Streit unter Nachbarn eskalierte

St. Margrethen befindet sich nach dem Doppelmord im Schockzustand. Anwohner und Bekannte beschreiben die Opfer als eine herzliche Familie. Der mutmassliche Täter hingegen sei ein «Querulant und Spinner» gewesen.

Nina Ladina Kurz
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Der Tatort an der Wiesenstrasse 6. (Bild: Coralie Wenger)

Der Tatort an der Wiesenstrasse 6. (Bild: Coralie Wenger)

ST. MARGRETHEN. Der Schock über den Doppelmord an einem italienischen Ehepaar sitzt tief. «Ich hätte nie gedacht, dass so etwas hier passieren könnte. Ich kannte das Ehepaar nicht, fühle mich aber trotzdem betroffen», sagt eine Kioskverkäuferin.

Engagiertes Ehepaar

Am Tatort selbst tauchen immer wieder Reporter auf, fotografieren die Einschusslöcher an der Hauswand und befragen zufällig vorbeilaufende Passanten. Deren Antworten ähneln sich.

Ja, sie würden das Ehepaar kennen. Und nein, sie hätten niemals gedacht, dass es so weit kommen könnte.

Das Ehepaar wird von Nachbarn und Bekannten als «lieb, freundlich und sehr hilfsbereit» beschrieben. Der 74-jährige Mann habe früher für eine lokale Baufirma Steinmetzarbeiten ausgeführt, erzählt ein Nachbar.

Seine 67-jährige Frau habe lange in der Poststelle für Ordnung gesorgt. Zuletzt hatte sie im Café der Migros im nahegelegenen «Rheinpark» ausgeholfen. Eine Stammkundin erinnert sich: «Sie war sehr tüchtig und hatte immer Zeit für einen kleinen Schwatz mit den Gästen.»

«Italienisches Temperament»

Die Freizeit verbrachten die Eheleute im lokalen Italiener-Club oder im Schrebergarten. Ein ehemaliger Gärtchen-Nachbar erinnert sich an den 74-Jährigen: «Er war sehr offen und freundlich. Konnte aber auch sehr emotional und aufbrausend sein. Kein Choleriker, aber er hatte ein gutes italienisches Temperament.»

Tochter wohnt nebenan

Eine Bekannte der Familie beschreibt die Atmosphäre in der Familie als sehr herzlich und fürsorglich. Das Paar habe einen Sohn und eine Tochter. Die Tochter wohnt mit ihren drei Kindern gleich im Haus nebenan. «Meine Kinder waren immer gerne dort», sagt die Bekannte. Der Täter, ein 41-jähriger Schweizer, ist der Befragten nicht unbekannt. «Ein Querulant, ein Spinner», sagt sie.

Das Bild des unliebsamen Nachbarn verdichtet sich mit den Erzählungen des Ehepaares Theo und Doris Kästli gegenüber «20 Minuten». Im Oktober 2011 sei es zum ersten Mal zu einem Wortgefecht und einem kleinen Handgemenge zwischen dem Täter und dem Schwiegersohn des ermordeten Ehepaares gekommen. Es folgten Drohungen und Randale. Mehrmals riefen die Nachbarn die Polizei, zweimal rückte diese aus und machte Meldung an die Staatsanwaltschaft.

Die Drohung

Beim letzten Mal soll der Täter gedroht haben, es passiere etwas, wenn die Eheleute noch einmal «die Bullen holen».

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