Standing Ovations für den scheidenden Thaler Gemeindepräsidenten Röbi Raths

Am Infoabend in Thal wird der nach 21 Jahren abtretende Gemeindepräsident mit viel Lob verabschiedet.

Rudolf Hirtl
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Der Moment, in dem Thals scheidender Gemeindepräsident Röbi Raths die Tränen zurückhalten muss.

Der Moment, in dem Thals scheidender Gemeindepräsident Röbi Raths die Tränen zurückhalten muss. 

Bild: Rudolf Hirtl

Thals Gemeindepräsident Röbi Raths ist eine coole Socke. Er lässt sich nicht so rasch aus der Ruhe bringen und ist um eine schlagfertige Antwort nie verlegen. Doch am Montag, als die Männer und Frauen im«Ochsen»-Saal aufstehen und ihrem scheidenden Dorfoberhaupt mit Standing Ovations und Bravorufen seine Arbeit in den vergangenen 21 Jahren verdanken, da verliert auch der 57-Jährige beinahe die Contenance. Er wendet sich sogar kurz vom Publikum ab, um nicht die Fassung zu verlieren. «Dieser Moment ist mir wirklich unter die Haut gegangen; ich konnte die Tränen nicht ganz zurückhalten», sagt Raths am Schluss des Abends noch immer sichtlich gerührt.

Geredet, bis alle zugestimmt haben

Miriam Salvisberg blickt davor mit humorigen Worten auf die Amtszeit des designierten Rorschacher Stadtpräsidenten zurück. «Man kann eine Gemeinde mit einem Zug vergleichen. Je besser die Lokomotive an der Spitze ist, desto besser fährt der Zug. Röbi Raths hat alle Eigenschaften, die es braucht, um einen Zug, respektive eine Gemeinde vorwärtszubringen», so die Schulratspräsidentin. Raths, der am 29. November 1998 gewählt wurde, könne andere Menschen sehr gut motivieren, oder wie er selber sage, «zu Boden reden». Jeder Einwohner und jedes Gewerbe, egal ob klein oder gross, sei ihm gleich viel wert. «Er hat eine klare Vorstellung, wie sich eine Gemeinde entwickeln soll, und hat seine Ideen auch konsequent umgesetzt.» Als Salvisberg die wichtigsten Projekte nochmals Revue passieren lässt, ist im Saal anerkennendes Nicken auszumachen. «Nach über zwanzig Jahren hinterlässt Röbi Raths eine intakte, attraktive, lebenswerte und auch steuergünstige Gemeinde», sagt sie dankend.

Zu Beginn des Abends informiert Raths über aktuelle Projekte. Als er erwähnt, das letzte Mal in dieser Funktion vor den Bürgerinnen und Bürgern zu stehen, schwingt etwas Wehmut mit. Der Kontakt mit der Bevölkerung sei ihm stets wichtig gewesen. Anliegen direkt entgegen zu nehmen und für Sorgen und Nöte ein offenes Ohr zu haben, seien Voraussetzungen für ein konstruktives Miteinander.

Der Gemeindepräsident kommt auch auf den vergangenen Wahlkampf zu sprechen, in dem sein FDP-Parteikollege Felix Wüst zu seinem Nachfolger gewählt wurde. «Wir sind putzgesund. Wir haben in den vergangenen Jahren 40 Mio. Franken Schulden abgebaut, heute ein Eigenkapital von 30 Mio. Franken und einen Steuerfuss von 98 Prozent. Wir müssen die Steuern auf Jahre hinaus nicht erhöhen, im Gegenteil», so Raths. Wer also behaupte, wie im Wahlkampf geschehen, die Thaler Finanzpolitik sei nicht nachhaltig, der liege falsch.

Zufrieden hält Raths fest, dass im Laufe dieser Woche die letzte Parzelle des «Arena»- Areals verschrieben werde. Es habe sich damals gelohnt, das Areal zu kaufen. Nicht zuletzt, weil dadurch ein Bordell im mittlerweile abgerissen Restaurant Rank habe verhindert werden können.

Ausserdem erwähnt Raths, dass sich der Flugplatz Altenrhein weiterentwickeln müsse, was durch neue Rahmenbedingungen möglich sei, ohne dass die Gemeinde dadurch Nachteile erfahre.

Anekdoten aus den Anfängen

Robert Raths verabschiedet sich auch mit der einen oder anderen Anekdote. Zu Beginn seiner Amtszeit etwa habe er das «Alte Öchsli» der Ortsgemeinde geschenkt, weil die politische Gemeinde kein Geld hatte, es im Sinne der Denkmalpflege zu unterhalten. Er sei damals bei der Abstimmung der Ortsbürger zugegen gewesen, und im Laufe des Abends sei der Verdacht aufgekommen, er habe die Ortsgemeinde über den Tisch gezogen. «Wir werden euch noch mehr schenken, und wenn es die Ortsgemeinde verbläst, dann bekommen wir ja alles wieder zurück», habe er daraufhin gewitzelt, erzählt Raths unter dem Gelächter des Publikums. Werner Herzog, der damalige Ortsgemeindepräsident, habe daraufhin gekontert: «Du Saukog, du stirbst eines nicht natürlichen Todes.»