Steigender Rohölpreis aus heutiger Sicht nicht von Bestand

Seit seinen Jahrestiefstständen von Anfang Oktober hat sich der Rohölpreis kräftig erholt. In Anbetracht der Wachstums-Ängste für Nordamerika und Europa sowie der geringeren Nachfrage aus China überrascht diese Widerstandsfähigkeit.

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Seit seinen Jahrestiefstständen von Anfang Oktober hat sich der Rohölpreis kräftig erholt. In Anbetracht der Wachstums-Ängste für Nordamerika und Europa sowie der geringeren Nachfrage aus China überrascht diese Widerstandsfähigkeit. Zudem hat die politische Beruhigung in Nordafrika eine in Zukunft wieder steigende Ölförderung zur Folge. Eine Fördermengen-Erhöhung durch die Opec ist deshalb wahrscheinlich und der Kursanstieg beim Rohöl kaum nachhaltig.

Situation hat sich beruhigt

Anfang Oktober fiel der Rohölpreis auf den tiefsten Stand seit dem Frühsommer 2010. Seither erholte sich der Preis für das «schwarze Gold» um gut 25 Prozent und stieg damit auf den höchsten Stand in mehr als drei Monaten. Einerseits dürfte der Kursanstieg auf Rohstoff-Spekulationen zurückzuführen sein. Darauf lassen zumindest die Marktstatistiken an den Futures-Märkten schliessen.

Die Situation in Nordafrika hat sich nach dem politischen Umsturz vom Frühjahr wieder beruhigt. Es darf damit gerechnet werden, dass die Ölförderung in dieser Region nach und nach wieder hochgefahren wird. Eine Fördermengen-Erhöhung durch die Organisation ölexportierender Länder (Opec) ist deshalb sehr wahrscheinlich. Dennoch ist aufgrund von politischen Spannungen mit dem Iran die Lage der erdölfördernden Länder im Nahen Osten nach wie vor mit Unsicherheiten behaftet. Diese könnten vorübergehend einen dämpfenden Effekt auf die Ölförderung in der Region zur Folge haben. Gleichzeitig häufen sich in Nordamerika und Europa die Anzeichen für eine wirtschaftliche Wachstumsverlangsamung. Auch in China wird eine etwas stärkere Abkühlung der dortigen Wirtschaft nicht mehr ausgeschlossen. Eine solche hätte negative Folgen für die weltweite Ölnachfrage und damit verbunden für die Entwicklung des Rohölpreises. Die Gründe für einen tieferen Rohölpreis überwiegen derzeit klar. Anleger sollten deshalb nicht mit einer Fortsetzung des jüngsten Kursanstiegs rechnen.

Die nächste Woche

Kommende Woche werden u. a. Sonova und Swiss Life ihre Ergebnisse veröffentlichen. Julius Bär wird hingegen einen Zwischenbericht für die ersten zehn Monate vorlegen und die UBS sowie Lonza ihre diesjährigen Investoren-Tage abhalten. Konjunkturseitig stehen der Produzenten- und Importpreisindex für den Monat Oktober sowie der ZEW-Indikator für den Monat November zur Veröffentlichung an. In den USA liegt das Hauptaugenmerk auf den Detailhandelsumsätzen und der Industrieproduktion für den Monat Oktober. (pd)