Lizenziat ab und erlangte den Doktortitel. 2012 folgte die Berufung zum ersten Universitätsprofessor für Diversity Management in der Schweiz. Dabei geht es um ein Unternehmenskulturkonzept, mit dem das Potenzial verschiedenster Zielgruppen – unter anderem Menschen mit Behinderung – genutzt werden kann.

Erzählung in Interviewform

2011 feierte das Multitalent am Zürich Filmfestival die Premiere des Dokumentarfilms «Unter Wasser atmen – Das zweite Leben des Dr. Nils Jent», der mit dem Publikumspreis prämiert wurde. Sein Buch «Essenzen des Wahrnehmens – Entwicklungsstationen auf dem inneren Weg des zweiten Lebens» erschien 2013 und versteht sich als perspektivische Erweiterung zum Film.

Das Sprechen ist auch heute noch schwierig und ermüdend für Nils Jent. Er wird daher begleitet und unterstützt durch Dr. Regula Dietsche. Sie ist Psychologin, Ergotherapeutin, Innovationsmanagerin – und Jents Arbeitspartnerin.

Zusammen mit ihm führt sie ein Dienstleistungsunternehmen zur Integration von Menschen mit verschiedensten Fähigkeiten und Hintergründen.

Ein Vortrag, der das Herz ­berührt und den Kopf inspiriert. Es gibt viel zu erfahren über die innere Kraft und den Mut, neue Horizonte der Veränderungs­fähigkeit zu entdecken. Allerdings geht dies nicht ohne unbequemes Verlassen der eigenen Komfortzone. Der Eintritt ist für Abo-Besitzer gratis. (pd)