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TECHNISCHE DATENTECHNISCHE DATENTECHNISCHE DATEN: Sonnenstrom kommt vom Steilhang

Jürg Preising und seine Tochter Marianne Seewer haben sich nicht damit abfinden wollen, dass sich das Dach ihres Hauses nicht für eine Photovoltaikanlage eignet. Sie haben eine Lösung gefunden: im Steilhang.
Monika von der Linden
Hansruedi Hardegger (von links), Marianne Seewer, Carlo Frei, Doris und Jürg Preising sowie Reinhard Waibel haben miteinander so lange getüftelt, bis die Photovoltaikanlage im Hang unterhalb des Wohnhauses (oben rechts) befestigt werden konnte. (Bild: Monika von der Linden)

Hansruedi Hardegger (von links), Marianne Seewer, Carlo Frei, Doris und Jürg Preising sowie Reinhard Waibel haben miteinander so lange getüftelt, bis die Photovoltaikanlage im Hang unterhalb des Wohnhauses (oben rechts) befestigt werden konnte. (Bild: Monika von der Linden)

Monika von der Linden

Es ist ein heisser Sommertag. Auf dem beschatteten Sitzplatz hat Marianne Seewer Getränke und Kuchen gerichtet. Einige Meter entfernt wird die Sonne nicht abgeschirmt, sondern die Wärmeenergie in Strom umgewandelt.

Dass die Familien Preising und Seewer seit Mai eine eigene Photovoltaikanlage unterhalten, ist nicht aussergewöhnlich. Besonders ist, dass sie lange Zeit keine Lösung und kein Vorbild für die Befestigung der Anlage hatten und doch alle Schwierigkeiten bewältigt haben.

Ein Volkshochschulkurs war der Auslöser

Einen Teil seines Strombedarfs aus einer eigenen Photovoltaikanlage zu decken, ist ein lang gehegter Wunsch Jürg Preisings. Lange wusste er nicht, wie er ihn sich erfüllen könnte. Denn das Haus, das er seit 1966 mit seiner Frau Doris bewohnt, liegt zwar hoch über Rebstein in einem Südhang, aber der Winkel des Daches hätte nur einen geringen Wirkungsgrad zugelassen.

Jürg Preising hat das Interesse an technischen Entwicklungen auch im Alter von 84 Jahren nicht aufgegeben. Der Einbau einer Wärmepumpe in den 90er-Jahren und der Einzug seiner Tochter Marianne Seewer in die Obergeschosswohnung vor sechs Jahren veranlasste die Familien, das Projekt weiterzuverfolgen.

Also begleitete Jürg Preising seine Tochter und deren Partner Carlo Frei im Januar an einen Kurs der Volkshochschule Rheintal über Funktion und Bau einer Photovoltaikanlage. Die Ausführungen des Kursleiters Reinhard Waibel seien der Katalysator des Projekts gewesen, den begrünten und nur mühevoll zu pflegenden Steilhang auf dem Grundstück als Standort der Anlage zu wählen, sagt Jürg Preising. «Die umfassenden und praktisch gut gestützten Erklärungen gaben mir Vertrauen, auf dem rechten Weg zu sein.»

Die Lösung im Steilhang gesucht und gefunden

Die eingeholten Offerten liessen die Frage offen, wie die Anlage im Steilhang befestigt werden kann. Alle Vorschläge sahen einen Stahlrahmen mit Fundamenten im Nagelfluhfelsen vor. Doch dieses System hätte das Budget gesprengt.

Hansruedi Hardegger (Geschäftsführer Solartec in Lienz) war ebenso unzufrieden wie die Bauherrschaft. Also tüftelten sie und weitere Handwerker weiter. Sie räumten den Hang von Pflanzen frei und eine Probegrabung ergab, dass auf dem Felsen eine etwa 80 Zentimeter dicke, instabile Humusschicht lag. Im Zuge weiterer Recherchen stiessen die Knobler auf Höhenarbeiter aus Grabs. Sie kennen sich mit Felsen aus und verfügen über das nötige Materialwissen sowie Werkzeug, um Felsen zu befestigen.

Der gesuchte Weg war gefunden: Die Profis bohrten zwei Meter tiefe und im Durchmesser 10 cm grosse Löcher in den Nagelfluh. Die dort hineingesteckten Siebhülsen – versehen mit je einer Gewindestange – füllten sie mit Beton auf. Dafür verwendeten die Arbeiter eine mobile Bohreinheit und brauchten deshalb nicht mit einem schweren Lastfahrzeug in den Garten hinterm Haus fahren.

Die Verankerung für die Stahlträger entsprach den An­forderungen. Die Träger fertigte Carlo Frei passgenau an. Die Tragkonstruktion für die Photovoltaikanlage im Steilhang war fertig.

«Ich hatte nun die gleichen, normgerechten Voraussetzungen für die Montage der Anlage wie auf einem Dach», sagt Hansruedi Hardegger. Ihn beeindruckt das Zusammenspiel aller Handwerker. «Jeder hat sich auf die Besonderheiten eingelassen und über den gewohnten Rahmen hinaus gedacht.» Weil die Photovoltaikanlage im Hang montiert wurde, wurde keine Dachhaut verletzt. «Auch die Wartung und Pflege wird leichter, weil ich kein Gerüst aufstellen und keine Fallsicherung einrichten muss», sagt Hansruedi Hardegger. Ausserdem füge sich die Anlage gut in die Landschaft ein.

Die Photovoltaikanlage ist mit nur einem Stromzähler für zwei Haushalte verbunden, bei­de können den Solarstrom beziehen. Das führt zu einer höheren Rate des Eigenverbrauchs und einer geringeren Einspeisemenge. «Das System eignet sich gut für Mehrfamilienhäuser», meint Hansruedi Hardegger.

Eigenverbrauch mithilfe einer App erhöhen

Den jeweils aktuellen Stromverbrauch verfolgen Jürg Preising und Marianne Seewer via einer App. Sie können ablesen, wo hier aktuell die Stromproduktion, der Verbrauch und die Einspeisemenge sind. Wird gerade viel Strom ins Netz gespiesen, ist dies ein günstiger Moment, um die Waschmaschine anzustellen. Wird im Haus gerade viel Strom gebraucht, verschiebt Marianne Seewer das Waschen.

Jürg Preising bietet Interessierten an, die Photovoltaikanlage in seinem Garten anzuschauen. Voranmeldungen zur Besichtigung nimmt er gerne unter Telefon 071 777 17 82 entgegen.

Die Photovoltaikanlage im Rebsteiner Steilhang umfasst eine Fläche von 51 m2 und hat eine Nennleistung von 8,7 kWp (Spitzenleistung). Sie erzeugt Strom seit dem 30. Mai 2017. Bis Ende August hat sie 3600 kWh produziert. Da die Anlage bisher in der sonnenreichsten Jahreszeit betrieben wurde, kann die Leistung nicht auf ein Jahr hochgerechnet werden. Die Prognose lautet 9400 kWh (Kilowattstunden) pro Jahr. Jürg Preising rechnet damit, dass die Anlage in zehn Jahren amortisiert ist. Dies bei umfassender Wirtschaftsbetrachtung. Zum Beispiel muss kein begrünter Steilhang mehr gepflegt werden. Bis zur Inbetriebnahme der Anlage hatten beide Anlagen zusammen 4400 Franken Stromkos­- ten pro Jahr, inklusive Wärmepumpe. (vdl)

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