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Teilete – Ausdruck von Solidarität

Die Teilete wurde aus der Not geboren. Alle bringen etwas zum Essen mit, so viel, wie sie selber essen mögen. Einer bringt einen Kuchen, ein anderer etwas Käse, wieder ein anderer steuert einen feinen Fladen bei.
Carsten Wolfers

Die Teilete wurde aus der Not geboren. Alle bringen etwas zum Essen mit, so viel, wie sie selber essen mögen. Einer bringt einen Kuchen, ein anderer etwas Käse, wieder ein anderer steuert einen feinen Fladen bei. Dann wird alles auf ein Buffet gestellt, und jeder kann sich quer durchs Beet nehmen, was er will. Es gibt im Internet Tausende Einladungen zur Teilete am Anschluss von irgendwas, meist von Kirchen oder Vereinen. Es gibt aber keinen einzigen Artikel bei Wikipedia darüber, was eine Teilete ist, lediglich einen Artikel über den «potluck», was im Bereich der nordamerikanischen Esskultur nichts anderes ist als eine Teilete. Auf diese Weise gemeinsam zu essen und zu feiern ist aus der Not heraus geboren, weil solche Gruppen in der Regel nicht ohne Weiteres in der Lage waren, ein grosses Buffet zu sponsern.

Es ist schön, wenn viele vieles miteinander teilen. Das muss nicht effektiv sein, denn wer das Auspacken und nachher das Einpacken der Reste beobachtet, wird über die Menge an Tupperware staunen. Da steckt sehr viel Arbeit von Einzelnen dahinter, die sich daheim Mühe gemacht haben, und dann setzt man sich der Gefahr aus, dass das Eigene in der Menge der Leckereien untergehen könnte. Auf der einen Seite wird kritisch beäugt, was alles zusammenkommt, auf der anderen Seite wird neugierig nachgefragt oder werden gar Rezepte ausgetauscht.

Mindestens drei Gründe lassen sich finden, warum die Teilete heutzutage eher selten praktiziert wird. Erstens stehen viele Vereine und die Kirche hierzulande auf halbwegs solider finanzieller Grundlage, dass es einfacher wird, einen Anruf zu machen als viele verschiedene. Zweitens sind die Bäckereien und das Catering immer besser geworden, und sei es nur, dass man eine grosse Brezel bestellt mit verschiedenem Belag. Schliesslich braucht es für eine Teilete die Zeit von vielen freiwilligen Helfern, und gerade solche Zeit ist rar geworden.

Allerdings gibt es gute Gründe, die Teilete zu pflegen. Vor etlichen Jahren kannte ich ein Lied mit dem Refrain «Ein Fest fängt bei mir selber an, ich halt mich nicht zurück. Und wenn ein Fest für alle glückt, bin ich ein Stück von diesem Glück». Gerade Kirchen und Vereine zehren davon, dass ihre Mitglieder kommen, um sich einzubringen und mitzutun, weniger um sich bedienen oder treiben zu lassen. Solche Gruppen leben davon, ihre Solidarität miteinander auszudrücken. Sie suchen nicht die Zuschauer, denen sie etwas Feines zeigen können, um sich zu repräsentieren, sie suchen die Mitglieder, die sich als Teil vom Ganzen verstehen und aktiv werden.

Die Teilete wurde aus der Not geboren. Heute steht sie für Werte wie Gemeinschaft und Mitverantwortung, für Haltungen wie Engagement und gegenseitige Hilfe. Darum verdient sie es, dass man sie pflegt. Sie drückt aus, wofür Vereine und Kirche stehen.

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