Tagwache auf dem Dorfplatz

Heute um 5 Uhr auf dem Dorfplatz: Tagwache mit der Guggenmusik. So ist es im Veranstaltungskalender zu lesen. Aber es ist nicht der hiesige; tschätteret wird im luzernischen Marbach. In «unserem» Marbach hingegen geht es beschaulich zu.

Andrea Kobler
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Barbara Oehler (links) und Miriam Cabezas: Zwei der Frauen der Marper Chinderrundi, die den Marbacher Kindern einen Fasnachtsumzug im eigenen Dorf ermöglichen. (Bild: Andrea Kobler)

Barbara Oehler (links) und Miriam Cabezas: Zwei der Frauen der Marper Chinderrundi, die den Marbacher Kindern einen Fasnachtsumzug im eigenen Dorf ermöglichen. (Bild: Andrea Kobler)

MARBACH. Anders als im luzernischen Marbach, wo die «Schonbachgusler» die Fasnacht mit der Tagwache eröffnen, oder in Altstätten, wo die Butzen «Rölleli, Rölleli, hopsassa, jetzt goht üseri Herrschaft a» klingeln und schellen, treffen sich im rheintalischen Marbach die Guggen in der Dorfpizzeria. Zum Znacht, weniger zum Tschätteren. Die «Linde» ist nach dem Motto «Liebesnächte in der Taiga» dekoriert.

Und wenn heute Nachmittag am ersten Umzug der Marper Chinderrundi eine Butzenschar von Drei- bis Sechsjährigen durch die Strassen zieht, hat sie ihren Höhepunkt erreicht, die «Marper Fasnacht».

Viele gehen fremd

Marbach war nie eine Fasnachtshochburg, auch wenn in den 60er-Jahren noch alle Lokale dekoriert waren.

1972 wurde nach der Neuinstrumentalisierung des Marbacher Musikvereins und dank der Versteigerung der alten Instrumente die Lüchinger «Lavaria» gegründet. Vor gut 20 Jahren traf man sich im «Rössli» zum Pyjama-Ball oder die «Städerschränzer», eine Guggenmusik aus Obwalden, blies am Fasnachtssamstag zum Konzert. Doch wer das närrische Treiben derzeit bis zum Aschermittwoch geniessen will, muss «fremdgehen», wie einige Beispiele zeigen.

Reto Kobler ist einer der «Gorillaz» der Altstätter «Räbafäger», Markus Hauser zieht mit dem Formel-1-Zirkus der Ferien GmbH durch die Rebsteiner Fasnacht oder schüttelt mit den Eichberger Bazza zum Motto Ice, Roman Gschwend führt als Major die Lüchinger «Lavaria» an und Christa Coldebella freut sich bereits aufs nächstjährige 10-Jahr-Jubiläum mit den Hinterforster «Güggigässler».

Der Fasnacht-Nachwuchs zieht bei den Umzügen in Rebstein oder Altstätten durch die Strassen, und die Frauenriege macht den «Schmutzigen Donnerstag» für die Pensionärinnen und Pensionäre des Rebsteiner Geserhus zum Erlebnis.

Temporärer Konfetti-Regen

Einen temporären Konfetti-Regen wird es heute ab 14.11 Uhr aber trotzdem geben.

Dann zieht die Marper Chinderrundi erstmals als «Müsli» oder Polizist mit «Gügeli» und «Rätsche» von der Mehrzweckhalle her über den Dorfplatz Richtung Heim Oberfeld. «Auch unsere Kinder sollen sich schminken und verkleiden und die Fasnacht in der Gruppe erleben», sagen Barbara Oehler und Miriam Cabezas, zwei der Frauen der organisierenden Marper Chinderrundi.

Sie wollen damit ihre Kindheitserinnerungen aus Berneck und Rebstein ebenso aufleben lassen, wie die «Marper Fasnacht». Und eine junge Mutter lacht: «Eine Fasnachtsveranstaltung <Ü30> wäre eine Marktlücke.» Die Ideen wären vorhanden – auch für eine Tagwache in Marbach SG.

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