Streit um einen Leserbrief

ALTSTÄTTEN. Auf einen kritischen Leserbrief von Stefan Langenegger reagiert CVP-Kantonsrat Werner Ritter mit einem eingeschriebenen Brief an den Verfasser.

Seraina Hess
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Stefan Langenegger war entrüstet, als er den Brief aus der «Ritter Advokatur» erhielt. (Bild: Max Tinner)

Stefan Langenegger war entrüstet, als er den Brief aus der «Ritter Advokatur» erhielt. (Bild: Max Tinner)

Stefan Langenegger erschrak, als er den offiziellen «Ritter Advokatur»-Briefbogen aus dem Couvert zog. Vorgeworfen wird ihm von Rechtsanwalt und Kantonsrat Werner Ritter, den CVP-Kandidaten Alexander Breu für das Stadt-Präsidium verleumdet und ihn, Ritter, als CVP-Mitglied in ein schlechtes Licht gerückt zu haben. Hinzu kämen tatsachenwidrige Behauptungen, und der Leserbrief enthalte Informationen, die das Amtsgeheimnis verletzten. Innert zehn Tagen solle Langenegger schriftlich Stellung nehmen. Erst dann wolle er entscheiden, was er tue, schreibt Ritter. Es geht um Langeneggers Leserbrief vom 30. Juli im «Rheintaler» und in der «Rheintalischen Volkszeitung».

Verhängnisvoller Leserbrief

Mit seinem Leserbrief reagierte der parteilose Altstätter Elektrotechniker kritisch auf einen Leserbrief von CVP-Nationalrat Markus Ritter, der Altstättens Stadtrat angehört und der Bruder des Advokaten ist. Markus Ritter hatte sich für den jüngsten Kandidierenden des Stadtpräsidenten-Amtes in Altstätten, Alexander Breu, ausgesprochen und ihm kompetentes Wirken als Gemeindeschreiber und Schulratspräsident in Marbach attestiert. Der 34-Jährige sei in der Lage, Altstätten vom ersten Tag an eigenständig zu führen und Entscheidungen zu treffen. Langenegger bezweifelte dies.

Bild: Rheintaler

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Breu sei nicht geeignet

Langenegger äusserte Zweifel und bezog sich auf Markus Ritters Aussage, wonach ein Stadtpräsident ohne Erfahrung in den Kernkompetenzen «sehr schnell geführt» werde. Langeneggers Interpretation ist die, dass die CVP einen jungen Kandidaten portierte, um Altstätten weiterhin aus dem Hintergrund zu lenken und Einfluss auf Entscheidungen zu nehmen. Er nennt in seinem Text CVP-Urgesteine wie Werner Ritter, Markus Ritter und Jacques Sinz Mäzene. Nach Langenegger sollte der neue Stadtpräsident möglichst unabhängig sein und den «alten Grabenkämpfen» im Stadtrat ein Ende machen.

Post vom Juristen

Der eingeschriebene Brief von Rechtsanwalt Werner Ritter habe ihn sprachlos gemacht, sagt Langenegger. Sein erster Gedanke war: «Was habe ich bloss angestellt?» Als Langenegger den Grund für den Brief erkannte, war er entrüstet. «Wir leben doch nicht im Mittelalter! Mit solch einem Schreiben wird die freie Meinungsäusserung beeinträchtigt.» Der Altstätter wird Ritter keine Stellungnahme senden. Rechtfertigen müsse er sich nicht, man dürfe wohl noch seine Meinung äussern. «Für mich ist Breu einfach nicht der richtige Kandidat – das habe ich auch geschrieben. Der neue Stadtpräsident soll unabhängig sein und nicht beeinflusst werden. Sonst haben wir in Altstätten wieder ein Marionetten-Theater.» Zu Ritters Bemerkung, der Leserbrief enthalte Informationen, die das Amtsgeheimnis verletzten, meint Langenegger, er sei ja in gar keinem politischen Amt. «Und dass der Altstätter Stadtrat sich uneins ist», sei schon seit längerem ein offenes Geheimnis.

Giftspritze über Medien

Rechtsanwalt und CVP-Kantonsrat Werner Ritter gibt sich noch immer schockiert von Langeneggers Leserbrief. «Weshalb schreibt er, der parteilos ist, so einen Brief und schüttet Gift in den Altstätter Wahlkampf, der bisher friedlich verlaufen ist?» Ritter versteht ebenso wenig, weshalb er selbst im Leserbrief so dargestellt wurde, als habe er vor, durch die Wahl von Alexander Breu die Altstätter Politik zu lenken. «Ich begreife nicht, wie Langenegger darauf kommt, so etwas zu behaupten. Ich habe mich nie zum Wahlgeschehen geäussert», sagt Ritter. Er ist der Meinung, dass die weiteren Informationen, die Langenegger in seinem Text preisgibt, nur aus dem Stadtrat selbst stammen können. Dass es im Stadtrat sogenannte «Grabenkämpfe» gibt, sei nämlich kein offenes Geheimnis.

Was Werner Ritter weiter tun wird, ist offen. «Ich betrachte nun diesen Zeitungsbericht als Rückmeldung von Herrn Langenegger», sagt Ritter. «Deshalb gebe ich auch selbst Auskunft zum Geschehen.»