STRASSENNAMEN Wer ist … Arnold Niederer?

Lebensanfang und -ende verbrachte Arnold Niederer in Rheineck. Dazwischen leistete der begabte Wirtschaftsführer Pionierarbeiten in Libanon. Von seiner sozialen Ader profitieren bis heute auch die Rheinecker.

Reto Wälter
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Stadtpräsident Hans Pfäffli ist von Amtes wegen auch Stiftungsratspräsident der Arnold-Niederer-Stiftung und steht hier an der Arnold-Niederer-Strasse, die auch als Dank für Niederers grosszügige Hinterlassenschaft nach ihm benannt ist. (Bild: Reto Wälter)

Stadtpräsident Hans Pfäffli ist von Amtes wegen auch Stiftungsratspräsident der Arnold-Niederer-Stiftung und steht hier an der Arnold-Niederer-Strasse, die auch als Dank für Niederers grosszügige Hinterlassenschaft nach ihm benannt ist. (Bild: Reto Wälter)

Ein Wirtschaftsführer, der noch Patron war

RHEINECK. Es ist eine beschauliche, ruhige Quartierstrasse, gesäumt von Einfamilienhäusern mit gepflegten Gärten, die nach Arnold Niederer benannt wurde, als das Gebiet Ende der 70er-Jahre erschlossen wurde. Vielleicht so beschaulich, wie der 1900 geborene Namensgeber seinen Lebensabend empfand, den er von 1958 bis zu seinem Tod 1966 an der Buhofstrasse in Rheineck verbrachte. Denn zuvor hatte Niederer mehr als drei Jahrzehnte im quirligen Mittleren Osten gelebt und dabei viel geleistet. Rheinecks Stadtpräsident Hans Pfäffli weiss denn auch aus Erzählungen, dass Arnold Niederer gerne ab und zu Feste ausgerichtet und dabei die Geselligkeit genossen habe.

Mit 23 in den Mittleren Osten

1923, gleich nach dem Abschluss des Technikums in Winterthur, zog es den diplomierten Elektrotechniker nach Ägypten. Niederer sammelte in Suez und Kairo Erfahrungen als Assistent eines Direktors von grossen technischen Unternehmen. Dort lernte er den damaligen Nationalrat Schmidheiny kennen, der ihn als technischen Leiter einer neu erstellten Zementfabrik im ägyptischen Tourah einsetzte. 1931 wurde Arnold Niederer Direktor einer unrentablen Zementfabrik in Libanon.

Unternehmen massiv erweitert

Dieses Unternehmen wieder in die schwarzen Zahlen zu führen, faszinierte ihn: Niederer steigerte den jährlichen Ausstoss von 30 000 auf 450 000Tonnen. Dem Werk wurde noch eine Eternitfabrik angegliedert und unter seiner Führung wurde ein Elektrizitätswerk gebaut, Sumpfland entwässert und mit einem Wald von Eukalyptus-, Oliven- und Mandelbäumen aufgeforstet.

Gewinn auch weitergegeben

Von den Pionierleistungen des gebürtigen Rheineckers profitierte eine ganze Region, kamen doch die rund 800 Betriebsangehörigen aus 150 verschiedenen Dörfern in Libanon. Nach seinem Motto «Wir wollen, dass unser Personal dieses Unternehmen als das ihrige betrachtet und vom wirtschaftlichen Aufschwung profitieren kann», liess er Kantinen und Aufenthaltsräume sowie werkseigene Verkaufsstellen errichten, wo zu billigen Konditionen Essen und Lebensnotwendiges bezogen werden konnten. Unter Arnold Niederers Ägide entstanden dabei auch Wohnkolonien mit reduzierten Mietpreisen.

Ebenfalls stand ein unentgeltlicher Sanitätsdienst zur Verfügung; Medikamente wurden gratis abgegeben und Spitalaufenthalte auch bei Nichtbetriebsunfällen übernommen. Dabei partizipierten die Angestellten am Erfolg des Unternehmens und bekamen jährlich eine Gratifikation bis zum zweieinhalbfachen eines Monatsgehalts.

Als Wohltäter verehrt

Im Gastland wurde der Rheinecker als Wohltäter verehrt und die Regierung verlieh ihm den Titel eines Honorarkonsuls. Aber auch in seinem Geburtsort sorgte Arnold Niederer für nachhaltigen sozialen Nutzen, indem er mit 2,4 Millionen Franken einen beachtlichen Teil seines Vermögens zugunsten von «wohltätigen und gemeinnützigen Institutionen der Gemeinde Rheineck» hinterliess. Im Einverständnis mit den gesetzlichen Erben wurde daraufhin die «Arnold-Niederer-Stiftung» (siehe Kasten) gegründet.

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