Stripperin im Vorlesungssaal

Am Donnerstag haben sich die verschiedenen Studentenvereine der Universität St. Gallen den Erstsemestrigen vorgestellt. Eine Verbindung lud eine Stripperin zum offiziellen Anlass.

Christa Kamm-Sager
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ST. GALLEN. Die über 1000 neuen Studentinnen und Studenten wurden in dieser Woche von den Vereinen an der Universität St. Gallen begrüsst. Dabei wollte eine Vereinigung besonders originell auf sich aufmerksam machen – allerdings mit zweifelhaften Mitteln: Sie lud eine Stripperin zum offiziellen Anlass.

Die Informationsveranstaltung über die verschiedenen Vereine an der HSG in der Einführungswoche ist beliebt. Am Donnerstagabend haben sich Hunderte Studentinnen und Studenten im Audimax versammelt, um in 40 Sekunden langen Präsentationen zu erfahren, wie sie ihre Freizeit an der Uni sinnvoll gestalten können.

Uni kündigt Massnahmen an

Kurz nach 20 Uhr habe sich eine der Studentenverbindungen – laut einem Facebook-Eintrag handelt es sich um den Männerbund A. V. Amicitia – auf ungewöhnliche Weise präsentiert. Wie eine der Anwesenden berichtete, habe sich an dieser Vorstellung eine Stripperin ausgezogen und sich während rund einer Minute auf den Schoss eines Studenten der Verbindung gesetzt. Auf den nackten Brüsten der Frau seien Bildchen der Studentenverbindung geklebt gewesen. Dieser Auftritt sei von einigen Studenten angefeuert worden; andere hätten schockiert reagiert. Die Studentenzeitschrift «Prisma» stellte einen Schnappschuss dieser Veranstaltung auf ihre Facebookseite. Die Universität St. Gallen zeigte sich nicht erfreut über die Strip-Einlage. Marius Hasenböhler, Leiter Kommunikation, hält in einer schriftlichen Stellungnahme fest, dass sich die HSG in aller Form von derlei Aktionen distanziere. Die Universität werde den Sachverhalt abklären und den Verantwortlichen eine Anhörung gewähren.

Hasenböhler sagt: «Sollte diese Aktion von einem an der HSG akkreditierten Verein geplant und durchgeführt worden sein, werden disziplinarische Massnahmen gegen den Verein und allenfalls auch gegen die Involvierten die Folge sein.»

«Rufschädigende Aktion»

Auch die Studentenschaft distanziert sich von derlei Aktionen, wie Präsident Dardan Zeqiri verlauten lässt. Unter den 90 vertretenen Vereinen und Verbindungen hätten sich alle anderen an die Regeln gehalten und mit viel Witz und Kreativität ihren Verein oder ihre Verbindung vorgestellt, heisst es in seiner Stellungnahme. «Es ist bedauerlich, dass mit einer solch rufschädigenden Aktion, die von der Studentenschaft nicht goutiert wird, ein negatives Image der HSG-Studierenden verbreitet wird.»