Stiftungsrat wollte Investor nicht

Am Montag gab der Stiftungsrat das Ende des Erlebniszoos Rheintal bekannt. In der Sendung «Schweiz aktuell» meldete sich ein Investor: «Ich wollte den Zoo retten, durfte aber nicht.» Stiftungsrat René Ballmer äussert sich zu den Vorwürfen.

Samuel Tanner
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«Etwas Besseres als den Tod findest du überall», sagten sich die Bremer Stadtmusikanten. Für den Zoo-Stiftungsrat galt dieses Zitat nicht – die Verhandlungen mit Hans-Rudolf Willner brach man ab. (Bild: Samuel Tanner)

«Etwas Besseres als den Tod findest du überall», sagten sich die Bremer Stadtmusikanten. Für den Zoo-Stiftungsrat galt dieses Zitat nicht – die Verhandlungen mit Hans-Rudolf Willner brach man ab. (Bild: Samuel Tanner)

Eichberg. «Wir wären doch die Ersten gewesen, die einer Rettung zugestimmt hätten», sagt René Ballmer am Telefon. Er gehört zum Stiftungsrat des Erlebniszoos Rheintal, der diesen Montag «schweren Herzens» die definitive Schliessung des Kleinzoos bekannt gab. Umso mehr ärgert sich Ballmer gestern über einen Bericht der Sendung «Schweiz aktuell» vom Donnerstag, der «nur die halbe Wahrheit zeigt». Dort trat mit Hans-Rudolf Willner ein Unternehmer aus dem Aargau auf, der sagte: «Ich wollte den Eichberger Zoo den Tieren zuliebe retten, durfte aber nicht.» Und weiter: «Der Stiftungsrat richtete den Zoo zugrunde.» Zudem brachte den Aargauer Unternehmer laut Fernsehbericht ein Interview von Stiftungsrat René Ballmer bei «Tele Ostschweiz» in Rage. Ballmer erklärte dem Regionalsender nach der Schliessung: «Wir führten Gespräche mit zahlreichen Investoren, viele hatten aber spekulative Absichten und waren vor allem an den Gebäuden und nicht an den Tieren interessiert.» Hans-Rudolf Willner bezog diese Aussage auf sich.

Kein Verständnis von Ballmer

René Ballmer, der in diesen Tagen Präsident Wolfgang Kessler vertritt, kann diese Aussagen nicht verstehen: «Wir haben Herrn Willner immer wieder gesagt, dass wir mit seinem Vorschlag ohne finanzielle Anpassungen wohl nicht ins Gespräch kommen werden.» Zudem habe er Willner nie als Spekulanten bezeichnet, sagt Ballmer. «Die Verhandlungen mit dem Aargauer Investoren sind alleine des Geldes wegen gescheitert. Als Spekulanten bezeichnete ich andere Investoren», betont der Stiftungsrat gegenüber unserer Zeitung.

Mehrere Beweggründe

«Die Macher von <Schweiz aktuell> liessen einen Teil meiner Aussagen weg», echauffiert sich Ballmer und legt die Karten offen auf den Tisch: Hans-Rudolf Willner wollte sämtliche Gebäude für 800 000 Franken kaufen (Buchwert: 1,1 Mio. Franken) und sie anschliessend der Stiftung wieder verpachten. 25 Jahre Pacht-Garantie hätte der 70-jährige Investor dem Zoo gegeben, zu einem Zinssatz von 2,5 Prozent.

«Willner war auch in Verhandlungen mit unserer Hausbank, die sich schliesslich bereit erklärte, die bestehende Hypothek auf 590 000 Franken zu verringern», sagt René Ballmer. Der Erlös aus dem Verkauf sämtlicher Liegenschaften und des Landes hätte der Stiftung also 210 000 Franken eingebracht. «Wir hätten aber einen bedeutend höheren Betrag gebraucht, um die Sanierung der Gehege und die Erweiterung des Zoos gewährleisten zu können», betont Ballmer. «Auch unsere Hausbank hat uns schliesslich von diesem Angebot abgeraten, zumal Hans-Rudolf Willner seinen Investitionsbetrag in Raten zahlen wollte», sagt Ballmer. Alle diese Faktoren bewogen das oberste Führungsgremium des Eichberger Zoos, das Angebot des Aargauer Unternehmers abzulehnen. Willner konterte die Aussagen von Ballmer zum finanziellen Aspekt gegenüber dem Schweizer Fernsehen: «Ich wäre bereit gewesen, weitere Beträge nachzuschiessen.» Mit dieser Absichtserklärung kann Ballmer aber nichts anfangen: «Aussagen von Herrn Willner in diese Richtung blieben bis zuletzt vage. Unser Businessplan war mit seinem Vorschlag nicht erreichbar. Darum haben wir die Verhandlungen abgebrochen.» Hans-Rudolf Willner war gestern für unsere Zeitung telefonisch nicht erreichbar.

Keine ausgereifte Lösung

«Etwas Besseres als den Tod findest du überall», sagten sich die Bremer Stadtmusikanten, die in einer hölzernen Nachahmung vor dem 2008 errichteten Zoohaus stehen. Was für die unerwünschten Tiere aus dem Märchen der Gebrüder Grimm galt, die sich zusammenschlossen und davonzogen, gilt für den Erlebniszoo Rheintal anscheinend nicht. Der Stiftungsrat wollte eine sichere Lösung für Angestellte und Tiere, die er im Vorschlag von Hans-Rudolf Willner jedoch nicht sah. René Ballmer wiederholt: «Wir wären die Ersten gewesen, die einer Rettung zugestimmt hätten.»