Tennis mit Hindernissen

David Ryczko aus Altstätten ist schwer gehbehindert. Dennoch ein guter Tennisspieler. Rollstuhltennis gibt dem Dreizehnjährigen Lebensfreude und Glücksmomente.

Gerhard Huber
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David Ryczko spielt eine schöne Vorhand. (Bild: Ulrike Huber)

David Ryczko spielt eine schöne Vorhand. (Bild: Ulrike Huber)

ROLLSTUHLTENNIS. Mit einem leisen Plopp-Plopp-Plopp fliegen in der Widnauer Tennishalle die kleinen gelben Filzkugeln hin und her über das Netz. Auf der einen Seite steht Tennistrainer Rico Altermatt, der mit ruhiger Stimme Lob verteilt, Anweisungen gibt oder bessere Schläge einfordert. Auf der anderen Seite des Courts flitzt ein schmächtiger Junge im Rollstuhl hin und her, immer auf der Jagd nach dem Ball. Rollstuhl beschleunigen, Vorhandschlag, Rollstuhl auf der Stelle drehen, zurück zur Grundlinie, wieder beschleunigen, Rückhandschlag …

Koordination anspruchsvoll

«Beim Rollstuhltennis ist die Koordination schwieriger als bei normalem Tennis. Muss man doch neben der normalen Schlagbewegung auch sein Gefährt steuern und mit Muskelkraft rechtzeitig zur richtigen Stelle bringen», erklärt Rico Altermatt. «Ich trainiere in Widnau seit 15 Jahren mit Rollstuhlfahrern, einer davon hat ein Geschäft für diese Spezialgeräte aufgebaut und uns in der Tennishalle einen speziell für Sportausübung gebauten sehr leichten und wendigen Leihstuhl zur Verfügung gestellt.» Um für Chancengleichheit beim abschliessenden Punktespiel zu sorgen, spielt Trainer Altermatt ausnahmsweise selbst im Rollstuhl.

Schwere Hirnblutung

Mit diesem Stuhl trainiert einmal in der Woche der dreizehnjährige David Ryczko aus Altstätten. Seit beinahe einem Jahr lernt er den richtigen Umgang mit dem Tennisschläger. Und sein Trainer bescheinigt ihm einen starken Willen, grosse Freude und Lebenskraft, die er aus dem Tennis bezieht. Ryczko hatte bei seiner Geburt eine schwere Hirnblutung, die eine dauerhafte Schädigung des Bewegungszentrums, vor allem des für die Beine und die Feinmotorik zuständigen Teils bewirkt hat. Er kann daher nur mühsam und nur für kurze Zeit gehen und benötigt dafür die Unterstützung durch einen Rollator. Aufgrund der ungewöhnlichen Gelenkstellungen und seiner Knickfüsse musste er bereits viele Operationen an seinen Beinen über sich ergehen lassen.

Erste Turnierteilnahme

«Das Tennisspielen ist supertoll und gefällt mir sehr gut», freut sich David Ryczko, «im September darf ich mein erstes Rollstuhltennis-Turnier im Aargau spielen. Ich rechne mir schon Chancen für einen guten Platz aus.» Das grosse Ziel für den CP-Schüler, der als Ausgleich gerne Keyboard spielt und am liebsten Wiener Schnitzel mit Pommes isst, ist irgendwann einmal eine Teilnahme an den Paralympics. Mutter Agnes Ryczko freut sich über die Möglichkeit, dass ihr Sohn durch das Rollstuhltennis Kontakt mit Jugendlichen mit ähnlichen Problemen finden kann. Und dass er so viel Spass daran hat. Das Ziel der Familie ist es, für ihn irgendwann einen eigenen, speziell angepassten Sport-Rollstuhl anschaffen zu können. Dabei hoffen die Ryczkos natürlich auf einen Zuschuss der IV oder anderer Organisationen, Stiftungen oder Gönner. Wer gesehen hat, wie viel Lebensfreude David Ryczko durch seinen Sport bezieht, kann sich diesem Wunsch nur anschliessen.

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