Stunden bis zur bitteren Wahrheit

Die Gators müssen die 1.-Liga-Playouts bestreiten: Nach der 6:9-Niederlage gegen Gruppensieger Jona-Uznach Flames entschied 24 Stunden später ein Tor in Nesslau gegen sie: Pfannenstiel-Egg siegte 4:3 n. V. und schnappt den Rheintalern den letzten Playoffplatz weg.

Yves Solenthaler
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David Okle und die Gators sind am Samstag über die Bande und am Sonntag unter den Strich gefallen. Am Schluss entschied ein Tor in Nesslau darüber, dass die Rheintaler in den Playouts spielen müssen. (Bild: Yves Solenthaler)

David Okle und die Gators sind am Samstag über die Bande und am Sonntag unter den Strich gefallen. Am Schluss entschied ein Tor in Nesslau darüber, dass die Rheintaler in den Playouts spielen müssen. (Bild: Yves Solenthaler)

UNIHOCKEY. Die Gators-Niederlage vom Samstag in Diepoldsau hatte zur Folge, dass aus der Stunde der Wahrheit Stunden der Wahrheit wurden. Fast 24 Umdrehungen des kleinen Zeigers dauerte es, bis die Wahrheit ans Licht kam.

Und sie war finster.

Denkbar knapp gescheitert

3:1 hatten die Nesslau Sharks gegen Pfannenstiel-Egg am Sonntag nach 51 Minuten noch geführt. Das Resultat wäre gut gewesen für die Gators, weil sie so den sechsten Platz behalten hätten. Zu ihrem Schicksal, das sie freilich selbst herausgefordert hatten, wurde, dass die Nesslauer Haie nun zahnlos wurden: Die Zürcher holten die zwei Tore auf und erkämpften die Verlängerung.

Viele untätige Mitglieder des Gators-Teams mussten in dieser entsetzt ansehen, wie den Gästen der Siegtreffer gelang. Er bedeutet, dass Egg in den Playoffs gegen Herisau und die Gators in den Playouts gegen Laupen spielen. Nesslau kostete die Niederlage den Heimvorteil in der Best-of-3-Serie in den Playoffs gegen Bülach.

Die Gators haben ihr Saisonziel verfehlt, denkbar knapp und auf eine erdenklich unglückliche Weise. Aber sie hatten in der Mitte der Saison mit acht Niederlagen in neun Spielen eine Serie, die stark auf dieses Szenario hindeutete. In den letzten vier Spielen der Regular Season zeigten die Gelb-Schwarzen wieder, dass sie eigentlich genug Qualitäten für die Playoffs hätten. So viele gar, dass sie, beflügelt von zuletzt drei Siegen, auch den Gruppensieger Jona-Uznach hätten in die Knie zwingen können.

«0:2» stand auf der Anzeigetafel in der Kirchenfeld-Halle, Spielzeit «17:03». Arbnor Papaj wälzte sich am Boden – er hatte soeben zwei, drei gute Möglichkeiten, hat sie aber wie vor ihm schon seine Kollegen vergeben. Dann nahm er nochmals Anlauf und wurde in vollem Schwung humorlos gelegt. Das Verdikt der Schiedsrichter: Fünf Strafminuten gegen Jona. Die Folge für das weitere Spiel: Papaj verletzt ausgeschieden.

Aber die Gators nutzten die fünf Minuten zur Wende – mit einem taktischen Kniff: Verteidiger Lukas Durot agierte im Überzahlspiel an vorderster Front. Innert einer halben Minute schlich er sich zweimal listig in den Slot und verwertete Hereingaben von Studach (von links) und Tanner (aus dem Zentrum) zum 1:2 und 2:2. Und bereits im zweiten Drittel, die Strafe war soeben abgelaufen, war Durot diesmal der Ausgangspunkt der Wende, der Vollstrecker war Captain Simon Köppel.

Mehr Wille als Ertrag

Die starke Willensleistung von Durot stand exemplarisch für die Hingabe der Mannschaft: Die Rheintaler gestalteten das Spiel gegen den Qualisieger – der den Sieg brauchte, um das zu werden – 50 Minuten lang absolut offen. Sie hatten lange sogar mehr Chancen als die Flames vom Zürichsee, die aber auch nie ganz erloschen.

Klemens Kühnis und Christof Spirig fehlten den Gators, dazu fiel mit Arbnor Papaj der wichtigste Offensivspieler nach 17 Minuten verletzt aus. Die angeblich fehlende Klasse zeigte sich aber nur im Abschluss – wo ausser Durot und Verteidiger Köppel (dem im Mitteldrittel nach zwischenzeitlichem 3:4-Rückstand der Ausgleich gelang) nicht trafen oder am starken Goalie Michael Lüttinger scheiterten. Und sie zeigte sich im letzten Drittel vielleicht dahingehend, dass die Fehler der Gators nun zunahmen – dass sie also dem hohen Tempo Tribut zollten.

Dennoch waren die Gastgeber auch im Schlussabschnitt einige Male nahe am Torerfolg; die Treffer gelangen aber den Gästen, während Siegrist, Untersander & Co. ihre Versuche ausnahmslos abgewehrt sahen.

Die Entscheidung war das 4:7 nach 52 Minuten. Die Gators hatten zuvor eine richtige Chancenserie, und der Drei-Tore-Rückstand liess den Kampfgeist erlahmen. Die Gäste machten ohne viel Federlesens zwei weitere Treffer. Man musste ein Debakel befürchten, und auch, dass die Gators nach Tordifferenz hinter Egg zurückfallen.

Aber dann kam der Wille wieder auf – in Form von Durots drittem Powerplay-Tor. Gergely Kovacs erzielte mit dem 6:9 noch das am schönsten herausgespielte Gators-Tor des Abends.

In dieser Form in die Playouts

Aber weder die bessere Tordifferenz als Egg, noch das Formhoch verhelfen der Mannschaft von Trainer Simon Gugelmann zur Playoff-Teilnahme. Am Samstag in Diepoldsau waren die Gators unfreiwillig Zeugen, wie Jona-Uznach den Meisterpokal erhielt, und am Sonntag in Nesslau bezeugten sie, diesmal gar unwillig, den Sieg des direkten Konkurrenten, und damit ihren Fall in die Playouts.

Dort spielen sie in drei Wochen zu Hause gegen Laupen. Die Zürcher sind abgeschlagen Tabellenletzte.

Wenn die Gators gegen Laupen an die aktuelle Form anknüpfen, werden ihnen weitere bittere Wahrheiten erspart.