Stinkendes Stück Fleisch mit Mädli

Ivan Nett und Ernst Küng haben sich ihren Bubentraum erfüllt und sind einen Tag auf dem Kehrichtwagen mitgefahren (Ausgabe von gestern). Wir fragten, wie es war.

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Ivan Nett, beim Probestehen. (Bild: Gert Bruderer)

Ivan Nett, beim Probestehen. (Bild: Gert Bruderer)

Ivan Nett, haben Sie Muskelkater?

Ivan Nett: Ja. Ein bisschen. In den Unterarmen.

Nicht in den Beinen?

Nett: Es erstaunt mich selber. Er kommt vom Hochziehen auf die Plattform und vom Festhalten während des Fahrens. Die Kräfte sind enorm, beim Anfahren und während der Fahrt. Obwohl langsam gefahren wird. Das sieht lockerer aus als es tatsächlich ist.

Wie war der Schnuppertag?

Nett: Schön. Eindrücklich. Ich habe grossen Respekt vor jenen, die diesen Job täglich machen.

Entspricht das Erlebte ihrem Bubentraum von damals?

Nett: Ja, so ungefähr jedenfalls. Der Gestank auf der Plattform und aus dem Wagen ist enorm. Das hatte ich unterschätzt. Er ist nur erträglich, wenn man den Kopf zur Seite hält. Aber ab und zu trifft einen eine volle Schwade. Das ist kaum auszuhalten.

Hatten Sie Brechreiz?

Nett: Nein, aber Ernst Küng war einmal nahe am Erbrechen. Da lag zuoberst auf einem Müllsack offen ein bestialisch stinkendes Stück Fleisch samt Mädli dran.

Was haben Sie als Bub bewundert an den Kehrichtmännern?

Nett: Ich bewunderte das grosse Auto und die Tatsache, dass die Männer auf dem Trittbrett stehen, im Freien, sichtbar. Das darf man nirgends sonst.

Schmeckte der Mittagslunch?

Nett: Ja, sehr. Trotz allem. Die harte Arbeit macht hungrig. Die Mittagspause war aber kurz, zu kurz. Ich hätte eine längere Pause gebraucht.

Wie wäre es mit einer Müllfahrt im Winter, bei Minustemperaturen?

Nett: Genau das haben wir uns auch gefragt. Wir sind bereits angemeldet bei Fahrer Hans Kozar und vorgesehen für die Tour Walzenhausen, im Winter, bei Minustemperaturen. Inklusive Schneeketten-Montieren in Berneck.

Können Sie sich noch immer vorstellen, regelmässig als Müllmann zu arbeiten?

Nett: Ja, klar. Wir liessen bei Schmitter Transport ausrichten, dass wir grundsätzlich für eine Ferienablösung oder die Grünabfuhr zu haben wären. Sie soll das Härteste sein in der Branche.

Haben Sie als Bub auch die Polizisten bewundert?

Nett: Ja, klar, darum bin ich ja Polizist geworden (lacht fröhlich).

Hat Ihre Frau Sie am Abend bewundert oder beschnüffelt?

Nett: Weder noch. Nur gelacht.

Interview: René Schneider

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