Steuerfuss von 83 % «mag's liide»

Soll der Steuerfuss in Balgach sinken? Der Gemeinderat verneint, die GPK sagt Ja – um 2 Prozent auf 83. Denn Balgach habe sehr viele Reserven.

Gert Bruderer
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BALGACH. Gemeindepräsidentin Silvia Troxler sprach sich an der Vorversammlung für die langfristige Stabilität des ohnehin schon rekordtiefen Steuerfusses aus und nannte vier Argumente gegen dessen Senkung: die hohen gebundenen Ausgaben der Schule, kapitalintensive Projekte, die ungewissen Auswirkungen der Schuldenkrise und die neu entdeckte Lust des Kantons, zunehmend Kosten auf die Gemeinden abzuwälzen. Beispiel Pflegefinanzierung: Etwa 75 000 Franken hatte Balgach im Jahr 2011 aufzubringen, 265 000 sind es dieses Jahr, 450 000 werden es im nächsten sein.

Stattliche Reserven

GPK-Präsident Hansjörg Sieber begründete den Antrag auf eine Steuerfussreduktion. Für diese habe sich die Geschäftsprüfungskommission einstimmig ausgesprochen. Denn Balgach habe für künftige Aufwandüberschüsse – sollte es solche geben – eine stattliche Reserve von 7,6 Mio. Franken. Ausserdem liege das Sondervermögen über 10 Millionen. Eine Senkung des Steuerfusses um 2 Prozent «mag's liide», meinte Sieber. Auch wenn die Steuereingänge der Unternehmen, wie Silvia Troxler zu bedenken gab, nur schwer zu budgetieren seien.

Schule braucht mehr Geld

Fast 2,9 Mio. Franken beträgt der Gewinn, den Balgach letztes Jahr erzielt hat. Die Unternehmen haben zu diesem Erfolg viel beigetragen, indem ihre Beiträge das Budget um 1,2 Mio. Franken überstiegen. Eine Trendwende hat insofern eingesetzt, als der Steuerbedarf der Schule nicht mehr mit den Steuern der natürlichen Personen gedeckt werden kann. Im letzten Jahr waren die beiden Beträge fast gleich (etwa 8,5 Mio.), dieses Jahr zieht der Steuerbedarf gemäss Budget auf 9 Mio. davon. In früheren Jahren zahlten die natürlichen Personen mehr Steuern als die Schule brauchte.

Viele Investitionen stehen an

Die für dieses Jahr geplanten Investitionen der Gemeinde Balgach belaufen sich auf insgesamt 5,6 Mio. Franken. Aktuell sind die Sanierung und Erweiterung des Rathaus-Eingangsbereichs, die Sanierung der Hallenbad-Technik, aber auch im Alters- und Pflegeheim Verahus wird in Verschiedenes eine Summe von ungefähr einer halben Million Franken investiert, u. a. für einen neuen Eingangsbereich. Finanziell eher nebensächlich, aber emotional bedeutend ist der Wiederaufbau der abgebrannten Rebhütte am Hang.

Für folgende Jahre stehen IT-Projekte, die Umsetzung des Altersleitbildes, der Werkhof, Energieprojekte, die Sanierung des Hallenbades, Strassenerneuerungen, die Entwicklung des Leica-Areals sowie die Zentrumsgestaltung auf Balgachs Wunschliste.

«Silvia, pass auf»

Ein Wunsch Silvia Troxlers, nämlich die Mitwirkung der Bürgerschaft an der Vorversammlung, ging in Erfüllung. Knifflige Fragen zeugten von eingehendem Studium des Jahresberichts. So wollte Werner Lippuner wissen, warum die Verahus-Cafeteria trotz eines Erlöses von 60 000 Franken mit 30 000 Franken von der Gemeinde unterstützt werde. Die Antwort mehrerer Beteiligter, zusammengefasst: Es handle sich um einen Bruttoertrag, keinen Gewinn, und der Gemeindebeitrag sei durchaus erforderlich.

Zur Empfehlung, beim Spielplatz ein Chromstahl-WC aufzustellen, meinte die Gemeindepräsidentin, von Fachleuten werde Chromstahl wegen der Verletzungsgefahr abgelehnt.

Den Hinweis auf die gefährliche Einmündung der Säntis- in die Turnhallestrasse (wo der Vortritt von der Säntisstrasse her regelmässig ignoriert werde) nahm Silvia Troxler zur Prüfung entgegen.

Und die Frage eines Anwohners im Unteren Bühl, ob auch in seiner Gegend wegen «Tempo 30» Schikanen eingebaut würden, beantwortete Silvia Troxler mit einem Rat, den sie einmal von ihrem Vorgänger Ernst Metzler bekommen habe.

Nämlich: «Silvia, pass auf, wenn du Bäume mitten in der Strasse pflanzt.»

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