Tango-Genie und seine Erben

Der Altstätter Konzertzyklus präsentierte vergangenes Wochenende das etwas andere, nur bedingt klassische Konzert. Zu Gast im Kulturraum des Jung Rhy waren der Akkordeonist Goran Kovacevic und das «Quinteto del Arco nuevo».

Theodor Looser
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Das Publikum war von Akkordeonist Goran Kovacevic und dem «Quinteto del Arco nuevo» begeistert. (Bild: Theodor Looser)

Das Publikum war von Akkordeonist Goran Kovacevic und dem «Quinteto del Arco nuevo» begeistert. (Bild: Theodor Looser)

ALTSTÄTTEN. Das Konzert stand unter dem Motto «Alles Tango, oder was?». Mit Goran Kovacevic spielten Monica Tarcsay (Violine), Gyönguy Ellensohn (Violine), Karoline Kurzemann-Pilz (Viola), Stefan Susana (Violoncello) und Bernd Konzett (Kontrabass).

Geheimnisvoller Tango

Der Kulturraum Jung Rhy war leider nur zur Hälfte gefüllt, als Goran Kovacevic und die Musiker und Musikerinnen des «Quinteto del Arco nuevo» die Bühne betraten. Auch waren es vor allem Menschen, die bereits in der zweiten Hälfte ihres Lebens standen; dabei ist doch der Tango sozusagen ein ewiger Jugendbrunnen, eine Musik, die auch für jüngere Zuhörer eine grosse Faszination auszuüben vermag. Der verstorbene Astor Piazzolla sei bis heute eine Inspirationsquelle für jeden Akkordeonisten Das galt auch für Goran Kovacevic, dessen Eigenkompositionen man im zweiten Teil des Konzerts bewundern durfte. Vorerst blieben die sechs gut aufeinander eingespielten Künstler bei Astor Piazzolla. Sie spielten eine ganze Reihe seiner «Tango nuevo»-Kompositionen, darunter die bekannten Stücke «La muerte del Angel» und «Milonga del Angel». Obwohl man von Astor Piazzollas Musik schnell gefangen genommen wurde, lohnte es sich, genau hinzuhören. Seine Musik ist nicht oberflächlich, im Gegenteil, trotz ihrer Popularität verlangt sie vom Zuhörer Konzentration.

Der Komponist selber erscheint darin als geheimnisvolle, grosse Persönlichkeit, die eine ganz eigene, dichte Ausdrucksweise besitzt.

Kompositionen mit Tiefgang

Nach der Pause wurden nebst wiederholten Standards von Altmeister Piazzolla vor allem Kompositionen von Goran Kovacevic aufgeführt, darunter auch einige frühe Stücke, wie «Pola Pola» und «Balkanska Dusa». Seine Musik ist, ähnlich der Astor Piazzollas, nicht leicht einzuordnen. Sie lebt vordergründig auf der gefühlsmässigen Skala, ist aber auch vom kompositionstechnischen her interessant und bietet beim genauen Hinhören Tiefe und musikalischen Raum. Sie verleitete das Publikum des Öfteren zu Beifallsstürmen. Ebenfalls erwähnenswert ist das Stück «Comastor» des 51-jährigen Franzosen Franck Angelis. Abgeschlossen wurde das Konzert mit dem bekannten «Libertango» von Astor Piazzolla. Alles in allem war es ein Konzert, das entgegen allen Erwartungen auch nachdenklich, nicht nur frenetisch und fröhlich stimmte.