ST. MARGRETHEN: Zwei Grossprojekte diskutiert

Seit 15. August liegen die Sondernutzungspläne für die Industriebrache «Altfeld» und die Zentrumsüberbauung «Neustart» auf. Am Donnerstagabend orientierte die Gemeinde über die Bauvorhaben.

Max Pflüger
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Der Infoabend zu den Sondernutzungsplänen war gut besucht. (Bild: Max Pflüger)

Der Infoabend zu den Sondernutzungsplänen war gut besucht. (Bild: Max Pflüger)

Max Pflüger

Rund 130 Interessierte folgten der Einladung der Gemeinde zum Orientierungsabend im Schulhaus Wiesenau. Gemeindepräsident Reto Friedauer informierte über die beiden Umzonungsvorhaben, die zwei zukunftsweisende Projekte ermöglichen werden. «Beide Projekte sind für unsere Gemeinde von grosser Bedeutung. Sie bringen uns Arbeit, Einkommen und Steuern», ist Friedauer überzeugt. Er stellte die Bauprojekte detailliert vor. In seinen Ausführungen ging er im Besonderen auch auf die Problemthemen Lärmschutz, Verkehrs­erschliessung, Parkplätze und Schattenwurf ein.

Überbauung «Neustart» mit Nutzungsmix

Nach einer langen Planungs­phase liegt ein Entwurf der Ar­chitekten RLC AG und der HRS Real Estate AG vor. Er überzeugt durch ein ausgewogenes Konzept mit einem Nutzungsmix von Dienstleistung und Wohnen. Im Mittelpunkt stehen die Coop- Filiale sowie weitere Ladengeschäfte, zum Beispiel eine Bäckerei. Viele Gespräche mussten zu Grenzbereinigungen und Dienstbarkeiten geführt werden, inzwischen jedoch konnten jeweils Lösungen gefunden werden.

Die geplanten Gebäude werfen nur im Winter einen spürbaren Schatten auf die umgebenden Wohngebiete. An 270 Tagen im Jahr beschatten sie lediglich die eigene Liegenschaft. Für die Erschliessung durch Lastwagen wurden verschiedene Varianten geprüft. Dabei stand die Verkehrssicherheit im Vordergrund. Die Gemeinde bevorzugt eine Variante mit Wendeplatz auf dem Areal. Ein solcher erlaubt den Einsatz von Grosslastwagen nicht, sondern nur Fahrten mit Kleinlastwagen, täglich zwei bis drei. Schalldämpfende Massnahmen sind in der Planung vorge­sehen. Die Parkmöglichkeiten sind beschränkt, da eine Park­garage wegen des Grundwasserschutzes und des Schutzes der Mineralquelle nur eingeschossig möglich ist. Erforderlich ist die Umzonung von der dreigeschossigen Kernzone zur viergeschossigen. Ausserdem ist ein Sondernutzungsplan nötig.

«Altfeld-Areal» ideal für Stadler Altenrhein AG

Nach Aufgabe des Gestaltungsplanes «europuls» aus marktwirtschaftlichen Gründen besteht im Altfeld nach wie vor eine rund 70000 m2 grosse Industriebrache. Durch die ideale Verkehrsanbindung mit Autobahn- und Eisenbahnanschluss ist die Fläche sehr attraktiv.

Geplant sind ein Verwaltungsgebäude und Produktionshallen zum Bau moderner Doppelstocktriebzüge. In den 11 bis 25 Meter hohen Gebäude sollen in St. Margrethen rund 800 Arbeitsplätze geschaffen werden. Die nicht allzu hohen Bauten auf dem tiefergelegten Industrieareal werfen im Sommer keinen Schatten auf die Einfamilienhäuser der Neudorfstrasse. Verkehrsmässig angebunden wird das Areal hauptsächlich über die Schiene und die Neudorfstrasse. Vom Bahnhof wird für Fussgänger eine Passerelle zur Neudorfstrasse und zum Zollamt führen. Auf der Nordseite der Passerelle ist ein gedeckter Velopark geplant. Eine begrünte Lärmschutzwand gegen die Neudorfstrasse hin ist ebenfalls vorgesehen. Das seinerzeit für «europuls» von der Industriezone in die Zone K5 umgezonte Areal muss dazu in die Industriezone zurückgezont werden.

Beide Projekte benötigen eine Umzonung. Bis zum 13. September sind die Projekte auf der Gemeinde aufgelegt. Dann müssen allfällige Einsprachen erledigt werden. Nach dem Umzonungsentscheid untersteht der neue Zonenplan dem fakultativen Referendum. Wenn er als genehmigt gilt, muss er durch den Kanton abgesegnet werden. Dann erst können die Baugesuche eingereicht und behandelt werden. Der Baubeginn kann damit noch nicht definiert werden. Er ist vor allem abhängig von der Erledigung allfälliger Einsprachen.

Die Diskussionen zu den beiden Projekten zeigten klar: Mit Einsprachen ist noch zu rechnen, denn der Widerstand einzelner Anwohner zeichnete sich bereits ab. Zum Projekt «Neustart» wurden der Mehrverkehr und der Lärmschutz diskutiert. Die Beschränkung auf zwei, in Zeiten mit grösserem Umsatz drei Lastwagenfahrten pro Tag wurde angezweifelt.

Beim Projekt «Stadler» wurde der Schattenwurf wie auch die Sichtbeschränkung durch die Lärmschutzwand auf die Umgebung sowie hinauf nach Walzenhausen als unzumutbar bezeichnet. Auch der Ruf nach einer Wertminderungsentschädigung wurde laut.