Tempo-20-Zone für Erdkröten

OBERRIET. Im Gegensatz zu den letzten Jahren informiert «Oberrieter Natur» heuer einige Woche früher über die bevorstehende Kröten-Laichwanderung. Der Vereinsvorstand bittet Autofahrer, auf den markierten Strassen Tempo 20 einzuhalten.

Kurt Latzer
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Sie freuen sich auf die Laichwanderung: Zvjezdana Scarano und ihre Tochter Thanit packt dann eine spezielle «Krankheit», das Erdkröten-Sammelfieber. Neben anderem wird demnächst mit Verkehrstafeln auf die bevorstehende Laichwanderung aufmerksam gemacht. (Bild: Kurt Latzer)

Sie freuen sich auf die Laichwanderung: Zvjezdana Scarano und ihre Tochter Thanit packt dann eine spezielle «Krankheit», das Erdkröten-Sammelfieber. Neben anderem wird demnächst mit Verkehrstafeln auf die bevorstehende Laichwanderung aufmerksam gemacht. (Bild: Kurt Latzer)

Die Erdkröten sind ihr ans Herz gewachsen. Zvjezdana Scarano hilft seit Jahren, während der Laichwanderung beim Wichensteiner See Kröten einzusammeln. Noch verharren die Amphibien in Erdlöchern in der Winterstarre. Setzt Anfang März das Tauwetter ein, ändert sich dies schlagartig. Sobald die Temperaturen auch nachts über vier bis fünf Grad liegen, kriechen die Erdkröten aus ihren Höhlen im Gebiet oberhalb der Kellenstrasse und machen sich auf den Weg zum Wichensteiner See. Ausgehend von der momentanen Wetterlage rechnen die Naturschützer damit, dass es Anfang bis Mitte März so weit sein könnte.

Tödlicher Luftzug

«Die Vorarbeiten zum Schutz der Tiere aber haben längst begonnen», sagt die Oberrieterin. In den nächsten Tagen sollen die Anwohner der Kellenstrasse, der Brunnackerstrasse und der Kronengasse mit Flyern informiert werden. Die Brunnackerstrasse werde während der Krötenwanderung gesperrt. «Ich hoffe, dass sich auch die Autofahrer daran halten, die trotz heute bereits geltendem Fahrverbot die Strasse als Abkürzung nutzen», sagt die Oberrieterin. Mit drei bis vier Tafeln, die in diesem Gebiet aufgestellt werden sollen, bittet «Oberrieter Natur» die Automobilisten, Tempo 20 einzuhalten. Zusätzlich soll die Bevölkerung demnächst mit einem Beitrag über Erdkröten auf der Homepage der Gemeinde Oberriet sensibilisiert werden.

Die deutlich kleineren Erdkröten-Männchen legen auf ihrer Wanderung immer wieder einen Halt ein, um nach einer Partnerin Ausschau zu halten. «Diese <Brautschau> wird ihnen oft zum Verhängnis», sagt Zvjezdana Scarano. Ist ein Weibchen gefunden, steige das Männchen auf den Rücken seiner Herzdame und lasse sich vor ihr zum Laichgewässer tragen. Dieses Verhalten sei der Grund dafür, dass getötete Erdkröten vielfach paarweise auf oder neben Strassen zu finden seien. «In den meisten Fällen ist es der Luftzug von schnell vorbeifahrenden Autos, der die Kröten tötet. Die Tiere platzen innerlich. Platt gefahrene Tiere sind deshalb deutlich seltener zu sehen», sagt Zvjezdana Scarano.

Mehr Helfer erwünscht

Das Gebiet um den Wichensteiner See gehört zu den Erdkröten-Laichgebieten von nationaler Bedeutung. Damit das so bleibt, werden als zusätzliche Massnahme entlang der bekannten Wanderrouten etwa 30 Zentimeter hohe, grüne Zäune aufgestellt und dahinter in Abständen Kübel versenkt. «Die Kröten plumpsen hinein und können anschliessend problemlos zum Laichgewässer transportiert werden», sagt die Oberrieter Naturschützerin. Im vergangenen Jahr habe man auf dieses Weise etwa 1600 Amphibien, zum überwiegenden Teil Erdkröten, das Leben retten können. Dieses Jahr wünscht sich Zvjezdana Scarano neben rücksichtsvollen Fahrzeuglenkern mehr Helferinnen und Helfer, die sich an der Amphibienrettung beteiligen, allenfalls sogar Schulklassen.

Den besten Biologieunterricht gebe es im Freien – und dies erst noch gratis. Das Aufstellen der Schutzzäune habe bisher verdankenswerterweise das Oberrieter Bauamt übernommen.