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ST. MARGRETHEN: Neues Zentrum ersetzt Zollfreilager

Unmittelbar neben dem Strassenstumpen, zu dem dereinst die «S 18 neu» aus Vorarlberg führen soll, will der Bund ein neues Zollzentrum eröffnen. Die Bauwerk Parkett AG verkauft den dafür nötigen Boden.
Kurt Latzer
Der Spickel bei der Autobahn geht in Besitz der Zollverwaltung über: Die Bauwerk Parkett AG verkauft dem Bund unmittelbar beim Autobahnknoten St. Margrethen 2,15 Hektaren Boden. Gemäss Geschäftsleitung verfügt das Unternehmen trotz des Verkaufs über genug Land für die Baureserve. (Bild: pd)

Der Spickel bei der Autobahn geht in Besitz der Zollverwaltung über: Die Bauwerk Parkett AG verkauft dem Bund unmittelbar beim Autobahnknoten St. Margrethen 2,15 Hektaren Boden. Gemäss Geschäftsleitung verfügt das Unternehmen trotz des Verkaufs über genug Land für die Baureserve. (Bild: pd)

Kurt Latzer

Seit 50 Jahren plant man, die Vorarlberger A14 mit der Schweizer A1 zu verbinden. Fest stand seit jeher: Mit dem Bau dieser Entlastungsstrasse («S 18 neu») muss ein grosses Strassenzollamt her. In unmittelbarer Nähe zum ­Autobahnknoten St. Margrethen. Kürzlich hat die Bauwerk Parkett AG mitgeteilt, dem Bund 2,15 Hektaren Land zu verkaufen.

Bezug in sechs Jahren ­geplant

Auf dem grossen Spickel zwischen dem Kreisel zur Autobahn und dem Anschlussstumpen plant die eidgenössische Zollverwaltung den Bau eines Zollabfertigungs- und Kontrollzentrums. Mehr über den Zeitplan, den sich der Bund für den Bau gesteckt hat, weiss David Marquis, stellvertretender Leiter Kommuni­kation bei der eidgenössischen Zollverwaltung: «2018 wird die Machbarkeit geprüft, anschliessend folgen die weiteren Planungsschritte.» Bezogen würden die neuen Infrastrukturanlagen voraussichtlich im zweiten Semester 2023. «Vorbehalten bleiben alle Genehmigungsschritte im Planungsauflage- beziehungsweise Bewilligungsverfahren», sagt Marquis.

Verlegung ist raumplanerisch sinnvoll

Wann Österreich die «S 18 neu» baut, steht in den Sternen. Mit einem Baubeginn in den 2020er-Jahren ist kaum zu rechnen. Hätte man sich mit dem Bodenkauf und dem Zollzentrum nicht mehr Zeit lassen können? Bis feststeht, wann die Entlastungsstrasse tatsächlich befahrbar ist? «Nein. Das neue Zollabfertigungszentrum hat vorderhand nichts mit dem Bau der ‹S 18› zu tun», sagt David Marquis.

Das neue Zentrum solle das bestehende Haus des Zolls im Freilager St. Margrethen ersetzen und den dort zurzeit anfallenden Verkehr auffangen. Beim Bund ist man überzeugt, dass eine Verschiebung des Zolls im Ort an die Peripherie des Dorfes raumplanerisch sinnvoll ist. Zudem müsse man mit dem Bau des neuen Werks von Stadler Rail mit zusätzlichem Personen- und Werkverkehr rechnen. Dieser Verkehr konkurrenziere sich mit dem Zollverkehr. David Marquis: «Ein Wegzug ins Bauwerkareal ist folglich richtig und auch im Interesse der Gemeinde St. Margrethen.»

Personal aus der Region zusammenziehen

Der neue Standort direkt an der Autobahnein- und ausfahrt sei ideal. Auch nach dem Bau der «S 18» ist die neue Zollanlage ­nötig. Davon ist der Bund überzeugt. Denn nach heutigen Erkenntnissen reiche der Platz im Bruggerhorn für eine Gemeinschafts-Zollanlage für die Abwicklung des gesamten Zollverkehrs nicht. Zudem ist das neue Zentrum nach Ansicht der Zollverwaltung bis zum Bau der Entlastungsstrasse als Ersatz für das Freilager wichtig. «Nur so können wir den im Zuge der Globalisierung stetig steigenden grenzüberschreitenden Warenverkehr abfertigen», sagt David Marquis.

Und welche Aufgaben erfüllt das Kontrollzentrum? «Es dient vertieften Kontrollen von Zoll und Grenzwacht im ganzen Rheintal», sagt der Mediensprecher der Zollverwaltung. Mit der Zentralisierung der Infrastruktur könne man Kosten sparen, Synergien nutzen und «die eher mangelhafte Kontrollinfrastruktur an der Grenze kompensieren.»

Ob es neue Arbeitsplätze gibt, sei schwer zu sagen. Es komme darauf an, welche Partnerorganisationen sich ebenfalls auf dem Areal niederlassen. «In der Regel handelt es sich um Arbeitsplätze, die bereits in der Region bestehen und sich an den neuen Standort auf dem Bauwerkareal verschieben werden», sagt David Marquis. Insgesamt könnten es im Zollabfertigungs- und Kontrollzentrum bis zu 70 Arbeitsplätze sein.

Bauwerk investiert in Zukunft

Wie die Bauwerk Parkett AG mitteilte, investiert das Unternehmen den Erlös aus dem Bodenverkauf in den Ausbau seines Werks in St. Margrethen und seine Spezialisierung als weltweites Parkett-Oberflächenzentrum der Bauwerk-Boen-Gruppe.

Ausbau des Werks und Bodenverkauf: Wie geht das? «Wir brauchen den Platz nicht mehr. Dort haben wir das angelieferte nasse Holz gelagert, das später im Werk dem Trocknungsprozess zugeführt wurde», sagt Klaus Brammertz, CEO der Bauwerk-Boen-Gruppe. Diese Trocknung hat das Unternehmen nach Kroatien ausgelagert. Von dort bekommt das St. Margrether Werk getrocknetes und fertig vorgeschnittenes Holz.

«Dadurch entfällt die Aussenlagerung. Zudem haben wir viel weniger Transporte», sagt der Bauwerk-CEO. Statt des ausgelagerten Teils baue man in St. Margrethen aus. In den vergangenen drei Jahren habe man hier 6,5 Mio. Franken in neue Oberflächentechnologie investiert. In St. Margrethen bewerkstellige man die gesamte Entwicklung sowie alle Serienan­läufe für alle fünf Werke der Bauwerk-Boen-Gruppe. Wie viele Arbeitsplätze in St. Margrethen hat die Optimierung durch Auslagerung von Produktionsteilen nach Kroatien gekostet? «Die Konsequenz war: Wir haben 25 Arbeitsplätze verloren, zugleich aber zehn neu im Bereich Oberfläche geschaffen», sagt Klaus Brammertz. Tendenz steigend? «Wollen wir hoffen. Wenn die Auftragslage stabil bleibt, sehe ich mit der Aufstockung des Personals kein Problem», sagt der Bauwerk-CEO. Insgesamt arbeiten heute 240 Personen im St. Margrether Werk. Der Grenzgängeranteil liege bei etwa zehn Prozent.

Kurt Latzer

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