St.Margrether Stürmer geht ins Tor – und auf den Laufsteg

St.Margrethen, an diesem Tag eine Mannschaft ohne Motivation, lässt dem Spitzenteam aus Weesen viel Spielraum und geht darum mit 0:10 unter. Kein Wunder, dass St.Margrethens Torhüter nach diesem Trauerspiel nur noch eins will: Nichts wie weg!

Beni Bruggmann
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Torhüter Teoman Dastan wurde am Samstag von seinen St. Margrether Kollegen im Stich gelassen. (Bild: Yves Solenthaler)

Torhüter Teoman Dastan wurde am Samstag von seinen St. Margrether Kollegen im Stich gelassen. (Bild: Yves Solenthaler)

Der Schlusspfiff auf der Rheinau ist für den FC St. Margrethen eine Erlösung. Der Torhüter in seinem knallig-orangen Dress eilt stracks in Richtung Kabine. Kein Shakehands. Kein Schulterklopfen. An den beiden Frauen, die ihn aufmuntern möchten, geht er stumm vorbei. Da kocht einer. Er will nichts von einem Gespräch mit dem Journalisten wissen – und verspricht dann doch, schnell vorbeizukommen.

Schon nach zehn Minuten ist es so weit. Wir sitzen nebeneinander auf einer Treppe, blicken uns nicht an. Er schaut mit finsterer Miene geradeaus ins Nichts. Auf die ersten einfachen Fragen gibt er einsilbig Antwort. Er ist kein Erzähler. Stichworte und Halbsätze müssen genügen. Im Verlauf des Gesprächs wendet er sich zum Frager. Wir schauen uns in die Augen. Er gewinnt Vertrauen und spricht mehr. Immer noch in Halbsätzen. Das ist sein Stil: Knapp und klar. Für einen Moment vergisst er die 90 trostlosen Minuten und öffnet sich.

Der 27-jährige Vorarlberger heisst Teoman Dastan. Teoman ist sein Vorname. Er wächst in Lustenau auf und spielt leidenschaftlich Fussball. Er ist Stürmer, will Tore erzielen. Er spielt in mehreren Vereinen in Vorarlberg und in der Ostschweiz. Mit Austria Lustenau erreicht er seinen Fussball-Höhepunkt. In der zweithöchsten Liga des Landes erzielt er Tore. Eine Knieverletzung erfordert eine lange Pause. Der Arzt rät zum Aufhören. Nach acht Monaten spielt er wieder Fussball. «Meine Leidenschaft», sagt er. Aber er ist nicht mehr Stürmer. Jetzt steht er im Tor. «Weniger gefährlich, weniger Zweikämpfe.» Aus seiner Feldspielerzeit nimmt er die technischen Fähigkeiten mit. Und: «Ich kann das Spiel lesen.» Er steht nun schon seit ein paar Jahren bei verschiedenen Teams im Tor, bei St. Margrethen seit dieser Saison.

Die Frauen, die ihm nach dem Spiel den Abgang erleichtern wollten, sind seine Mutter und seine Schwester. Der Vater weilt grad im Ausland. Teoman lebt mit seiner Schwester bei den Eltern. Der Bruder ist verheiratet und ausgezogen. Der Fussballer hat eine Lehre als Textil-Designer gemacht und dann weiter bei seiner Lehrfirma Alge Elastic gearbeitet: «Muster entwerfen, kreativ sein.» Vor einiger Zeit hat er die Stelle gewechselt: «Finanzielle Gründe.» Jetzt arbeitet er bei Airex in Rorschach. Dort werden Fussmatten für Reisebusse und Züge hergestellt.

Die Arbeit damals in Lustenau beschert ihm eine Nebenbeschäftigung. Er führt Männermode vor. Begonnen hat seine Model-Laufbahn an der Dornbirner Messe. Die Modeschau dort ist legendär. Später kommt er in diesem Geschäft in der Welt herum. Hugo Boss und Armani gehören zu seinem Model-Alltag. «Ich liebe das Schöne.» Der Laufsteg ist seine Arena. «Auch schon vor über tausend Zuschauern.» Stets erhält er Applaus. Vor einiger Zeit hat er aufgehört. «Ich bin glücklich, auch ohne Applaus», sagt er, «ich habe die Familie und den Fussball.» Kurz vor Schluss schreit er, der vorher so ruhig war, seinen Frust übers Feld. «Sie haben mich im Stich gelassen!» Alle hören ihn, niemand reagiert. Resigniert kauert er am Pfosten.

Im Vorrundenspiel gegen den gleichen Gegner wird er vom Platz gestellt. Ob es seine erste Rote war? Er muss nicht nachdenken. «Die Fünfte. Ungerechtigkeiten schlucke ich nicht.» Auf dem Fussballplatz geht es nicht immer gerecht zu und her.

Teoman verabschiedet sich freundlich. Bei der Wegfahrt winkt er aus seinem Auto mit der Nummer «DO – TEO 1». Er lacht.

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