Stillstand bedeutet Rückschritt

OBERRIET. Nach 100 Tagen im Amt zieht Oberriets Gemeindepräsident Rolf Huber eine erste Bilanz. Er hat es noch keinen Tag bereut, dem Ruf der Heimat gefolgt zu sein. Den Aufmarsch an der Bürgerversammlung in Oberriet fand er überwältigend.

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Rolf Huber fiel es nicht schwer, sich in Oberriet einzuleben. Dazu hat das gute Betriebsklima im Gemeindehaus beigetragen. (Bild: Angelika Rieger)

Rolf Huber fiel es nicht schwer, sich in Oberriet einzuleben. Dazu hat das gute Betriebsklima im Gemeindehaus beigetragen. (Bild: Angelika Rieger)

Herr Huber, wie haben Sie sich in Ihr Amt eingelebt?

Rolf Huber: Gut, auch wenn man zum Einleben als Gemeindepräsident kaum Zeit hat. Nach den ersten Tagen Schonfrist müssen die Geschäfte weiterlaufen. Dass ich schon vorher Gemeindepräsident war, war ein Vorteil. Und die Dörfer sind ja gleich geblieben, seit ich in Oberriet meine Lehre gemacht habe. Ortskenntnisse zu haben, vereinfacht das Ganze enorm.

Was hat sich im Vergleich zu Ihrer vorhergehenden Wirkungsstätte geändert?

Huber: Nesslau-Krummenau war eine Vier-Dörfer-Gemeinschaft, die weniger Einwohner als Oberriet hat, dafür aber eine grössere Fläche. Dort war ich viel mehr ins Detailgeschäft involviert. Für mich ist es heute ungewöhnlich, für ein Baugesuch nicht mehr selber zuständig zu sein.

Sie wurden mit einem grandiosen Ergebnis gewählt. Das beflügelt. Hält das noch immer an?

Huber: Solch ein Wahlresultat ist eine grosse Bestätigung. Es heisst aber nicht, dass man sich auf den Lorbeeren ausruhen kann. Ich denke, dass weniger das Wahlresultat beflügeln sollte, als vielmehr die Freude am Job. Schliesslich erwarten die Leute, dass die Geschicke der Gemeinde gut geleitet werden.

Haben Sie inzwischen bedauert, dem Ruf der Heimat gefolgt zu sein?

Huber: Auf keinen Fall. Ich war ja nie ganz aus Oberriet weg und habe das Geschehen hier immer verfolgt.

Ist Oberriet noch die gleiche Gemeinde wie vor 18 Jahren?

Huber: Ganz sicher nicht. Oberriet hat sich entwickelt. Die Gemeinde ist in baulicher Hinsicht sehr gewachsen, sie hat mehr Industrie und Gewerbe – und sie ist heute schuldenfrei, was sehr erfreulich ist.

Was beschäftigt Sie derzeit am meisten?

Huber: Bis dato die Bürgerversammlung. Nun sind es die Projekte, die umgesetzt werden dürfen. Für die Entwicklung der Gemeinde besonders wichtig ist die Zonenplanung. Und die Personalpolitik bei der Verwaltung wollen wir auch frühzeitig angehen.

Wie war denn Ihre erste Bürgerversammlung in Oberriet?

Huber: Ich war etwas angespannt, weil es ja nicht nur um Jahresrechnung und Voranschlag ging. Es wurden zukunftweisende Entscheide gefällt. Ein bisschen nervös muss man aber sein, sonst wird man selbstgefällig und unter Umständen nachlässig. Für mich überwältigend war der enorme Aufmarsch der Stimmbürger und der reibungslose Ablauf der Geschäfte. Dies hat mir gezeigt, dass die Behörden und die Bevölkerung sehr gut zusammenspielen.

Fehlt Ihnen Ihre alte Gemeinde nicht doch ein bisschen?

Huber: Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, es fehlt mir nichts. Vor allem sind es die Alpaufzüge, die ich von meinem Fenster aus beobachten konnte und die mir fest ans Herz gewachsen sind. Weil im personellen Bereich hier in Oberriet ein gutes Klima herrscht, kann ich gut damit leben.

