Stars so nah – und doch so fern

Die Spieler des FC Brügge waren die Publikumslieblinge am Altstätter U19-Turnier. Bestimmt auch wegen ihres Fussballs – aber wohl eher wegen ihrem Auftreten.

Yves Solenthaler
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Trotz letztem Platz verlassen die Spieler des FC Altstätten U19 verstärkt die Gesa mit erhobenem Haupt. (Bild: ys)

Trotz letztem Platz verlassen die Spieler des FC Altstätten U19 verstärkt die Gesa mit erhobenem Haupt. (Bild: ys)

Die Spieler des FC Brügge waren die Publikumslieblinge am Altstätter U19-Turnier. Bestimmt auch wegen ihres Fussballs – aber wohl eher wegen ihrem Auftreten. Nach ihren Matches schlenderten die jungen Spieler mit neugierigen Blicken durch die Gesa, scherzten mit Zuschauern und liehen sich vom Turnier-Fotografen die Kamera, um selbst Bilder zu machen.

Stars so nah – sozusagen zum Anfassen. Das ist ein Erfolgsgeheimnis des Turniers. Erst recht in einer Zeit, wo selbst an einem U17-Turnier von Fifa oder Uefa kaum Möglichkeiten zum Austausch existieren. Bis auf allenfalls 5 Minuten in der Mixed Zone mit Journalisten werden Fussballer gnadenlos abgeschottet.

Unerreichbar bleiben die Stars auch für regionale Fussballer. So nahe wie am U19-Turnier kommen sie ihnen nie wieder. Sportlich klafft aber doch eine Lücke zwischen Amateuren und Profis. Mit dem Ziel, die Konkurrenzfähigkeit der Rheintaler Auswahl zu erhöhen, formulieren wir ein paar Wünsche.

• Bessere Vorbereitung

Beziehungsweise: Überhaupt eine Vorbereitung. Von drei geplanten Testspielen fiel eines aus, zwei wurden mit Rumpfteams bestritten, eines davon auf Kunstrasen. Auf diese Weise kann eine zusammengewürfelte Regionalauswahl gegen eingespielte Spitzen-Nachwuchsteams natürlich nicht bestehen. Ideal wäre es, bereits im Winter ein Kader zu bilden, mit dem dann regelmässig Testspiele stattfinden – vielleicht liegt sogar ein Trainingslager vor der Rückrunde drin.

Die Clubs müssten dann hie und da auf den einen oder anderen Spieler verzichten. Aber wohlgemerkt: Wir reden hier von 18- und 19-Jährigen. Wenn Gedeih und Verderb eines FC von ihnen abhängen, läuft grundsätzlich etwas falsch.

• Sorgfältige Rekrutierung

Die Vereine melden bisher selbst Spieler, die für das U19-Turnier in Frage kommen. Das OK bildet daraus ein 25-Mann-Kader, das zur Hälfte aus Altstätter Spielern besteht. Mit dem Coaching betraut wird ein Trainer aus dem Verein – meist der A-Juniorentrainer.

Das klappt mal so, mal so. Ein Garant für ein kompetitives Kader ist das Vorgehen nicht. Das fixe Altstätter Kontingent liegt darin begründet, dass das OK für Junioren aus dem eigenen Verein einen Anreiz schaffen will. Das ist nachvollziehbar und muss nicht den Erfolg schmälern: Altstätten ist ein grosser regionaler Verein. Aber er ist wie jeder FC in der Region Jahrgangs-Schwankungen unterworfen – deshalb wäre manchmal weniger (FCA) mehr.

• Grösserer Fundus

Die grösste Verbesserung wäre aber mit der Ausdehnung auf alle Rheintaler Vereine zu erreichen. So gibt es bei Diepoldsau, Rheineck, Staad oder St. Margrethen bestimmt Spieler, die einer Rheintaler U19-Auswahl gut zu Gesicht stünden. Es geht hier nicht um die Frage, weshalb diese Clubs fehlen. Es geht einzig darum, dass sie mit ins Rheintaler Boot gehören.

Im Idealfall beruft ein Selektionär, der zu Beginn der Saison vor dem Turnier bestimmt wird, die Spieler, die er dann aufs Turnier vorbereitet. Allenfalls mit Altstätter Kontingent, aber ansonsten mit allen Freiheiten.

Bitte an die gute Fee

Das sind Wünsche. Sie enthalten stets die Möglichkeit, dass sie unerfüllt bleiben. Aber nur wenn eine gute Fee sie erfüllen kann, werden die Rheintaler Talente im Scheinwerferlicht des U19-Turniers glänzen.

Ansonsten ist eine Halbfinal-Teilnahme illusorisch.

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