Staatsanwalt fordert 14 Jahre Haft

Wegen Mordes an seinem Freund soll ein 46-jähriger Schweizer mit 14 Jahren Freiheitsentzug bestraft werden. Er bestritt vorgestern vor Gericht die Tat.

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C.-G.-Jung-Haus in Bollingen. (Bild: Maya Rhyner)

C.-G.-Jung-Haus in Bollingen. (Bild: Maya Rhyner)

UZNACH. Der angeklagte Broker soll laut Staatsanwalt vor einem Jahr in Bollingen am Zürichsee seinen 20 Jahre älteren Freund mit einem Schraubenschlüssel erschlagen haben. Dabei habe er einen Überfall vorgetäuscht.

Anklage lautet auf Mord

«Der Angeklagte hat die Tat akribisch geplant und skrupellos ausgeführt, um einen unbequemen Gläubiger zu beseitigen», sagte der Staatsanwalt am Donnerstag vor dem Kreisgericht See-Gaster. Eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren sei angemessen. Der Broker habe über 100 000 Franken des Freundes im Rohstoffhandel verspekuliert. Als der Freund ihn deswegen zur Rede stellen wollte, habe er ihn mit 20 Schlägen auf den Kopf getötet.

Der Angeklagte sei mangels Beweisen freizusprechen, verlangt hingegen die Verteidigung. Sei das Gericht überzeugt, dass der Angeklagte seinen Freund erschlagen habe, dürfe der 46-Jährige nur wegen Totschlags verurteilt werden. Hierfür verlangt die Verteidigung eine Freiheitsstrafe von höchstens vier Jahren.

Von Jogger überrascht

Der Angeklagte sagte vor Gericht, er habe am 15. Dezember 2010 zusammen mit seinem Freund eine Liegenschaft am See beim C.-G.-Jung-Haus in Bollingen anschauen wollen. Während der 66-jährige Freund sich im Gebüsch erleichtert habe, sei er von zwei Unbekannten überfallen und niedergeschlagen worden. Als er seinem Freund zu Hilfe eilte, seien zwei dunkel gekleidete Unbekannte weggerannt. Er habe den Verletzten zum Auto gezogen, um ihn unter dem Deckel des Kofferraums vor den niedergehenden Schneeschauern zu schützen.

Blutige Hände abgewischt

Laut Anklage wollte er den schwer verletzten Freund in den Kofferraum seines Autos laden. Ein Jogger habe ihn aber überrascht. Weil er sich ertappt fühlte, habe der Angeklagte die Polizei gerufen und die Geschichte mit dem Überfall erfunden.

Obwohl sich der Angeklagte am Tatort auskannte, habe er der Polizei seinen genauen Standort nicht beschrieben. Bis der Krankenwagen und die Polizei eintrafen, nahm der Angeklagte das Portemonnaie, das Mobiltelefon, die Brille und den Vermögensauszug über das Rohstoffhandelskonto an sich. «Zudem wechselte er den Pullover und die Schuhe und wischte sich mit Schnee die blutigen Hände ab», sagte der Staatsanwalt.

Tatwerkzeug versteckt

Klarstes Indiz für die Tat sei das Tatwerkzeug, ein sogenannter «Engländer». Der Angeklagte habe den Schraubenschlüssel nach der Tat in ein Tuch eingewickelt und im Kofferraum seines Autos versteckt. «Warum sollten die unbekannten Täter so etwas machen?», fragte der Ankläger.

«Sicherungen durchgebrannt»

Wie einer der beiden Verteidiger vor Gericht ausführte, könnte es auch eine Affekt-Tat gewesen sein. «Für den Angeklagten galt Schein mehr als Sein», sagte der Verteidiger. Der Angeklagte sei unter grosser seelischer Belastung gestanden, wie ein Gutachten zeige. Er sei depressiv gewesen, habe Alkohol und Drogen konsumiert.

Als der Freund den Angeklagten zur Rede stellte, seien diesem die Sicherungen durchgebrannt. «Hätte er einen Mord geplant, hätte er die Tat nicht an einem öffentlichen Ort ausgeführt», argumentierte der Verteidiger.

Das Urteil wird am kommenden Donnerstag eröffnet. (sda)