Haben Oberriets Einwohner schon fleissig Gebrauch davon gemacht, Ihnen Anliegen vorzutragen?

Huber: Ich wurde bisher nicht überrannt.

Hat Ihnen schon jemand so richtig die Meinung gesagt?

Huber: Ja, da ging's um eine Angelegenheit in Bausachen. Aber damit kann ich umgehen. Ich habe es lieber, wenn ich mit Anliegen direkt konfrontiert werde, als wenn hintenherum die Luft rausgelassen wird. Manchmal bedarf es nur einer zusätzlichen Erklärung, um das Problem aus der Welt zu schaffen.

Wie ist die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat?

Huber: Er ist ein eingespieltes Team. Alles läuft sehr gut, Missstimmungen kommen keine auf. Das ist für mich sehr wichtig. Auch dass Entscheide – wenn sie nicht einstimmig gefällt wurden – gemeinsam getragen werden, funktioniert hier und ist sehr wichtig.

Wie reagieren die Oberrieter auf Sie?

Huber: Bisher habe ich nur positive Eindrücke aus der Bevölkerung erhalten. Auch mit den Gwerblern, mit denen ich den Kontakt noch intensivieren werde, komme ich sehr gut aus.

Ein Blick über die Gemeindegrenzen: Wie beurteilen Sie die regionale Zusammenarbeit?

Huber: Aus jetziger Sicht gut. Mit den Gemeindepräsidenten der Nachbargemeinden und – wie ich bereits feststellen durfte – mit den Bürgermeistern aus Vorarlberg besteht ein sehr gutes Verhältnis. Wo wichtige Entscheide getroffen werden, hält man zusammen.

Sie arbeiten ganz gerne auf einem Bauernhof in Oberriet mit. Haben Sie hierfür noch Zeit?

Huber: Die kann ich mir einrichten. Ich brauche die Arbeit auf dem Bauernhof als Ausgleich zu meinem Beruf. Gerade bevor ich wichtige Entscheide zu treffen habe, gibt mir diese Arbeit wertvolle Impulse.

Sie haben sich als Parteiloser wählen lassen. Haben Sie diesbezüglich Ihre Meinung geändert?

Huber: Nein. Die würde ich nur ändern, wenn ich eine Entscheidung im Dienste der Sache fällen müsste. Das wäre der Fall, wenn das Oberrheintal nicht mehr im Parlament vertreten wäre. Dann könnte ich mir vorstellen, als Kantonsrat zu kandidieren. Das geht nur über eine Partei.

Wo sehen Sie die Gemeinde in fünf Jahren?

Huber: Da zitiere ich aus meinem Vorwort im Amtsbericht: Was die Zukunft betrifft, so ist es nicht unsere Aufgabe, sie vorauszusehen, sondern sie zu ermöglichen. Damit die Gemeinde weiterhin sehr attraktiv bleibt, werde ich zusammen mit dem Gemeinderat daran arbeiten. Dabei wünsche ich mir, dass Oberriet den ländlichen Charakter behält.

Worin sehen Sie die grösste Herausforderung?

Huber: Eine Herausforderung wird angesichts der sinkenden Kinderzahlen im ganzen Kanton darin liegen, die Schulstandorte zu erhalten.

Wo sehen Sie sich selbst in fünf Jahren?

Huber: Ich hoffe, dass ich wiedergewählt werde. Dies geht natürlich nur, wenn ich die Gemeinde zusammen mit dem Gemeinderat dahin führe, wo sie hin will. Dafür muss ich mich weiterentwickeln. Denn Stillstand bedeutet Rückschritt. Weiterentwickeln heisst aber auch, sich den Gegebenheiten der Zeit anzupassen.

Wie halten Sie es mit Veränderungen?

Huber: Die Politik zeigt es immer wieder: Veränderungen müssen vom Volk aus kommen. Es ist die Kunst der Politik, dies zu erspüren. Auch auf regionaler Ebene muss dieses Gespür da sein, zusammen mit dem Willen, die Wünsche des Volkes umzusetzen.

Interview: Angelika Rieger

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