TENNIS: Rheineckerin erobert die Tennis-Schweiz

Wie bereits kurz gemeldet, hat die 16-jährige Nina Geissler den Schweizer Meistertitel in ihrer Altersklasse gewonnen. Es ist ihre erste Einzel-Goldmedaille in der Schweiz, aber in Österreich war sie schon dreimal nationale Meisterin.

Yves Solenthaler
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Tennis-Talent aus Rheineck: Die 16-jährige Nina Geissler gewann in Bellinzona ihren ersten Schweizer Meistertitel im Einzel. (Bild: pd)

Tennis-Talent aus Rheineck: Die 16-jährige Nina Geissler gewann in Bellinzona ihren ersten Schweizer Meistertitel im Einzel. (Bild: pd)

Yves Solenthaler

N3.42 ist die Klassierung von Nina Geissler im Ranking von Swiss Tennis. «N» steht für die nationale Gruppe, «3» für die Stärkeklasse (die Top 10 sind «N1») und «42» selbstredend dafür, dass die Rheineckerin gemäss Klassement die an 42. Stelle klassierte Schweizerin ist – ohne Altersklassen; die Nummer N1.1 ist Timea Bacsinszky.

Nach dem Meistertitel hat sich Geissler wohl um ein paar Ränge verbessert. Weil das Ranking aber nur zweimal im Jahr ­erneuert wird, dauert es bis Oktober, ehe sie (wahrscheinlich) noch weiter vorne auftaucht. An Meisterschaften gibt es zwar Altersklassen, Nina Geissler startet derzeit in der Kategorie 16 & U (16 Jahre und jünger). An anderen, oft auch internationalen Turnieren, die sie übers Jahr an jedem zweiten Wochenende spielt, tritt Geissler auch gegen erwachsene Konkurrentinnen an.

Kein EM-Start möglich, weil sie noch gesperrt ist

Die Rheineckerin hat bereits einen Nationenwechsel hinter sich – bis vor einem Jahr ist sie für Österreich gestartet. Im östlichen Nachbarland hat sie schon drei Meistertitel gewonnen, zwei in der U12 und einen in der U16. Weil ihr Wechsel noch nicht lange zurückliegt, ist Nina Geissler für internationale Titelkämpfe als Schweizerin noch gesperrt. Ein Start an Europameisterschaften ist aber ein Ziel, sobald sie die Startfreigabe hat.

Auch als Schweizerin hat sie schon nationale Medaillen gewonnen – im Doppel zusammen mit der Thunerin Valentina Ryser. Und an der vergangenen Wintermeisterschaft wurde Geissler erst im Final gestoppt, holte also die Silbermedaille. Im sommerlichen nationalen Championat in Bellinzona hat sie auch im Doppel den Halbfinal erreicht, Medaillen erhielten dort aber nur die Finalistinnen.

Schweizer Meistertitel ohne Satzverlust

In der Einzel-Meisterschaft im Tessin hat sie das Turnier ohne Satzverlust in vier Matches gewonnen. Die als Nummer 4 gesetzte Nina Geissler, die für den Tennis-Club Rorschach startet, besiegte im Final Tina Nadine Smith aus Meggen LU, die Nummer 8 des Turniers mit 7:5, 6:4. Die drei zurzeit (knapp) vor Geissler klassierten Spielerinnen schieden im Viertel- oder Halb­final aus. Das zeigt, dass die ­Top-Spielerinnen in dieser Altersklasse einander leistungsmässig sehr nahe sind. Wer mal einen schlechten Tag einzieht, kommt nicht weit.

Normalerweise werden die Turniere an Wochenenden ausgetragen, die Schweizer Meisterschaften im Sommer finden aber jeweils während einer ganzen Woche statt. Alle Einzelspielerinnen müssen dort auch Doppel spielen; und so wird das Programm zu umfangreich, um es an einem Wochenende abzuwickeln.

Der Trainingsumfang wird laufend gesteigert

Nina Geissler spielt seit zehn Jahren Tennis. Sie hatte als kleines Mädchen auch im Skifahren oder Fussball Talent, hat sich aber für die Filzkugel entschieden. Zuerst mit kleinen Trainingsumfängen, die aber mit zunehmendem Erfolg laufend gesteigert wurden.

Die Primarschule hat Nina Geissler in Rheineck besucht, auch die Kantonsschule begann sie im Rheintal, in Heerbrugg. Nach einem halben Jahr wech­selte die Besitzerin einer Swiss Olympic Talent Card aber ans Sportgymnasium in Vaduz, wo sie nach den Sommerferien ihr drittes von vier Schuljahren in Angriff nimmt.

Andere Spielerinnen in Nina Geisslers Alter setzen bereits voll aufs Tennis, etwa im nationalen Leistungszentrum in Biel. Für die Rheineckerin (und ihre Eltern) kommt das derzeit nicht in Frage. Mit dem Sportgymnasium in Liechtenstein haben sie eine ihrer Meinung nach gute Lösung zwischen schulischer Ausbildung und Spitzensport gefunden. An drei Nachmittagen in der Woche übt sie mit den Trainern Stefan Lochbihler und Jirka Lokaj, die beim Liechtensteiner Tennisverband angestellt sind.

Je näher die Spitze rückt, umso dünner wird die Luft

Das Fernziel von Nina Geissler ist natürlich die WTA-Profitour. Bis dahin dürfte aber noch einige Zeit vergehen. Es ist noch nicht lange her, dass sie das Ziel einer nationalen Klassierung (Top 75) erreicht hat. Und je höher die Rheineckerin im Ranking steigt, umso kleiner werden die Schritte und desto mehr Geduld und Trainingsfleiss muss sie aufbringen, um sich im Vergleich mit den Konkurrentinnen weiter zu steigern.

Und letztlich hängt alles auch davon ab, ob sie von Verletzungen verschont bleibt. Bisher ist ihr dies gelungen, auch dank nicht übertrieben hohen (und sukzessive angepassten) Trainingsumfängen.